Adi Weiss
Wer im Mundart speisen möchte, der hat die Wahl zwischen mehreren „Austrian Tapas“, einigen Hot Dogs und Burgern sowie Schmorgerichten. Wir starteten mit den... Mundart – Highballs & Lowlights

Dass das ehemalige Restaurant des Kultlokals „Bettelalm“ in Wien kein Ort höchster kulinarischen Genüsse war, ist eine Tatsache über die wohl niemand lange diskutieren würde. Und das war dann auch der Grund dafür, dass sich Bettelalm-Betreiberin Jenny Salchenegger für etwas Neues entschieden hat, konkret das „Mundart – Bar & Kitchen“. Bei der Inneneinrichtung hat man schon einmal auf das richtige Pferd gesetzt und ist im Gegensatz zum dazugehörenden Bettelstudent und der Bettelalm sehr viel augenfreundlicher unterwegs. Die 80 Sitzplätze verteilen sich auf viele Ecken und Winkel und die Lautstärke der Musik bleibt meist gesprächstauglich. Bei den Drinks der Bar setzt man verstärkt auf „Highballs“, also jene Getränke die jeweils eine alkoholische Grundzutat als Basis haben, weshalb sie oft auch nur als „bessere Longdrinks“ bezeichnet werden. Auf alle Fälle sind die Drinks hier sehr gut und preislich noch dazu erfreulich leistbar. Das war die Bar, nun zur Kitchen.

Wer im Mundart speisen möchte, der hat die Wahl zwischen mehreren „Austrian Tapas“, einigen Hot Dogs und Burgern sowie Schmorgerichten. Wir starteten mit den Tapas. Dieser Begriff ist eigentlich irreführend, denn seit es vor knapp 10 Jahren die ersten heimischen Tapas gab, waren das fast immer kleine warme Gerichte wie Schnitzel, Schweinsbraten und ähnliches. Die Gerichte im Mundart sind aber allesamt kalt und bestehen aus Dingen, die man sonst am ehesten vom Heurigenbüffet kennt. Schmalz, Speck, Käse, Aufstriche und Co. So einfach das jetzt vielleicht klingt, qualitativ sind diese „Tapas“ großartig. Allein der Hammerherrenspeck ist ein Traum, der würzige Bergkäse herrlich und auch das aufgeschlagene Mangalitza-Schmalz himmlisch. In Kombination mit dem köstlichen, lauwarm servierten Brot von der Bäckerei Öfferl aus Mistelbach sind diese kleinen Aufschnitte und -striche tatsächlich eine erfüllende Mahlzeit. Das einzige, das stört ist der Gesamtpreis dieser Tapas, die man jeweils einzeln bestellen muss. Nur für die 3 erwähnten Kleinigkeiten plus 2 Mal Brot wären das bereits knapp 20 Euro. Und das ohne Butter, Gurkerl & Co.

Von der der sympathischen und kompetenten Kellnerin wurde uns der hauseigene Hot Dog mit Chili-Käse ans Herz gelegt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir dieser wahrscheinlich nach dem achten Highball-Cocktail schmecken würde. Aber nach dem ersten Highball schmeckte unser Chili-Käse-Dog nach einem in flüssigem Käse aufgeweichten Weckerl mit zwei mäßig warmen Frankfurtern darin. Wir haben nichts gegen die amerikanische Variante mit einem weichen Brötchen, aber das war eine kleine Gatscherei. Nüchtern diesen Hot Dog zu essen war schon eine feinmotorische Herausforderung, man möchte sich nicht vorstellen, wie der durchschnittliche Esser nach dem sechsten Cocktail aussieht …

Von einem Lowlight zu einem Highlight: Bei den Burgern steht neben einem tagesaktuellen und einem mit Pulled Pork auch einer mit „Burnt Ends“ zur Auswahl. In der Regel stammen diese tatsächlich verbrannten Enden von einem Brisket, also einer „gesmokten“ Rinderbrust. Auch wenn die „Burnt Ends“ im Mundart wegen ihrer falschen Herkunft eigentlich gar keine sind, waren sie trotzdem wunderbar: Die Fleischstücke stammen von Rinderrippen, die man hier auch im Ganzen bekommen könnte. Dafür wurden herrliche Rippen zuerst eine halbe Ewigkeit im Vakuum im Wasserbad niedertemperaturgegart und dann angegrillt. Auf der Karte nennt sich das ganze Stück „Short Rib „Spicy Honey” Süßkartoffelpüree“ und ist butterweich, süß und köstlich. In der kleingeschnittenen Version kommt dieses Fleisch eben in den Burger und war das wohl saftig-fleischigste, das ich seit Ewigkeiten zwischen zwei Bun-Hälften verspeist habe. Bedauerlich war nur, dass das Fleisch eindeutig zu kalt war und zwar sowohl bei den Ribs, als auch beim Burger. Vielleicht hätte man beides doch ein wenig länger erwärmen sollen…

Insgesamt fällt auf, dass hier alle Gerichte so konzipiert sind, dass sie im laufenden Betrieb auch dann zubereitet werden können, wenn der jeweilige Zubereiter zum einen wenig Zeit hat und zum anderen nicht besonders viele kulinarische Fachkenntnisse mitbringt. Denn hier muss nur aufgeschnitten, aufgewärmt, etwas angegrillt und hübsch angerichtet werden. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich das System nicht gut finde. Ganz im Gegenteil: Die Möglichkeit, einen Burnt Ends-Burger von dieser Qualität oder die saftigen Ribs auch zu später Stunde bekommen zu können, ist großartig. Und auch die selbst zusammengestellte Brettljause war toll, wenn auch etwas kostspielig. Bei einer spätnächtlichen Tour durch die Wiener Innenstadt mit dem spontanen Verlangen nach Snacks, kann das Mundart jetzt tatsächlich zu einem Fixpunkt werden!

Mundart

Johannesgasse 80, 1010 Wien
www.mundart.wien

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