Adi Weiss
„Da musst du hin!“ und „Du wirst das lieben!“ wurde mir noch vor meinem Besuch von mehreren Seiten über das neue „In-Dish“ In-Dish – Neulich beim Disney-Inder…

„Da musst du hin!“ und „Du wirst das lieben!“ wurde mir noch vor meinem Besuch von mehreren Seiten über das neue „In-Dish“ in der Schwarzenbergstraße ins Hirn gebrannt. Dass es für die Location nur ein kulinarischer Aufstieg werden konnte war klar, denn in den Räumlichkeiten war davor das „Koi“ untergebracht, einer der mit Abstand furchtbarsten All you can Eat-Schuppen der Stadt. Daran erinnert aber gar nichts mehr, denn nun soll das neue „In-Dish“ für die wohlfühlsamste indische Fusionsküche sorgen. Wer vielleicht schon einmal meine Geschichten gelesen hat, der weiß, dass ich jeglicher Art von Fusion skeptisch gegenüberstehe. Zu selten war es das gewünschte Verschmelzen der besten Möglichkeiten, sondern vielmehr nichtssagendes Wischiwaschi. Insofern war ich tatsächlich gespannt, wie sich die indische Fusion anfühlen würde.

Sufian Ahmed, der Betreiber des „In-Dish“ wurde in Zell am See geboren, wo seine aus Pakistan stammenden Eltern ein indisch-italienisches Lokal betrieben haben. Ihn selber zog es zunächst kulinarisch nach England. Sein erstes eigenes Lokal soll kurz formuliert „Dining-Vergnügen mit absoluter Wohlfühl-Atmosphäre verbinden“. Gut, das will wahrscheinlich jedes Lokal. Und man will auch „frische, ausgewählte Zutaten und Inspirationen aus aller Welt zu köstlichen Kreationen verschmelzen“ lassen. Mein „Fusion-Radar“ war schon vor dem Betreten des mit allerlei Bollywood-Plakaten dekorierten Lokals sehr nervös …

Unsere erste Vorspeise war mehr Gag als Gericht und nennt sich „Gol Gappa Shot“, ein Bällchen aus Weizen-Waffelteig mit einer Füllung aus Granatäpfeln, Kartoffeln und Joghurt. Die Textur war spannend, der Geschmack fast nebensächlich. Und dann kam auch schon das erste Fusionsgericht: „Masala Arancini“, der Versuch ein italienisches paniertes und frittiertes Risotto-Bällchen mit indischem Safranreis und Kalbfleisch zu kreuzen. Aber diese Kreuzung geht für mich nicht wirklich auf, weil das Gesamtkonstrukt eher durch die Panier als durch die Stärke des Reises zusammengehalten wird. Nicht, dass diese Arancini schlecht gewesen wären, nur hat sich mir deren Sinn nicht wirklich erschlossen. Auch beim „Chicken Tikka Taco Cone“ war der Name das Interessanteste. Hier wird aus Pappadam-Teig ein Stanitzel geformt, in das dann Salat und Tandoori-Huhn gefüllt wird. Und dieser Taco Cone muss trotz der Erstannahme, dass es sich um Streetfood handeln könnte, mit Messer und Gabel gegessen werden, weil das Pappadam beim Abbeißen sofort zerspringen würde.   Vegetarisches Tikki hatten wird bei den Vorspeisen noch in Form eines Kartoffel Käse Tikkis, einem Kartoffellaibchen mit Schmelzkäse. Diese gebackenen Laibchen haben dann, vor allem dank der Saucen am Teller, aber auch dank der unterschiedlichen Chutneys am Tisch sehr gut geschmeckt. Ohne die besagten Saucen hätten wir die „Onion Bhaji“, also frittierte Zwiebel-Kichererbsen-Puffer, auch nicht hinunterbekommen, denn diese waren leicht staubtrocken. Von der Daal, der klassischen indisch-pakistanischen Linsensuppe kann man das natürlich nicht sagen. Sie war in sich stimmig, nur ein wenig zu mild. Auf Nachfrage haben wir erfahren, dass hier prinzipiell nicht allzu scharf gekocht wird und man bei Bedarf selbst mit diversen Saucen nachschärfen kann. Kochtechnisch gesehen ist das natürlich nicht richtig, denn wenn eine schöne Schärfe ein Gericht durchziehen soll, dann muss die jeweilige scharfe Zutat mit dem Gericht mitgekocht werden. Außerdem erhöht Capsaicin, also das, was Chilis scharf macht, das Salzempfinden einer Speise. Soll heißen, dass ein richtig gesalzenes Gericht, das nachträglich stark verschärft wird, danach über- oder versalzen schmecken könnte. Nachschärfen ist also geschmacklicher Unsinn. Das sollte einmal betont werden.

