Adi Weiss
Ich liebe es in Italien in eine Bar zu gehen, mich an die Theke zu stellen und im Stehen ohne großes Brimborium eine Kleinigkeit... Johann Frank – Warum gute Beilagen so wichtig wären…

Die Idee ein neues Lokal auf sprichwörtlich mehreren Ebenen zu betreiben ist nichts Neues. Und es wurden in Wien auch schon so manche Versuche unternommen ein Restaurant, eine Bar und einen Club unter einen Hut zu bekommen. Nur gingen diese Konzepte in der Regel aber nicht auf. Es gibt tolle Restaurants mit Bars, tolle Clubs mit Bars aber alles unter einem Dach, das sagenumwobene „Multikonzept“, war bisher eben nur das, ein Konzept. Die Gastro-Familie Ercin, die unter anderem die Sansibar auf der Donauinsel betreibt, stößt mit ihrem neuen Lokal nun nicht nur erstmals in den ersten Bezirk vor, sondern will sich nun auch im Multikonzept versuchen.

Der oberste Stock des Lokals am neuen Markt ist die Bar. Das können die Ercins. Großartige Cocktails in bequemen Sesseln oder an Hochtischen. Für die Karte hat man eigene Drinks kreiert und setzt gleichzeitig auf sämtliche Klassiker. Wenn die Bar kein Raucherbereich wäre, dann würde man mich dort auch zukünftig antreffen können. Im Keller befindet sich der Club befinden, und auch hier bin ich mir bei den bisherigen Erfahrungen der Ercins ziemlich sicher, dass sie wissen was sie tun. Im Erdgeschoß läuft das eigentliche Restaurant, für das man extra den Haubenkoch Daniel Hoffmeister ins Boot geholt hat. Während die Eröffnung von Bar und Restaurant und der Verweis auf den Club medial durchaus aufgefallen sind, wurde die Küchenrichtung ein wenig links liegen gelassen. Ursprünglich wurde sie als „Mediterran-Österreichisch“ bezeichnet, was ja genauso viel (oder wenig) Aussagekraft hat wie zum Beispiel Norwegisch-Jemenitisch. Nein, das nehme ich zurück. Norwegisch-Jemenitisch würde mich tatsächlich interessieren. Die Betreiber erzählen uns, dass die Qualität passen muss und dass sich die „jungen Leute“ das Essen auch leisten können müssen. Auf Nachfrage sind besagte junge Leute um die 30. Dass diese jungen Leute sich von der Bar – sollten sie rauchen – angezogen fühlen, liegt auf der Hand. Und der Club könnte diese Leute auch ansprechen. Aber wie schaut es mit dem Restaurant aus? Die Karte liest sich jedoch nicht „mediterran-österreichisch“, sondern fast schon ein wenig fad international: Burger, Steaks, Beef Tartar und immerhin Backhendl und Ochsenbackerln.
Wir starteten – wie leider so inflationär oft – mit einem Beef Tartar, das hier optisch wesentlich ansprechender daherkommt, als bei vielen Konkurrenten. Flankiert von knusprigen Parmesanchips und gekrönt mit einem perfekten Eidotter, lebt das handgeschnittene Tartar zum einem von der guten Fleischqualität und zum anderen von dem höchsten Anteil an Gurkeln, den ich in der Speise jemals gesehen habe. Alleine die geben dem Tartar einen Biss und eine Textur, die das Gericht tatsächlich köstlich macht.
Nachdem man im „Johann Frank“ auch stark auf Steak (gähn!) setzen will, sind es vor allem zwei Varianten, die man an das zahlungskräftige und junge Publikum bringen möchte. Das Filet-Steak ist wunderbar knapp unter Medium gebraten, butterzart und wird von Spinat und Bratkartoffeln begleitet. Diese haben leider den Eindruck erweckt, sie wären zuerst gebraten oder gebacken worden, dann ausgekühlt und wieder aufgewärmt. Soll heißen, so toll das Steak zubereitet wurde, so lieblos waren die Kartoffeln – optisch wie geschmacklich. Die verstreuten Zitronenzesten über den Kartoffeln konnten diese auch nicht retten. Ähnlich mau war jener Ofenkartoffel, der zum ebenfalls köstlichen Ribeye – auch knapp unter medium – gereicht wurde. Ein toller Ofenkartoffel hat Knusprigkeit in der Schale und ist innen mollig-cremig und weich. Das war dieser rein gar nicht, er wirkte wie ein aufgewärmter, leicht wässriger Kartoffel mit Schale umhüllt von Alu-Folie.
Auch die Beilage des hauseigenen Burgers schmälerte dessen eigentliche geschmacklich Größe. Der Johann Frank Burger wurde saftig medium gebraten, das Fleisch war herrlich, und auch die Einfachheit der wenigen, aber guten Zutaten war eine schöne Abwechslung. Die dazu gereichten Steakhouse-Pommes jedoch waren Tiefkühlware, und das konnte man eindeutig schmecken. Ganz ehrlich: Wenn ich in London bin und mir ein Mittagessen bei Heston Blumenthal leiste, dann träume ich schon Tage vorher von seinen Pommes Frites. Ein wirklich großer Koch kann auch aus so etwas vermeintlich Simplem wie Pommes Frites etwas Tolles machen. Warum setzt der Haubenkoch Daniel Hoffmeister hier auf Convenience? Wie gesagt, der Burger selbst war ja toll …

Zu schlechter Letzt hatten wir bei den Hauptspeisen noch die Ochsenbackerln mit Püree und Röstzwiebeln. Das Püree war ausgezeichnet, die Röstzwiebeln leider kalt und letschert und die Backerl selber zum einen trocken und zum anderen kaum gewürzt. Ein so trockenes und ganz ehrlich fades Stück Fleisch habe ich leider selten zuvor vorgesetzt bekommen.
Den wirklich versöhnenden Abschluss bildete der immer seltener werdende Nachspeisenklassiker „Scheiterhaufen“, der ja sonst eher eine Resteverwertung von altem Brot oder altem Brioche ist. Hier kommt beides hinein, vermengt mit Ei, Zucker und Milch wird es zum herrlichsten aller süßen Aufläufe und mit in einer dünnen Vanillemilch serviert, die am ehesten an eine Kanari-Milch aus Großmutters Zeiten erinnert. Getoppt wird das Ganze mit geflämmtem Schnee, dieser Scheiterhaufen war mit Abstand das beste Gericht, das wir im Johann Frank gegessen haben. Dafür rate ich sogar jedem extra hinzugehen, denn jene Raffinesse, die bei anderen Gerichten gefehlt hat, war hier vollkommen spürbar.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Küche mehr können würde, als man sie machen lässt. Vielleicht ist es dem Team zu wenig nur Burger, Steaks und Co zuzubereiten. Vielleicht fallen manche Gerichte ein wenig halbherzig aus, weil man ja eigentlich ganz woanders hinwill. Das mit dem Erfolg des Multikonzeptes glaube ich erst, wenn ich es sehe. Die Bar ist für Raucher aber auf alle Fälle toll. Und auch die Steaks und Burger wären einen Besuch wert, wenn man die Beilagen nicht so sehr vernachlässigen würde. Für den Scheiterhaufen würde ich aber schon morgen wiederkommen!

Johann Frank
Neuer Markt 8, 1010 Wien
www.johannfrank.at

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