Adi Weiss
Am Ende gab das Publikum den Ausschlag für den Sieg: Beim Protestsongcontest im Wiener Rabenhof Theater setzte sich Montagabend das Singer-Songwriter-Duo Lupin mit ihrem... Duo Lupin entschied Protestsongcontest 2018 für sich

Am Ende gab das Publikum den Ausschlag für den Sieg: Beim Protestsongcontest im Wiener Rabenhof Theater setzte sich Montagabend das Singer-Songwriter-Duo Lupin mit ihrem ganz ins Bild der #MeToo-Debatte passenden „1 Lied gegen Sexismus“ durch. Mit dem ruhigen, aber direkten Popsong konnten sie vor allem bei den weiblichen Juroren und dem Publikum punkten.

„Und dass du uns nicht ernst nimmst, das liegt an unseren Scheiden“, sangen Lupin, die mit Gitarre und Melodika auf der Bühne saßen. Von der Thematik ihres Liedes, das latenten Sexismus von Männern und deren Vorurteile gegenüber Frauen anprangerte, sowie ihrer klaren Wortwahl zeigten sich viele der Juroren begeistert. „Ich finde, es hat schon sehr viele Glied-Lieder gegeben, und es war ein absoluter Zeitpunkt für den Scheiden-Song“, kommentierte die Schriftstellerin Julya Rabinowich. „Mir gefällt diese Kombination der zarten Mädchenstimmen mit dem Scheiden-Song, weil das Wort tatsächlich etwas ist, das man nicht gerne ausspricht. Und ich finde das äußerst schade.“ Auch FM4-Journalist Martin Blumenau konnte dem Lied viel abgewinnen: „Das war der nicht ganz so geheime Geheimfavorit, und ich glaube, er hat dem bis jetzt entsprochen.“ Von den Zuschauern kam heftiger Applaus.

Am Schluss verteilten Autorin und Musikerin Marie Luise Lehner, Blumenau, Rabinowich sowie das Publikum die Höchstpunktezahl an „1 Song gegen Sexismus“, Verena Doublier vergab vier Punkte. In der Wertung gab es jedoch eine eindeutige Geschlechtertrennung: Weniger gut kam das feministische Stück nämlich bei zwei männlichen Juroren an. Gitarrist Peter Paul Skrepek sowie Schriftsteller und Musiker Daniel Wisser vergaben keine Punkte. „Die Erklärung des Liedes ist das Lied selbst“, kritisierte Wisser von Buhrufen begleitet, dass es keinen Spielraum gäbe, in dem Song etwas Neues zu entdecken.

Durch die mehr als dreistündige Veranstaltung führte zum wiederholten Male Michael Ostrowski. „Nicht viele Witze“ und eine „kristallklare Moderation“ kündigte der Schauspieler zu Beginn an, um dann das Gegenteil zu tun und im sympathischen Plauderton durch den Abend zu führen. Die oft schüchternen Musiker verschonte er bei den Einzelinterviews nicht, die manchmal harschen Kritiken der Juroren kommentierte er mit viel Humor.

Insgesamt traten zehn Kandidaten an. Knapp hinter Lupin rangierte die Band Kapa Tult mit „Priority Lane“, die in der Jury-Wertung vorne lag. Lehner attestierte dem ein wenig an Bilderbuch erinnernden Lied über die Prioritäten gut betuchter Menschen „Swag“, Musikerin Dublier lobte die Energie des Liedes. Auf dem dritten Platz landete Frau Tomani, die auf Startnummer zwei mit ihrer Stimme, ihrer Gitarre und dem Popsong „Normal“ antrat, um gegen Anpassungszwänge zu protestieren.

Der Protestsongcontest fand heuer zum 15. Mal statt, ins Leben gerufen wurde er 2004 anlässlich des 70. Jahrestages der Februarunruhen des Jahres 1934. Im Vorjahr konnte der Rapper Danyal den Wettbewerb für sich entscheiden.

INFO: www.protestsongcontest.net