Adi Weiss
Am Anfang stand die Pizzeria Palermo am Gaußplatz im 2. Bezirk an der Grenze zum 20. Bezirk. Drei Jahrzehnte lang wurde hier aufgetischt, was... Il Basilico – Melograno light … mit Pizza

Am Anfang stand die Pizzeria Palermo am Gaußplatz im 2. Bezirk an der Grenze zum 20. Bezirk. Drei Jahrzehnte lang wurde hier aufgetischt, was als besonders italienisch galt, also einfache Pasta, einfacher Fisch und neapolitanische Holzofenpizza. Das Interieur war dabei in etwa so original neapolitanisch wie in fast jeder Bude in Jesolo oder Caorle, also voller kitschiger Klischees, die an Urlaub erinnern sollten. Die Pizza war hier aber immer schon der ganze Stolz der Betreiber, die im Vergleich zu den unzähligen Pizzabuden türkischer Provenienz auch tatsächlich ein kulinarisches Highlight war. Um das Lokal einem Neustart zu unterziehen, wurde Gastro-Profi Roberto D’Atri dazu geholt, der bei mehreren Lokalen wie dem Edelschuppen Il Melograno, der Pizzeria Toto’s oder dem Pulcinella am Naschmarkt sein Gespür schon vielfach unter Beweis gestellt hat. Zwei ehemalige Mitarbeiter von D’Atri führen jetzt das in „Il Basilico“ umgetaufte Lokal, und gemeinsam hat man sowohl für ein neues Erscheinungsbild – von der Pizzeria zum Ristorante – und ebenso für eine neue Karte gesorgt. Und diese profitiert ganz eindeutig vom nun gemeinsamen Einkauf mit den anderen Lokalen des Patrons …

Das Highlight zu Beginn

Allein dieses Gericht ist einen Besuch im Basilico wert: Branzino-Carpaccio mit verschiedenen filetierten Zitrusfrüchten und Kräutern. Die Filets war sauberst in gefällige Häppchen geschnitten, perfekt sauer-süß mariniert und noch dazu sehr schön drapiert. Die dafür zu zahlenden 13,90 Euro mögen auf den ersten Blick für eine Vorspeise nicht gerade günstig scheinen, werden aber zur Okkasion, wenn man sich vor Augen hält, was Wolfsbarsch sonst kostet. Mit dem, was von diesem Fisch nach dem Filettieren übrigbleibt, kann man bestenfalls noch Suppe machen. Insofern ist dieses köstliche Carpaccio alleine genommen für die Betreiber ein Verlustgeschäft. Wie gut, dass man nach dem Branzino aber noch eindeutig Lust auf mehr hat.

Pasta: Edel, aber auch plump …

Dass in besseren italienischen Lokalen die Nudeln selbstgemacht sind, kann man mittlerweile fast schon voraussetzen. Und somit werden sie auch hier eigens angefertigt. Ganz frisch sollten sie aber niemals sein, weil frische Nudeln ja niemals jenen Biss haben können, den man eigentlich erwartet. Also wird auch hier die Pasta frisch selbstgemacht und dann getrocknet. Nur so kann sie später auch „al dente“ werden. Und das war sie auch! Mehr noch, das aufwendige Selbermachen hat die Pasta selbst köstlich gemacht. Wir hatten zwei Varianten davon: Zum einen Fettuccine mit Zucchini und Garnelen und zum anderen klassische Pappardelle al ragu, also Bandnudeln mit einer Bolognese-Sauce. Schon die Fettuccine waren mir zu austauschbar. Das lag nicht nur daran, dass die Sauce eindeutig untersalzen war, sondern auch daran, dass es der Kombination aus Gemüse und Garnelen vollkommen an Raffinesse gefehlt hat. Vielleicht wären diese Nudeln für das ehemalige „Palermo“ OK gewesen, dem hohen Anspruch eines neuen Ristorantes unter der Obhut der D’Atris hat dieses Gericht aber nicht entsprochen. Selbiges gilt für die Pappardelle. Hätte ich bloß nicht letzten Herbst das Ragu-Festival in Bologna besucht. Dann wüsste ich vielleicht nicht einmal, wie leicht die beste Bolognese der Welt herzustellen ist. Im Basilico handelt es sich aber mehr um eine zu einfache Fleischsauce, die ein wenig Liebe bei der Zubereitung vermissen lässt …

Pizza bleibt konstant

Den Abschluss macht bei uns noch eine klassisch Pizza Capricciosa, also mit Kochschinken, Pilzen, Artischocken, Champignons, Mozzarella und Tomatensauce. Im Gegensatz zu den anderen Lokalen der Gruppe mit ihren römischen Pizzen, wird hier – wie schon in den Palermo-Zeiten – auf neapolitanische Pizza gesetzt, also auf einen luftigen, weicheren Teig. Und eigentlich würde man in Neapel die Pizza immer nur auf drei Arten essen: ohne Käse, mit Käse und mit viel Käse. Insofern verfälschen zu viele Beläge den eigentlichen Geschmack einer echten neapolitanischen Pizza. Insgesamt war die Pizza im „Il Basilico“ durchaus in Ordnung: Wenn man sich den Belag wegdenkt, um den Kern der Pizza zu erschmecken, dann können Teig und Basiszutaten aber durchaus überzeugen.

Fazit

Zusammenfassend ist das „Il Basilico“ eine schöne Bereicherung für die Gegend. Wo sonst nur einfachere Lokale die kulinarische Umgebung ausmachen, ist ein schönes, neues Restaurant mit edleren Produkten und perfektem Service eine echte Abwechslung. Die Preise der Speisen sind zwar eine Spur höher als man sie von der Gegend kennt, liegen aber unter jenen der Innenstadt. Ausgenommen sind hier die Getränkepreise, die eher gewagt sind. Vielleicht sollte man über einen leistbaren Hauswein nachdenken. Trotzdem: Wenn jetzt noch ein bisschen an der Raffinesse der Pasta-Gerichte geschraubt wird, kann das „Il Basilico“ am Gaußplatz zu einer ähnlichen Institution werden, wie es das „Palermo“ lange war!

Il Basilico
Gaußplatz 1, 1020 Wien
www.ilbasilico.at

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