Adi Weiss
Ja. Es geht. Es funktioniert tatsächlich, am Donaukanal zu sitzen und nach einer gewissen Zeit das Vorbeidröhnen der Autos auf beiden Seiten der Lände... Blumenwiese – Wenn es auch am Teller grünt!

Ja. Es geht. Es funktioniert tatsächlich, am Donaukanal zu sitzen und nach einer gewissen Zeit das Vorbeidröhnen der Autos auf beiden Seiten der Lände auszublenden und sich einfach nur am Wasser zu wähnen. Die bisherigen Lokale direkt am Kanal waren ja eher shabby chic als tatsächlich schick. Die neue „Blumenwiese“ geht da neue Wege. Und das nicht nur, weil die Betreiber einen ganzen Bereich auch Nicht-Gästen zum Verweilen anbieten, sondern weil es sich hier am Kanal um das erste Lokal seit Langem handelt, in dem man tatsächlich essen sollte. Ja, ich weiß, dass sich das „Motto am Fluss“ genau gegenüber befindet. Aber das ändert tatsächlich nichts an meiner letzten Aussage …

Die „Blumenwiese“ wird als Ort vor allem von drei Bereichen bestimmt: Den Liegestühlen (für Gäste und Nicht-Gäste), den Lounges und den Esstischen. Und alle drei haben ihren Reiz. Was man an diesem Platz aber fast übersieht, ist die unglaublich kleine Küche. Sie bestimmt jedoch, was hier angeboten wird. Und so sind es vor allem kalte oder kurzgebratene Speisen, die die Karte dominieren: Orientalische Mezze, Antipasti, Burger, Röllchen und Salate.

Wir waren zu zweit und starteten mit Beef Tartar und einem „Papaya Exotic Salat“, was eine ziemlich grausame phonetische Verstümmelung sowohl der englischen, als auch der deutschen Sprache ist. Der Salat hingegen war ein wunderbar durchkomponierter Traum aus Blattsalat, Avocado, Papaya, Chia und getrockneten Goji-Beeren samt einem himmlischen Limetten-Honig-Dressing. Das Zusammenspiel von Süße und Säure und die tatsächlich schön durchdachte Vermischung der Texturen macht wirklich Spaß. Alleine die Goji-Beeren bewegen hier sehr viel. Sie würden aber wahrscheinlich auch Plomben bewegen, also sollte man hier ein wenig aufpassen. Aber geschmacklich top!

Genauso sensationell war der „Spicy Sweet Beef Salat“ mit gewürzten Nüssen & Chili, Mango, Ananas, Granatapfel und einem Orangen-Dressing. Auf einem kleinen Extra-Teller werden dazu einige Scheiben medium gebratene Rinderfiletspitzen samt wirklich scharfen Chilis serviert. Dieser Salat war der mit Abstand beste, den ich seit einer Ewigkeit gegessen habe und er ließ mich dabei vollkommen vergessen, dass ich hier durchaus gesund gespeist habe. Die Portionsgröße war auch gut. Soll heißen, dass man nach so einem Salat tatsächlich satt sein sollte. Man kann sich abgesehen von einigen fix angebotenen Salaten auch aus einer Zutatenliste komplett eigene Kreationen zusammenstellen lassen, aber ich habe auf die Vorschläge vertraut und wurde wirklich nicht enttäuscht.

Auch das Beef Tartar, das zurzeit „inflationärste“ Gericht aller Karten, ist hier einer der erfreulichsten Vertreter seiner Gattung: Die recht feine, aber gleichzeitig auch kompakte Masse ist auf den Punkt genau rund abgeschmeckt. Rund heißt aber auch, dass die Kanten fehlen. Das ist also keineswegs schlecht, und wenn man schon einmal hier ist, ist das Beef Tartar keineswegs ein Fehlgriff.

Am ehestens als Hauptspeise beschreiben kann man die fünf Burger in der Blumenwiese. Für Carnivoren gibt es diese als Cheeseburger, als pikanten „Tijuana“-Burger und als Pulled Pork-Variante. Dann gäbe es noch eine Version mit gegrilltem Hühnerfleisch und eine mit Ziegenkäse. Dieser vegetarische Burger wird mit einem nicht allzu milden Ziegenkäse serviert, was ich eigentlich als schwierig empfinden würde, weil intensiver Ziegenkäse ja dazu neigt, fast alle anderen Geschmäcker zu erschlagen. Aber auch hier hat die kleine Küche wirklich Fingerspitzengefühl bewiesen und den Ziegenkäse raffiniert mit karamellisierten Birnen und Nüssen aufgefangen, so dass das Gesamtkunstwerk wieder sehr stimmig wird. Chapeau!

Weniger begeistert war ich vom „Tijuana“-Burger, der zum einen weit über der gewünschten Garstufe (gewollt war maximal medium) zubereitet wurde und noch dazu alles andere als scharf war. Nicht, dass ein Burger jetzt von Haus aus immer feurig sein sollte, aber wenn dieser schon so angepriesen wird, dann hat man ja eine gewisse Erwartungshaltung. Außerdem hat mich beim Burger das viel zu fein faschierte Fleisch-Patty gestört, dessen Bissfestigkeit ein klein wenig an gepresstes Pljeskavica erinnert hat. Der Burger war zwar absolut in Ordnung, aber aus einer Küche, aus der Zusammenstellungen wie die zuvor beschriebenen Salate oder auch der Ziegenkäse-Burger stammen, hätte ich fast mehr erwartet …

Insgesamt muss gesagt sein, dass ich wahrlich kein Salat-Tiger bin. Trotzdem würde ich sofort zum Salat-Essen wiederkommen. Jener mit Filetspitzen aber auch der andere mit Papaya waren eine echte Offenbarung. Und ich frage mich, ob denn zum Beispiel der Ziegenkäse aus dem Burger auch in Salatform funktionieren würde oder vielleicht auch ein gröber faschiertes Fleisch-Patty …

Nachdem die Blumenwiese momentan nicht zuletzt wegen der Lage am Donaukanal gehyped wird, wie schon lange kein Lokal nicht mehr, zahlt es sich aus, zu reservieren. Denn alleine wegen der Salate dürfte es schon bald noch einen zusätzlichen Hype geben …

Die Blumenwiese

Donaukanal, Höhe Obere Donaustraße 100, 1020 Wien
www.dieblumenwiese.at

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