Eine Hausspezialität aus dem echten Tandoor-Ofen ist im „In-Dish“ das „TTT“, die Tandoor Tika Trilogy, wobei hier Hühnerbrustfilets in dreierlei Marinaden serviert werden. Diese drei Marinaden wären Cashew-Muskat, Minze und klassisches Tandoori. Jenes Hühnerfleisch mit der Nuss-Marinade war wirklich köstlich, jenes mit Minze unscheinbar und das mit der Tandoori-Mischung gut, aber etwas versalzen.

Nachdem hier ja die Fusion sehr groß geschrieben wird, war mir irgendwie klar, dass es auch Sushi und Burger gibt. Der „OMG Butter Chicken Burger“ steht auf der Karte bei den Signature Dishes. Ich bin mir sicher, dass diese dünne Hühnerbrust in Butter Chicken Marinade für sich eine tolle Speise ist. Und an sich sind auch die Brioche Buns wirklich gut. Aber die Kombination ist mir doch ein wenig zu „geilig“ gewesen, wobei mich aber der plumpe Schmelzkäse fast noch mehr gestört hat. Die Süßkartoffel-Pommes, die zwecks höherer Knusprigkeit vorher offenbar noch in Stärke oder Kartoffelpüree-Pulver gewälzt worden sind, waren an sich auch gut, nur fühlten sie sich für mich trotzdem fehl am Platz an. Das gilt auch für das „Biryani Tikka Sushi“. Dabei handelt es sich um Maki mit Tandoori-Hühnerfleisch und Avocado, ummantelt von Biryani-Reis. Nachdem der Reis aber immer noch nicht klebt, zerfällt das Maki, sobald man es zu greifen versucht. Nichts wäre an diesem Gericht geschmacklich auszusetzen, nur ist mir die Form zu gewollt kreativ. Ich möchte jetzt echt nicht so rüberkommen, als wollte ich aus Prinzip etwas Negatives an den Speisen finden, nur weil ich Probleme mit Fusion habe. Aber Fusion sollte doch das Verschmelzen der besten Eigenschaften von unterschiedlichen Küchen sein. Reisgerichte wie Maki aussehen zu lassen oder Papadams zu Tacos zu erklären ist für mich aber mehr Optik als Fusion …

Zu guter Letzt probierten wir noch von den Curries. Keine Fusion, sondern nur die Klassiker. Und ja, das können die hier wirklich toll! Egal ob Butter Chicken, Kalb Vindaloo oder Chicken Tikka Masala: Allesamt köstlich, wenn auch viel zu mild, um wieder auf meine Geschichte mit der Schärfe zu kommen. Ich bin schon der Meinung, dass indisches bzw. pakistanisches Essen scharf sein darf. Und ich kenne niemanden, der von sich behauptet gerne indisch zu essen, es aber nicht scharf mag. Spannend ist übrigens das hausgemachte Naan-Brot. Denn es riecht stark nach Germ und erinnert in Geschmack und Textur fast schon mehr an Pizzateig, als an Naan. Ob sich hier ein Rezept aus der italo-indischen Zeit in Zell am See eingeschlichen hat?

Insgesamt ist das In-Dish eine spannende Bereicherung für Wien. Wer indisches Essen gar nicht kennt, für den kann dieser Fusions-Ansatz ein sanfter Einstieg in die wunderbare Welt der indischen Küche sein. Die Fusionsgerichte wie Burger oder Maki werden so zu einem kulinarischen Schuhlöffel. Und wenn man auf verspielte Zugänge steht, kann wird man hier bei dem einen oder anderen Gericht sicher seine kindliche Freude haben. Und sollte es tatsächlich doch Leute da draußen geben, die ihre Curries gerne mild haben, dann wird auch denen hier geholfen. Puristen unter den Indien-Fans und die Liebhaber des indischen Feuers werden aber wohl auch in Zukunft bei Bombay, Satraj & Co. bleiben …

 

In-Dish
Schwarzenbergstrasse 8, 1010 Wien
in-dish.at

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