Adi Weiss
Miss Maki – Warum in die Ferne schweifen?

Wer tagsüber in der Wiener Innenstadt unterwegs ist und Lust auf etwas Fernöstlich-Herzhaftes hat und dies auch mit einem Bierchen runterspülen möchte, der wird wohl an „Miss Maki“ vorbeigehen. Denn das einzige Herzhafte ist das, womit die Betreiberin Anna Kleindienst und ihr Küchenchef & Concept-Designer Stefan Trautsch hier bei der Sache sind. Auf der Karte stehen fast nur Speisen und Getränke, denen man den Mantel „gesund“ umhängen könnte. Warum hier so gearbeitet wird, hat gleich mehrere Gründe.
Was darf in einer Küche niemals fehlen? Richtig: ein Herd! Und was darf in den Räumlichkeiten, in denen sich das neue Lokal befindet, nicht betrieben werden? Wieder richtig: ein Herd! Sie verstehen also das kleine Anfangs-Dilemma, das Anna Kleindienst aufgrund der Abluftsituation hier hatte. So war es naheliegend, dass sie mit ihrem Küchenchef, der jahrelang in Asien gelebt hat, ein Konzept entwickelt, bei dem ein Herd und eine Abluftanlage nicht benötigt werden. Also ging es schon einmal in Richtung Maki. Und nachdem der Platz im Lokal auch begrenzt war, hat sich Anna Kleindienst außerdem dazu entschlossen, ihren Betrieb als Takeaway mit nur wenigen Sitzplätzen einzurichten. Das dritte und wahrscheinlich wichtigste Element neben Maki und Takeaway, war aber die kulinarische Umsetzung. Denn Sushi und Maki gibt es in der Innenstadt in allen Qualitätsstufen und wären sicher kein Alleinstellungsmerkmal des Lokals. Und Takeaways gibt es gerade im ersten Bezirk ohnehin schon mehr als ausreichend. Die entscheidende Idee war es nun also, die Zutaten fast ausschließlich aus Österreich kommen zu lassen. Nun ist die Idee Sushi oder Maki mit heimischen „Süßwasser-Meerestieren“ zu bestücken keineswegs neu. So konsequent wie hier wird sie aber sonst nirgendwo durchgezogen. Das Gewissen wird also nicht nur durch die gesundheitsfördernde Wirkung des Essens erleichtert, sondern auch durch das Wissen, dass man hier im Gegensatz zu anderen Lokalen die Maki anbieten, nur einen verschwindend kleinen CO2-Fußabdruck zu hinterlässt.
Beim Essen empfiehlt es sich hier wirklich, mehrere Kleinigkeiten zu nehmen und zu teilen. Denn selbst als geübtester Maki-Esser hat man die hier erhältlichen Zusammenstellungen wohl kaum jemals zuvor erlebt: Sommerrollen mit Lachsforelle, Makis mit Zander, Avocado und Bier-Teriyaki, Quinoa-Maki mit geräuchertem Wels oder Wildschwein. Ich könnte jetzt über jede einzelne Position auf der Karte berichten und würde mich jedes Mal wiederholen: Stefan Trautsch spielt hier mit Konsistenzen und Geschmäckern und lässt immer wieder Bekanntes auf Unerwartetes treffen. Noch stehen sie nicht auf der Karte, aber fragen sie unbedingt nach allem, was er aus den Tiroler Alpengarnelen macht! Bombe! Spannend sind auch die Poke-Bowls – die hawaiianischen Schwestern der japanischen Sashimi Bowls – und alles was Stefan Trautsch aus Wiener Schnecken macht! Man muss sich einfach nur trauen und kosten!
Etwas fad fanden wir lediglich die Nachspeisen, die nichts anderes als die bekannten, klebrig-süßen Mochi-Rollen aus Reis-Teig mit unterschiedlichen Füllungen sind.
Insgesamt bietet „Miss Maki“ tagsüber eine echte und noch dazu köstliche Alternative zu alldem, was man in Sachen Takeaway in der Stadt bekommen kann. Wer es nicht zu eilig hat, der kann auch Glück haben und einen der vier (sic!) Sitzplätz ergattern. Abends hat das Lokal übrigens geschlossen. Das könnte sich bei großem Erfolg noch ändern, und wenn das Konzept aufgeht, könnten noch mehrere Filialen entstehen. Wie aber schon eingangs erwähnt, sollte man nicht kommen, um hier einen eventuell vorhandenen Bärenhunger zu stillen, denn wirklich satt machen die kleinen, hübschen Gerichte hier nicht. Nach unserem Besuch bei „Miss Maki“ sind wir noch einen Happen essen gegangen …

Miss Maki
Neuer Markt 8A, 1010 Wien
www.missmaki.at