Adi Weiss
Wenn Wien irgendetwas dringend braucht, dann ist es noch ein weiteres Restaurant, in dem auf Beef Tartar, Burger und Steaks gesetzt wird. Bar 3 – Kann man zu fleischlastig sein?

Wenn Wien irgendetwas dringend braucht, dann ist es noch ein weiteres Restaurant, in dem auf Beef Tartar, Burger und Steaks gesetzt wird. Von dieser Art Lokal gibt es ja erst einige wenige. Klingt das jetzt schon sarkastisch genug? Also in meinem Kopf auf jeden Fall, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das jetzt mit meiner Stimme im Ohr lesen werden. Um es also nochmal mit aller Klarheit zu sagen: Das war sarkastisch gemeint und Wien braucht weitere Burger-Tartar-Steak-Restaurants in etwa so dringend wie St. Pölten einen internationalen Flughafen mit 3 Landebahnen. Wie gut, dass die neue „Bar 3“ laut den Betreibern gar kein Restaurant ist, auch kein Bar-Restaurant und schon gar keine Risto-Bar, sondern nur eine Bar. Mit Essen.
Andre und Sandro Gargiulo betreiben ja bereits sehr erfolgreich die Pizzeria „L’Autentico“ in Döbling, die von vielen – jedoch nicht von mir – als die beste Pizzeria in Wien gehalten wird. Es folgte eine Dependance namens „L’Autentico Giardino“ im dritten Bezirk und nun eben das dritte Lokal, das eben deshalb „Bar 3“ heißt. Im Vordergrund steht hier alle Flüssige, wobei mit Dejan Trifunovic ein wahrer Meister für wirklich beeindruckende Cocktails aller Arten sorgt und ein sympathischer Fokus auf vergessene Klassiker gesetzt wird. Die Atmosphäre hier ist stimmig, und bei der Mischung aus Holz, Metall und Leder fühlt man sich sehr schnell wohl. Auch wenn man gerne mehrfach betont, kein Restaurant zu sein, ist mit Martin Nonnis (vormals im Sky Restaurant und Sous Chef bei Figlmüller) ein absoluter Könner für die Küchenlinie verantwortlich. Die Karte für 2017 ist extrem fleischlastig, Vegetarier haben auf den ersten Blick aktuell nur eine Gemüsecremesuppe zur „Auswahl“. Beim Rindfleisch ist es Fleisch aus Uruguay, das das Rennen in einer Blindverkostung gemacht hat. Natürlich habe ich nachgefragt, wie man sich denn als Vegetarier hier ernähren könnte und bekam zur Antwort, dass man Vegetariern zum einen gerne etwas aus den Beilagen zusammenstellen würde (was die meisten Vegetarier hassen!), aber auch gerne spontan schauen würde, was die Küche so hergibt. Bei Vollbetrieb stelle ich mir das ziemlich lustig vor. Außerdem werden sich viele Vegetarier vorab online informieren, ob sie in einem Lokal auch etwas Passendes zu essen bekommen. Wenn sie dann überhaupt nichts auf der Karte finden, kommen sie also erst gar nicht und nehmen auch ihre carnivoren Freunde nicht mit. Wäre es wirklich so schwer gewesen, einen einfachen guten vegetarischen Burger auf die Karte zu setzen?
Bei unserem Besuch hatten wir zunächst eine Vorspeisenvariation bestehend aus zwei Mal Caesar‘s Salad und einmal Beef Tartar. Obwohl der Salat zwei Mal eigentlich derselbe war und sich nur durch die jeweilige Auflage unterschieden hat, war einer der beiden heillos versalzen, der andere nicht: Jener Salat der mit einer köstlichen Wildfang-Garnele vom Lavastein-Grill belegt war, hatte leider zu viel Salz abbekommen. Die Garnele war dafür wirklich wunderbar rauchig-meerig-traumhaft. Bei den etwas zu trockenen Stücken Hühnerbrust mit Pesto kam man