Adi Weiss
Früher, als es in der Wiener City noch so etwas wie ein echtes Nachtleben gegeben hat, war die „Echo Bar“ eine der angesagtesten Locations... Echo – Alles neu macht der Thai

Früher, als es in der Wiener City noch so etwas wie ein echtes Nachtleben gegeben hat, war die „Echo Bar“ eine der angesagtesten Locations überhaupt. Natürlich rühmt man sich noch heute damit, dass hier Falco in den 80ern ein- und ausging. Aber wo bitte tat er das nicht? Jedenfalls war Christian Leyerer nicht nur erfolgreicher Barbetreiber, sondern auch noch Familienvater und großer Thailand-Fan. Die letzten beiden Punkte führten zu ausgedehnten Thailand-Familienurlauben, etlichen Kochkursen und schlussendlich zur Einführung von immer mehr thailändischen Speisen auf der Speisekarte der Bar. Der Umstand, dass die Gegend rund um den Passauer Platz im ersten Bezirk nun wirklich gar nichts mehr mit Nachtleben zu tun hatte, war ebenfalls ausschlaggebend dafür, dass das Lokal ab 1999 überhaupt als „Echo – Der Citythai“ durchstartete. Und jetzt übernimmt die 2. Generation.

Für Max Leyerer war das Echo immer schon so etwas wie sein zweites Wohnzimmer. Nach der Schule gab es für ihn nichts Schöneres als im väterlichen Lokal zu flippern und später auch auszuhelfen. Als es dann um die Aktivitäten des Lokals auf der Summerstage oder die Mitbetreuung des Zweitlokals „Pizzeria Riva“ ging, war Max auch von Anfang an mit dabei. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis Max auch bei „Echo – Der Citythai“ immer mehr den Ton angeben würde …
Nach monatelangem Umbau erstrahlt das Lokal jetzt in neuem Glanz, einzig die wunderschöne, elf Meter lange Bar-Theke ist dieselbe geblieben. Dabei wirkt das Interieur nicht besonders modern, sondern eigentlich viel mehr so, als hätte man das Mobiliar im Jahr 1985 gekauft und luftdicht versiegelt, um es jetzt in aller Schönheit endlich zu verwenden. Das erzeugt wahrscheinlich die sofort auftretende Heimeligkeit. Viel getan hat sich auch auf der Speisekarte. Denn was früher eine Auflistung so ziemlich aller thailändischen Speisen überhaupt war, offenbart sich jetzt rank und schlank. „Wir wollen uns auf ausgesuchte Speisen konzentrieren, von denen wir jeden Tag sicherstellen können, dass die Qualität passt und auch immer gleich bleibt“, meint Max Leyerer. Und mit diesem Zugang hat er natürlich auch recht.

Wir starteten mit Yam Wonsen, einem laut Karte scharfen Glasnudelsalat, der im Baukastensystem wahlweise mit Huhn oder Shrimps bestellt werden kann. Die überraschend dicken Glasnudeln kamen in einer leicht pikant-süßlichen Sauce samt Koriander, Tomaten und Chili daher und wurden von einigen knackigen, saftigen Garnelen begleitet. Letztere hatten einen schönen Biss und waren geschmacklich sofort als das Gegenteil von Billigware zu erkennen.
Auch die selbstgemachten Frühlingsrollen bestechen durch ihre Frische und die Qualität und sind wahlweise mit Avocado, Shrimps und Huhn zu haben. Technisch gesehen sind diese gefüllten Teile aber weder Frühlingsrollen noch thailändisch, sondern eigentlich ganz typische vietnamesische Sommerrollen, also in fast durchsichtigen, hauchdünnen Reisteig gehüllt. Geschmacklich waren unsere Rollen samt Erdnuss-Sößchen traumhaft knackig und die vollreife Avocado eine perfekte Wahl. Warum man hier auf die rohen Reisteigrollen setzt, erklärt Max Leyerer ganz einfach und logisch: „Das Erste, was wir aus dem alten Lokal entfernt haben, war die Fritteuse“. Eine gute Entscheidung.
Auch bei der Tom Kha Gai, der laut Karte pikanten Kokosmilchsuppe mit Huhn und Pilzen dominierten wieder dieselben zwei Gedanken: großartige Zusammenstellung aber leider fehlende Schärfe. Natürlich hatten wir überall um thailändische Original-Würzung gebeten. Das Süppchen lebt von der berauschenden Frische der Zutaten. Genau denselben Eindruck haben danach sowohl der Wok mit Hühnerfleisch, als auch das Wok-Gericht mit Rindfleisch von der Tageskarte gehabt. Und danach auch mit dem Pad Thai, also Reisnudeln mit Erdnüssen, Sojasprossen, Bärlauch und Limette: hier wird für Capsaicin-Liebhaber zu vorsichtig gewürzt. Daran, dass die Köche hier ihr Handwerk verstehen, besteht absolut kein Zweifel. Jedes Stück Gemüse, jedes Stück Fleisch und sogar jede Beilage waren wunderbar aufeinander abgestimmt und auch das Spiel mit den unterschiedlichen Texturen ist perfekt gelungen. Aber wenn sämtliche Speisen nicht in der bestellten Schärfe serviert werden, dann bekommen die Gerichte nicht jene Möglichkeit sich zu entfalten, die sie verdienen würden.
Insgesamt wird hier phantastisch gekocht, und auch das immer noch intakte Barkonzept mit schönen Cocktails kann überzeugen. Alleine für die „Frühlingsrollen“ möchte ich morgen wiederkommen. Zwar hat es mich bis zur letzten Sekunde irritiert, dass auf allen Tischen Essstäbchen zu finden sind – in Thailand isst man ja mit Messer und Gabel – aber da bin ich vielleicht zu pingelig. Würde man vielleicht noch ein wenig an der Schärfe schrauben – vor allem, wenn diese ausdrücklich gewünscht wird – dann kann man das „Echo – der Citythai“ gleich in die Liste der besten Thais in Wien einordnen!

Echo Der Citythai
Passauerplatz 2, 1010 Wien
www.echo-citythai.cc