Adi Weiss
Die ganze Geschichte mit „A la carte - All you can eat“ ist in etwa ein so alter Hut wie Videorecorder, aber für Freunde... Hiro – Wahre Helden sehen anders aus …

Die ganze Geschichte mit „A la carte – All you can eat“ ist in etwa ein so alter Hut wie Videorecorder, aber für Freunde des grenzenlosen Essens zu einem Pauschalpreis durchaus nicht blöd. Denn im Gegensatz zum klassischen AYCE werden einem nicht nur gigantische Tröge mit Futter vorgesetzt, das durchaus schon länger dort stehen könnte, sondern es wird angeblich alles frisch gemacht. Zumindest rühmen sich die Betreiber der „A la carte – AYCE-Lokale“ damit. In Wirklichkeit verhindert diese Methode, dass zu viel an Essen weggeworfen wird, sie wirkt ein bisschen edler, und ganz nebenbei, sind jene Restaurants in denen man sich sein Pauschal-Essen von der Karte aussuchen kann, meist auch noch einen wenig teurer.

Das neue „Hiro“ in der Seyringer Straße liegt idyllisch zwischen Betonburgen und Großmärkten und ist ein Testballon. Denn die chinesischen Betreiber von „Hiro – Japanese Cuisine“ zeichnen auch für sieben ähnliche Lokale in Mailand verantwortlich, einer Stadt mit einem überraschend großen chinesischen Einwohner-Anteil. Auf die Nachfrage, warum man dann eigentlich auf japanische und nicht auf chinesische Küche setzt, erhalten wir die Antwort, dass die unterschiedlichen chinesischen Nationalküchen viel zu komplex sind und für die Köche das Erlernen der japanischen Gerichte um einiges einfacher sei. Jeder, der schon einmal die echte japanische Kaisake-Küche probiert hat weiß, dass das natürlich so nicht stimmt. Aber egal.
Im „Hiro“ kann man für 12,90 Euro mittags oder 18,90 Euro abends aus der Karte bestellen, was man möchte – Getränke sind extra zu bezahlen. Wenn man aus der konventionellen Karte ordern möchte, gilt das als altmodisch, denn hier bestellen die meisten Gäste mittels einer App, die man sich zuvor aufs Handy lädt. Wir haben das auch so gemacht. Die Speisekarte ist abgesehen von Sushi nicht besonders japanisch, sondern eher eurochinesisch bis panasiatisch angehaucht – plus Fischstäbchen, Chicken-Nuggets und Pommes Frites. Für die Kinder, wie man uns sagt.
Eines vorweg: Das Sushi ist toll! Basierend auf einer guten Fisch-Qualität und Frische, überzeugen hier wirklich alle gekosteten klassischen Nigiris und Makis. Sogar das sonst kaum mehr erhältliche Thunfisch-Sashimi ist ein Traum. Und wie in so ziemlich allen ähnlichen Lokalen werden natürlich auch Maki-Kreationen angeboten, die die Welt nicht unbedingt braucht, die Menschen aber offenbar lieben. Ich kann getrost sagen, dass das Sushi hier den teuren Innenstadt-Tempeln nur in sehr wenigen Punkten nachsteht. Das gesagt habend, kann ich jedem Sushi-Fan nur empfehlen, den beschwerlichen Weg nach Kagran auf sich zu nehmen und hier zu essen. Aber echt nur die kleinen Dinger mit rohem Fisch, Gemüse und Reis …
Die restliche Karte ist nett, aber nicht wirklich der Rede wert. Na gut, ganz kurz: Das Rindersteak ist ein relativ dünnes gegrilltes Stückchen Rostbraten, das überraschend saftig geblieben ist. Aber ansonsten besteht die Karte tatsächlich aus Speisen, die es bei jedem Chinesen ums Eck in zumindest der selben Qualitätsstufe gibt: Knuspriges Gan Bian Huhn in süßer Sauce, Gyoza, nicht-sehr-knusprige Ente, zähes mongolisches Rindfleisch, diverse Teigtaschen und Frühlingsrollen aus der Massenfertigung. Wie gesagt, nicht schlechter, aber auch nicht besser als beim 08/15-Asiaten um die Ecke. Und ganz ehrlich, ich kann mir auch kaum vorstellen, dass die warmen Gerichte allesamt komplett frisch zubereitet werden …
Insgesamt zahlt sich die Reise ins „Hiro“ nur dann wirklich aus, wenn man der Meinung ist, größere Mengen an gutem Sushi zu lieben, denn dann kommt man hier wirklich voll auf seine Kosten!

Hiro – Japanese Cuisine
Seyringer Straße 6-8, 1220 Wien
www.hirowien.at

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