Adi Weiss
Die neue „Althan Stube“ in der gleichnamigen Straße in neunten Bezirk ist ein Gasthaus und kein Beisl, meint Betreiber und Küchenchef Alexander Dank. Althan Stube – Willkommen in der Vergangenheit

Die neue „Althan Stube“ in der gleichnamigen Straße in neunten Bezirk ist ein Gasthaus und kein Beisl, meint Betreiber und Küchenchef Alexander Dank. Den Unterschied macht für ihn nämlich die Tatsache aus, dass in einem Beisl eigentlich mehr getrunken wird und in einem Gasthaus doch eher die Küche der entscheidende Faktor ist. Bei der Definition sind unsere Meinungen also zweigeteilt. Genauso zweigeteilt wie das im Februar eröffnete Lokal. Denn hier gibt es gleich beim Betreten einen großen Schankraum, in dem geraucht werden darf und erst dahinter eine Restaurant-lastigere Stube im Nichtraucherbereich. Laut den Betreibern wollen das die Leute so. Mich würde es abschrecken, durch einen Raucherbereich zu meinem Tisch gehen zu müssen, aber jeder Wirt darf selbst entscheiden, wie er seine Gäste entweder bei der Stange halten oder eben auch verscheuchen möchte.

Die Speisekarte der Althan Stube ist leicht erklärt: Gasthausküche mit allen Klassikern und keinen nennenswerten Ausreißern oder Experimenten. Und das ist auch gut so! Wie oft habe ich mich in vermeintlich einfachen Wirtshäusern über deplatzierte Burger, Curries oder gar Pasta-Variationen gewundert, die noch dazu nicht einmal gut waren. Wer hierherkommt, den erwarten Schnitzel, Gulasch, Schweinsbraten und Palatschinken, und das ist auch gut so.
Wir starteten mit einer einfachen Leberknödelsuppe. Die Suppe selbst war intensiv und hatte eine beeindruckende geschmackliche Balance zwischen Rindfleisch und Gemüse. Die Knödel waren klein und kompakt, was vom Biss her etwas ungewöhnlich war, aber gleichzeitig auch unter Beweis stellt, dass bei der Masse viel Fleisch und nur wenig Brot zum Einsatz kommt. Auf alle Fälle ließ bereits die Suppe erahnen, dass hier kein Grobmotoriker, sondern eher ein Chirurg am Herd steht.
Als nächstes hatten wir ein Fiaker-Gulasch. Ich bin der Meinung, Fiaker-Gulasch hasst man oder liebt man. Sagen wir so: ich liebe es nicht. Aber nicht, weil das eigentliche Rindgulasch nicht ausgezeichnet gewesen wäre – was es war – sondern weil ich mit der Garnitur (Spiegelei, Gurken, frittierte Frankfurter) überhaupt nichts anfangen kann. Wie gesagt, das eigentliche Gulasch, das hier „mutterlos“ jeden Tag neu angesetzt wird, war butterweich, saftreich und wunderbar abgeschmeckt. Ein Semmerl dazu und ich bin glücklich.
Gebackenes hatten wir zweimal. Zum einen das normale Schweins-Schnitzerl. Selbiges war überraschend dünn, fad und eigentlich bedeutungslos. Hätte ich hier nur von diesem Schnitzel gegessen und nichts Anderes probiert, so hätte ich wohl zwei Wochen nach dem Besuch vollkommen vergessen, dass es dieses Lokal überhaupt gibt. Aber es gibt in der Althan Stube etwas Gebackenes, dass mir sehr wohl und sehr lange in Erinnerung bleiben wird und zwar das Altwiener Backfleisch. Während man in weniger tollen Betrieben alle möglichen Teile von älteren Milchkühen für dieses Gericht verwendet, arbeitet Alexander Dank hier mit bestem Beiried. Und das schmeckt nicht nur von Haus aus besser, sondern erlaubt auch eine niedrigere Garstufe. Soll heißen, dass das mit Senf bestrichene, panierte und gebackene Beiried kernrosa serviert wird. Und das ist tatsächlich traumhaft: Würzig, saftig, knusprig, ein bisserl scharf & gut. Man kann sogar von einem echten „Signature Dish“ sprechen. Dafür könnte und sollte die Althan Stube berühmt werden!
Zum Schluss hatten wir noch Böhmische Palatschinken, die frisch gemacht und mit Powidl und Sauerrahm gefüllt und mit Mohnzucker bestreut waren. Flaumig und köstlich, wie in einem guten Beisl eben. Oder halt Gasthaus …
Insgesamt kann ich nur jedem Fleischliebhaber raten herzukommen und das Altwiener Backfleisch zu essen. Die Vermutung, dass uns das normale Schnitzel nur deshalb weniger geschmeckt hat, weil das Backfleisch so exorbitant besser war, ist unbegründet. Das Schnitzel war leider echt fad. Aber wozu Schnitzel essen, wenn es dieses Backfleisch gibt? Ich komme wieder. Und das obwohl ich die Sache mit dem Raucherbereich tatsächlich grauslich finde …

Althan Stube
Althahnstraße 35, 1090 Wien
www.althanstube.at

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