Adi Weiss
Ich bin innerlich auf- und abgesprungen, als ich erfahren habe, dass das Delirium Café aus Brüssel so etwas wie eine Zweigstelle in Wien aufmachen... Delirium Café – Prost ohne Mahlzeit!

Ich bin innerlich auf- und abgesprungen, als ich erfahren habe, dass das Delirium Café aus Brüssel so etwas wie eine Zweigstelle in Wien aufmachen möchte. Das Café im Zentrum der belgischen Hauptstadt ist nämlich zum einen die Stamm-Ausschank der Huyghe-Brauerei mit ihren unterschiedlichen „Delirium“-Starkbieren und zum anderen gilt das Lokal unter Kennern als jenes, mit der weltweit größten Bierauswahl, das über 2000 unterschiedliche Flaschenbiere und mehreren Dutzend vom Fass anbietet. Das Originallokal lebt von den köstlichen Bieren, Käse mit Sellerie-Salz als einziger Speise und sonst von einem eher abgefuckten Charme, den man mit jenem des früheren Flex vergleichen könnte. Sprich: Wer nach Brüssel auf Besuch kommt, muss dort hin.

Mittlerweile gibt es knapp 30 Ableger in aller Welt, von Amsterdam über Rio bis Tokio, und alle servieren zumindest die wichtigsten Biere der Huyghe-Brauerei. In Wien ist es die Zusammenarbeit der Betreiber von „Craft Biereck Vienna“ (Mel’s Craft Beer & Diner, Dick Mack’s Irish Pub, Beer Street, u.a.) und des Getränkehändlers Ammersin, die für das Entstehen des Wiener Delirium verantwortlich sind. Und das führt zu einer kleinen Sensation: Die unterschiedlichen Delirium Biere vom Fass sind bei uns nun etwas günstiger als im Stammhaus. Alleine das ist bereits ein Grund hinzugehen, denn das Gebräu ist in all seinen Schattierungen wirklich köstlich.

Spannend ist es aber auch, dass es im Wiener Delirium auch mehrere warme Speisen gibt. Wer sich aber die Speisekarte des Delirium Café Vienna und jene des gleich nebenan liegenden Mad Jack’s Ale House ansieht, wird bemerken, dass es sich um exakt dieselben Speisen mit anderen Namen handelt. Dies wurde uns auch vom überaus freundlichen Personal bestätigt.

Wir starteten mit einem „Delirium Bad Ass Burger“, der laut Karte ein medium gebratener Burger mit knusprigem Speck, Spiegelei, gereiftem Cheddar, Tomate, Salat und BBQ-Sauce im Brioche-Bun sein sollte. Bestellt haben wir ihn ohne Tomate. Also das Bun war toll. Der Rest war es nicht. Das Fleisch war nicht medium, sondern toter als tot gebraten und noch dazu intensiv mit Oregano (sic!) gewürzt, was überhaupt keinen Sinn hat. Das Ei war leider ziemlich bröselig, die abbestellte Tomate sehr wohl im Burger und die dazu gereichten Pommes Frites definitiv vom Typ „Convenience“. Abgesehen davon rochen und schmeckten sie hauptsächlich nach altem Öl. Diese Pommes werden in der Karte übrigens als „Belgische Pommes Frites“ bezeichnet, mit denen sie aber rein gar nichts zu tun hatten. Dieser Burger war also insgesamt leider wirklich furchtbar.

Die hier angebotene Version eines „Pulled Pork Burgers“ kommt auf demselben köstlichen Brioche Bun daher, er war immerhin nur belanglos und nicht schlecht: Das zerkochte Schweinefleisch war ohne Ambitionen gewürzt und selbst die vorhandenen Aromen der Fleischmasse stammten hauptsächlich von fertigen Saucen. Auch das hiesige „Club Sandwich“ ist etwas, dass ich am liebsten vergessen möchte, denn das lieblos gekochte und dann angebratene, vor Fett triefende Hühnerfleisch samt geschmolzenem Cheddar, BBQ-Sauce und Salat im „Pane Provencal“ machte weniger als keinen Spaß. Einzig die „Chicken Finger“ aus gebackenem Hühnerfleisch (die wir ohne Riesenportion Pommes bestellt hatten) wären beinahe gut gewesen, wenn sie nicht auch nach dem alten Öl geschmeckt hätten.

Die Biere hingegen sind tatsächlich wunderbar. Natürlich muss man sich bewusst sein, dass man von den Gebräuen mit 8% Alkohol aufwärts nicht allzu viel trinken kann. Und gerade von den Delirium-Bieren weiß ich aus eigener Erfahrung, dass sie viel trockener und süffiger schmecken, als andere belgische Biere und somit die Gefahr gegeben ist, zu schnell und zu viel davon zu trinken. Aber durchkosten sollte man sich hier auf jeden Fall, am besten bei den frei zusammenstellbaren Verkost-Größen.

Selten lagen für mich „so gut trinken“ und „so schlecht essen“ so nahe beisammen wie im Delirium Café Vienna. Aber nachdem der Gerstensaft hier exzellent und die Fassbier-Preise wirklich unschlagbar sind, werde ich wiederkommen. Öfter sogar. Und wahrscheinlich verkleidet, weil ich sonst ein Messer im Rücken befürchte, aber ich werde ganz sicher wiederkommen!

 

Delirium Café Vienna
Kurrentgasse 12, 1010 Wien
www.paddysco.at/delirium-cafe/

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