dafür nicht ins Schwärmen, aber immerhin war der Salzgehalt in Ordnung. In der Mitte des Tellers befand sich eine kleine Portion Beef Tartar (mit Baby-Papadam!), das tatsächlich sehr gut, wenn auch nicht besonders kreativ abgeschmeckt war. Eben sehr klassisch und sauber. Wirklich spannend war jedoch der kleine rote Klecks einer hauseigenen, extrem scharfen Chilisauce, von der gesagt wird, dass sie komplett selbst eingekocht wird. Nachdem wir gerne sehr scharf essen, war uns die homöopathische, für Normalverbraucher aber durchaus ausreichende Dosis zu wenig, und es wurde sofort ein Schüsselchen nachgereicht. Ja, die Sauce ist herrlich, teuflisch scharf und wenn man dies nicht gewohnt ist, kann sie sehr leicht zarte Aromen überdecken, was hier großteils besonders schade wäre.
Unsere Hauptspeisen waren ein Ribeye Steak und eine geschmorte, lackierte Rinderrippe. Das Ribeye wurde medium-rare bestellt und auch so serviert. Als Beilage gab es recht belanglose „Bio-Fries“. Hat hier das Salz gefehlt, das in Caesars Salat zu viel war? Außerdem wurden dazu auch noch göttliche Süßkartoffel-Rohscheiben gereicht und eine hervorragende Trüffelmayonnaise, sowie ein sehr intensiver Knoblauch-Dip. Das Steak war ziemlich nahe an perfekt und nur am Rand etwas bissfester als ich es mir gewünscht hätte. Noch großartiger war nur mehr das lackierte Rinder-Ripperl. Das nicht gerade einfach zuzubereitende Stück Fleisch am Knochen wurde 24 Stunden „Sous-vide“, also im Vakuumsack im Wasserbad bei niedriger Temperatur gebadet und dabei auf die sanfteste und saftigste mögliche Art gegart. Während also dieses Stück Fleisch an sich nichts Besonderes ist, macht es die Zubereitung dazu: Ein so butterzartes, intensives, unverfälschtes Stück Rind habe ich selten gegessen. Als Extra-Beilage hatten wir auch noch einen Curry-Karfiol, der zwar geschmacklich wunderbar, konsistenzmäßig aber etwas zu trocken war.
Beim anschließenden Burger gab es ein Wiedersehen mit den belanglosen Pommes vom Steak. Das Fleisch im Burger fand ich eher zufällig … es war versteckt unter einem recht voluminösen Bun-Oberteil und zwei dicklichen Tomatenscheiben. Geschmacklich war das ebenfalls zuerst „Sous-vide“ gegarte und dann am Lavastein gegrillte Fleisch wirklich toll, ging aber neben den vielen anderen Zutaten, die in den Bun gestopft wurden leider völlig unter. Von einem angepassten „Hrnjak-Equivalent“ – also dem perfekten Verhältnis von Fleisch, Käse, Brot und Grünzeug – konnte hier keine Rede sein …
Bei den Desserts bildeten eine erstklassige Creme brulee und ein sehr intensiver Cheesecake neben diversen Früchten und Fruchtspiegeln sowie einem Schokolade-Mousse einen besonders feinen und süßen Abschluss des üppigen Mahles.
Insgesamt ist die „Bar 3“ ein tolles Lokal mit ausgefallenen Drinks, einer beeindruckenden Atmosphäre und freundlich-kompetentem Service. Die „Unterlagen“ sind alle auf sehr hohem Niveau mit einigen erfreulichen Spitzen nach oben, aber auch einigen Ausreißern nach unten. Sobald hier die Kinderkrankheiten ausgemerzt sind, kann man die „Bar 3“ jedem Freund von köstlichen Drinks und gutem Essen wirklich empfehlen. Außer Vegetariern und ihrem großen Anhang natürlich …

Bar 3
Salesianergasse 25/1, 1030 Wien
www.bar3.at

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