Adi Weiss
Ich liebe es in Italien in eine Bar zu gehen, mich an die Theke zu stellen und im Stehen ohne großes Brimborium eine Kleinigkeit... Arlecchino – Die analoge Kopie einer guten Pizza

Die nicht mehr Allerjüngsten werden sich noch an die gute alte Audiokassette erinnern, jenes fast unzerstörbare Aufnahme- und Abspielmedium, das es einem früher ermöglicht hat, so einiges an Musik überall hin mitzunehmen. Aufgenommen hat man seine Musik damals vom Radio, von Schallplatte oder eben auch von anderen Musicassetten. Und wenn man sich die Musik von einer anderen Kassette holte, dann klang die neuerliche Kopie einen Hauch schlechter als der Vorgänger. Was hat das alles jetzt mit Essen zu tun? Tja, die neue Pizzeria „Arlecchino“ in der Wiener Taborstraße ist so eine Kassetten-Kopie.

Dass es im Gastro-Imperium des D’Atri-Clans echte Perlen wie die gleichnamige Osteria oder das Melograno gibt, ist unbestritten. Und auch, dass man im Totos am Josefsplatz die wahrscheinlich beste römische Pizza in Wien bekommt, ist für mich eine Tatsache. Jedoch spätestens bei den Pizzerien „Pulcinella“ am Naschmarkt oder im „Il Basilico“ am Gaußplatz wird pizzatechnisch nur mehr kopiert und das nicht unbedingt auf höchstem Niveau.

Das neueste Projekt in dem Roberto D’Atri seine Finger im Spiel hat, ist das „Arlecchino“ in der Taborstraße. Abgesehen von einigen klischeehaften Harlekin-Bildern an der Wand, versprüht das Lokal wenig, dass es zu einer Pizzeria-Trattoria machen würde, von Charme oder Stil keine Spur. Nicht, dass es unangenehm wäre dort zu sitzen, aber das Ambiente ist mehr funktional als einladend. Würde hier in zwei Monaten ein griechisches oder asiatisches Restaurant einziehen, wären die nötigen Umbaumaßnahmen mit minimalem Aufwand erledigt.

Zwar werden beim Einkauf der Zutaten Synergien mit den anderen Lokalen genutzt, aber letztendlich kommt es ja auch darauf an, was man daraus macht…

Der Antipasti-Teller mit Parmaschinken, Büffelmozzarella, Kirschtomaten und Blattsalat war natürlich etwas, bei dem man nicht allzu viel falsch machen kann. Und nachdem – wie schon gesagt – die Grundprodukte dafür aus einem sehr gediegenen Einkauf stammen, schmeckt diese Vorspeise genauso gut, wie sie einfach ist. Auch die dazu gereichte Focaccia ist an sich nicht schlecht. Nur ist sie eben keine Focaccia, sondern gewürztes, flaches Pizzabrot und nicht dick und flaumig wie man es aus Apulien kennt. In der Hinsicht bin ich jetzt deswegen so kleinlich, weil Roberto D’Atri zum Beispiel bei den Gerichten im Melograno kaum aufhören kann auf seine apulische Herkunft zu verweisen …

Die Pizzen sind in Ordnung aber dabei vollkommen belanglos. Weder die klassischen Merkmale der römischen, noch jene der neapolitanischen Pizzen sind hier markant herausgearbeitet. Die Pizzen sind weder besonders knusprig, noch saftig, noch besonders lange gereift oder besonders komponiert. Kann man denn überhaupt „besonders komponieren“, wenn man nur eine Pizza Marinara oder eine Diavola mit scharfer Salami zubereitet? Natürlich kann man! Denn auch bei der einfachsten Pizza kann man mit Süße, Säure und Textur der Komponenten spielen, und das ist hier nicht passiert. Bitte nicht falsch verstehen … die Pizza hier ist wirklich in Ordnung. Nur ist sie eben auch vollkommen austauschbar und könnte so auch in Jesolo, Berlin oder Istanbul schmecken. An späten Abenden würde ich mich sehr freuen, noch so eine Pizza zu bekommen, aber für einen gezielten Pizza-Hunger gibt es sogar im 2. Bezirk spannendere Angebote.

Insgesamt habe ich das „Arlecchino“ etwas enttäuscht verlassen. Denn das Essen hier war schlicht und einfach uninteressant. Nicht schlecht, aber fad. Nicht lieblos, aber belanglos. Die x-te Kopie kann halt nicht mit dem Original mithalten. Wie bei einer Audiokassette eben …

Arlecchino
Taborstraße 21, 1020 Wien
www.pizzeria-arlecchino.at

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