Adi Weiss
Die österreichische Sängerin Monika Martin ist seit 20 Jahren ein Fixstern am deutschsprachigen Schlagerhimmel und bekam mit ihrem aktuellen Album „Mit dir“ neuen Schub... 20 Jahre Monika Martin: Nach Lebenskrise mit neuem Schwung

Die österreichische Sängerin Monika Martin ist seit 20 Jahren ein Fixstern am deutschsprachigen Schlagerhimmel und bekam mit ihrem aktuellen Album „Mit dir“ neuen Schub in den Charts. Am Freitag, 8. Juli, ist sie für ein Sommernachtskonzert in ihrer Heimatstadt Graz und singt mit eigener Band auf der Schloßbergbühne Kasematten. Ihr neues Album sowie eine DVD erscheinen im Herbst.

Mit ihrem aktuellen Album „Mit dir“ sowie der Single „Die neue Wirklichkeit“ ist Martin so erfolgreich wie noch nie. Im Interview mit der APA verriet die 54-Jährige die Hintergründe ihres Labelwechsels, offenbarte ihre überwundene Midlife-Crisis und bot Einblicke in ihre Zukunftspläne.

APA: Was darf man sich von Ihrem Konzert in Graz erwarten?

Monika Martin: Gänsehautgefühl und Stimmung pur. Ich habe schon vor etwa zehn Jahren mit Band gearbeitet. Das ist ein Kostenfaktor, aber ich habe es wieder aufgegriffen, weil Livemusik ist Livemusik. Das ist ein anderes Musikmachen, als mit Halbplayback auf der Bühne zu stehen. Live ist Musik von Mensch zu Mensch. Graz wird eines von mehreren Testkonzerten für meine Tour 2017 sein, die mich durch ganz Österreich führen wird.

APA: Kommen wir zu Ihrem aktuellen Album. Wie würden Sie es mit drei Worten beschreiben?

Martin: Jetzt geht’s los. Denn man muss anscheinend 50 werden, um durch eine kleine Midlife-Crisis nachzudenken und zu begreifen, dass es für eine Sängerin wichtig ist, nicht nur stille Lieder zu singen, sondern auch die Gegenseite zuzulassen, auch wenn ich durch meine Balladen bekannt geworden bin. Es ist notwendig, auch den Gegenschub zu leben. Immer still ist nie still und immer laut ist nie laut. Durch die Midlife-Crisis habe ich mir gesagt: Das Leben ist nicht unendlich. Mir ist der Boden unter den Füßen weggeflogen und ich dachte mir: Worauf will ich warten? Jetzt gebe ich einmal Gas. Ich bin ja privat auch nicht nur still. Ich habe mich zuerst nicht getraut: Ich habe meine Karriere erst mit 33 begonnen, da hören andere schon wieder auf. Ich war immer schon eine Spätzünderin. Aber man soll sich besser spät als gar nie seine Wünsche erfüllen. Ich habe niemandem davon erzählt, erst, als ich den neuen Plattenvertrag in der Tasche hatte.

APA: Sie haben das Label gewechselt.

Martin: Ja, ich war zuerst bei Universal, bin freiwillig weggegangen und jetzt bei Telamo. Die anderen haben sich aufs Hirn gegriffen und mich gefragt, ob ich wahnsinnig bin, von der weltgrößten Plattenfirma wegzugehen. Aber nach knapp 20 Jahren hatte sich das Fahrwasser eingependelt. Die Leute von Telamo haben mir gezeigt, sie wollen richtig loslegen. Und es passte gut mit meiner Einstellung zusammen. Deswegen habe ich es getan, obwohl ich immer eine sehr Vorsichtige bin. Ich habe es nicht bereut, weil mit meinem aktuellen Album haben wir schon mehr als doppelt so viele CDs verkauft wie mit dem Album davor.

APA: Was war der Grund für den Wechsel?

Martin: Der war ich, denn es wäre immer so weitergegangen und ich wollte noch einmal Schwung holen, mit anderen und neuen Ideen etwas bewerkstelligen. Eine Kette ist immer so stark wie ihr schwächstes Glied. Natürlich schaue ich immer bei mir zuerst, dass von meiner Seite alles passt, weil einem anderen die Schuld geben, dass sich das Album nicht verkauft, ist leicht. Man muss die Wellen im Markt durchstehen, es geht manchmal runter und dann wieder bergauf. Und wenn du das aushältst, hast du deine musikalische Nische gefunden. Das betrifft meine weltlichen Konzerte als auch meine Kirchenkonzerte: Wäre ich vor 200 Jahren geboren worden, wäre ich nicht Schlagersängerin geworden, weil die gab es nicht, sondern ich wäre ins Kloster gegangen. Ich hätte den ganzen gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen müssen. Manchmal wird man mit 54 schief angeschaut, weil man noch nicht verheiratet ist.

APA: Wie geht es weiter?

