Adi Weiss
Fabian Holzer testet das Il Melograno
Melograno – Fällt der Granatapfel weit vom Stamm?

Dass die Familie D’Atri mit ihren Lokalen in Wien wie keine andere für italienische Genüsse steht, ist unbestritten. Egal ob in der Osteria D’Atri, dem wunderbaren Toto’s oder in dem ursprünglich 2008 noch von Patron Nicola D’Atri eröffneten Melograno, damals noch in der Dorotheergasse. Mittlerweile ist dort sein Sohn Roberto Hausherr und das Lokal selbst ist in die Blumenstockgasse, ebenfalls im ersten Bezirk, weitergezogen. Roberto schwärmt von seinem Melograno („Granatapfel“) als dem Luxuslokal der Familie, einem Platz, wo noch dazu alte Traditionen hochgehalten werden.

 

Dass das „Melograno“ kein einfaches Lokal ist, bemerkt man schon beim Betreten. Edle Vitrinen, einige der ausgesuchtesten Weinflaschen Italiens und teures Mobiliar prägen den Gastraum und man kann eine wunderschön renovierte schwarze Berkel-Aufschnittmaschine bewundern. Das Gerät muss weit über 70 Jahre alt sein, denn schwarze Berkels gab es nur, als Mussolini an der Macht war, der ein persönliches Problem mit dem kommunistischen Rot der sonst politikfreien Geräte hatte. Der Grappa-Wagen verheißt große Genüsse und auch sonst wirkt alles mehr als gediegen.

 

In der Vitrine lacht mich ein so großes Bistecca Fiorentina an, wie ich es lange nicht mehr gesehen habe. Und die Information, dass hier so ein Doppelsteak 9 Euro pro 100 Gramm kostet und ab 1300 Gramm zu haben ist, klärt mich auch darüber auf, dass ich so etwas auf meinem Teller auch kaum jemals zu Gesicht bekommen werde. Aber im „Melograno“  wird Luxus eben groß geschrieben. Die Zutaten werden nicht nur selber aus Apulien importiert, sondern auch geholt. Und das so handverlesen und ausgezeichnet, dass den Betreibern hier manche Gerichte förmlich aus der Hand gerissen werden. Selbst wenn die Portion Burrata für 2 Personen wohlfeile 45 Euro kostet, ist diese wunderbarste Büffelmozzarella-Variante immer nach kürzester Zeit vergriffen. Und auch die Erzählung, wie im Granatapfel simple Spaghetti Carbonara zubereitet werden, lässt jedem Genießer einen kalten Erregungs-Schauer über den Rücken laufen: Das Gericht wird vor den Augen der Gäste am Tisch zubereitet, mit legendären Parisi-Eiern, Pecorino, geschmolzenem Tallegio und absolut keinem Obers.

 

Unser erstes Gericht waren vermeintlich einfache frittierte Calamari. Diese wurden bei niedriger Temperatur in edlerem Olivenöl frittiert, was den Tintenfischen im Gegensatz zur Zubereitung in gewöhnlichen Öl noch konsequenterweise eine olivige Note verpasst. Die dazu gereichte Ingwer-Mayonnaise ist zwar gut, verdeckt aber den schönen Eigengeschmack der Kopffüssler. Außen knusprig, innen butterweich. Die Calamari waren ausgezeichnet und sind nach jenen im „Vorstadtprinz“ für mich die zurzeit zweitbesten der Stadt.

 

Unser Hauptspeise war ein gegrilltes Kotelett vom Milchkalb samt süßsauren Schalotten und Brokkoli. Es klingt banal, aber Brokkoli so wunderbar hinzubekommen, ist eine hohe Kunst. Der Jus war wunderbar und wenn man dem Kotelett noch ein paar Sekunden mehr am Grill gegeben, wäre auch das Kalb perfekt gewesen. Die Garstufe war zwar wunderbar, aber die Abteilung Röstaromen leider unterbesetzt. Trotzdem eine tolle Speise.

 

Die Signature Nachspeise des Hauses wäre ein Tiramisu für zwei, das so wie die Carbonara direkt am Tisch der Gäste vollendet wird. So aufwendig musste es für uns aber nicht sein, wir teilten uns noch die Melograno-Variante einer Schokoladenmousse-Variation. Die drei Schokoladen (weiß/Milch/bitter) kamen als längliches Praline auf einem süßsauren Beerenspiegel und mit doppelt geschmacklosem Blattgold verziert daher. Hier überzeugt vor allem die unschlagbare Qualität der Zutaten, das Gericht ist ja berechenbar einfach und trotzdem traumhaft köstlich.

Insgesamt haben wir das „Melograno“ mit der Überzeugung verlassen, dass hier mit wunderbaren Zutaten gearbeitet wird, das Service altmodisch-klassisch ist und man mit etwas Glück und dem richtigen Timing der Küche einige der besten italienischen Speisen der Stadt essen kann. Im September soll übrigens die nächste Neueröffnung der Familie D’Atri folgen, mit einem Pasta & Pizza-Lokal direkt am Naschmarkt!

 

Il Melograno
Blumenstockgasse 5. 1010 Wien
www.melograno.at

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