Martin: Am 30. September wird mein neues Album ‚Sehnsucht nach Liebe‘ herauskommen. Wenn man so einen Titel hört, erwartet man vielleicht eine schmachtende Geschichte, aber das ist ein Irrtum. Das Hauptlied mit dem gleichen Titel, das kurz vor dem Veröffentlichungstermin als Single ausgekoppelt wird, ist allen glücklichen Beziehungen gewidmet. Musikalisch gesehen ist die neue CD die Fortführung der im letzten Album begonnenen, schwungvollen, moderneren Musik. Natürlich kommen aber auch jene auf ihre Rechnung, die meine Balladen lieben. Stille Lieder werde ich wahrscheinlich mein ganzes Leben lang singen. Außerdem erscheint zeitgleich die DVD „Monika Martin, Mein Graz“. Ich bin darin sozusagen die Reiseführerin – untermalt von Musik meines neuen Albums. Und am 14. Oktober gibt es meinen ersten Liveauftritt im Internet. Man kann sich eine Karte im Netz kaufen und mich von zu Hause aus erleben – egal ob man in Australien, Südafrika oder in Amerika wohnt.

APA: Woher schöpfen Sie die Ideen für Ihre Lieder?

Martin: Die Ideen liefert mir das Leben, ich brauche nur nacherzählen. Das Leben ist so bunt, man braucht eigentlich nur mitschreiben. Aber es werden nicht nur meine, sondern auch Titel anderer Liederschreiber bei der Titelsitzung eingereicht. Die Hälfte der Lieder auf meiner aktuellen CD sind von mir, aber ich muss die Komponistin und Texterin von der Sängerin trennen. Die Komponistin will ihr Lied als erstes auf der CD, aber als Sängerin weiß ich, dass vielleicht ein anderes besser ist.

APA: Gibt es nach 20 Jahren immer noch Lieder, die Sie gerne noch bei sich zu Hause privat singen?

Martin: Ich höre zu Hause immer meine Konzertlieder, aber nicht, weil ich so von mir eingenommen bin, sondern damit die Texte da bleiben. Denn man steht dann vor einem vollen Saal und darf nicht überlegen: Wie geht’s denn jetzt los? Das muss, wenn du um drei Uhr in der früh aufwachst, da sein. So geht es in Fleisch und Blut über.

APA: Laut Ihrer Website sind Sie nun im Vergleich zu früher mehr in einer Selbstbestimmung. Hat das auch mit dem Labelwechsel zu tun?

Martin: Das empfinde ich nicht so. Ich habe früher auch meinen eigenen Kopf gehabt und mein ehemaliges Label ist auch auf mich eingegangen. Die haben schon verstanden, dass sie das ruhigste Leben haben, wenn ich angehört werde (lacht). Ich bin ein Teil dieser Geschäftsbeziehung und ich bin kein Mensch, der gemacht wird, oder auch keine Sängerin, die gecastet wird. Nach 20 Jahren behaupte ich, dass ich schon das Handwerk beherrsche. Ich habe mich von der alten Plattenfirma im Guten getrennt.

APA: Wie stehen Sie zu dem, was ein anderer bekannter Grazer Musiker, nämlich Andreas Gabalier, macht?

Martin: Hut ab vor dem, was er geschafft hat: Als Newcomer es in so kurzer Zeit so weit zu bringen, dass man eine Stadiontour macht, ist ein Wahnsinn. Er ist einer, der es verstanden hat, mit einem modernen Arrangement einen Brückenschlag zwischen Volksmusik und den jungen Leuten zu schaffen, in einer Lederhose aufzutreten, mit seinem typischen Hüftschwung, und die jungen Mädels mal hinschauen zu lassen. Andere werden in einer Lederhose von der Jugend gar nicht angeschaut. Er hat die Tracht wieder salonfähig gemacht. Er macht Volks-Rock’n’Roll. Ich bin eine Schnulzensängerin und verkaufe mich damit auch nicht unter meinem Wert, weil eine Schnulze ist für mich ein Lied fürs Herz. Ich mache Musik fürs Herz. Ich habe nichts gegen Volksmusik, ich stehe nach wie vor dazu, aber ‚Die neue Wirklichkeit‘ zum Beispiel ist keine Volksmusik. Ich werde sicher auch nicht Schuhplatteln anfangen. Ich habe von Anfang an gesagt, ich möchte Karriere mit meiner Stimme machen und nicht mit meinem Mini-Rock. Ich bin Sängerin und singe live, und brauche keine gewisse Kleidung. Ich ziehe manchmal Mini-Röcke an, aber weil es mir gefällt und nicht, weil ich jemanden damit betören will. Mir ist lieber, ich erzeuge durch meine Stimme Gänsehaut, um auch mit 70 noch mit einem guten Gefühl auf die Bühne zu gehen.

(Das Interview führte Ingrid Kornberger/APA)

(S E R V I C E –

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