Adi Weiss
Im Joshua Tree Nationalpark hat Anna F ihren neuen Sound gefunden: Die österreichische Musikerin, die sich mittlerweile in London niedergelassen hat, veröffentlichte dieser Tage... Neustart in der Wüste: Anna F bietet mit Friedberg Rock

Im Joshua Tree Nationalpark hat Anna F ihren neuen Sound gefunden: Die österreichische Musikerin, die sich mittlerweile in London niedergelassen hat, veröffentlichte dieser Tage mit ihrer Band Friedberg den Song „Boom“ und präsentiert damit erdigen Rock mit eingängiger Note. „Es geht um die Lust am Entdecken und darum, Dinge herauszufinden“, erklärt die Sängerin den neu gefundenen Zugang.

In der Wüste hat sich bei der als Anna Wappel im steirischen Friedberg geborenen Musikerin also eine Rohheit herausgeschält, die man von ihren bisherigen Soloplatten (zuletzt war 2014 „King In The Mirror“ erschienen) so noch nicht kannte. „Es ist schon ein Neustart. Wobei es ja Menschen gibt, die eine Vision haben. So ein Typ bin ich aber nicht unbedingt“, betont sie im APA-Interview. „Es war ja nicht mein ursprünglicher Plan, eine Frauenband aufzustellen. Stattdessen habe ich einfach angefangen, neue Songs zu schreiben. Es hat sich sehr natürlich entwickelt.“

Nachdem in den USA mit zwei deutschen Kollegen die Demos eingespielt wurden, ging es wieder nach London, wo Anna F mit ihrem neuen Projekt beim Label LGM Records unterkam. Über dieses entstand auch der Kontakt zu den jetzigen Bandmitgliedern Cheryl Pinero (Bass), Eilidh McKellar (Gitarre) und Laura Williams (Schlagzeug). „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden“, nickt Williams. „Es fühlte sich sogar eine Spur zu einfach an, als wir das erste Mal gemeinsam Musik machten.“ Zuerst wurde am bereits vorhandenen Material gearbeitet, eine für Juni avisierte EP soll dann auch neue, gemeinsam geschriebene Songs enthalten.

Dass die Chemie stimmt, merkt man beim Gespräch mit dem Quartett sofort: Es wird nach Herzenslust gescherzt, sich gegenseitig aufgezogen und mit viel Leidenschaft über die Musik geredet. Als Anna F meint, dass die Schottin McKellar manchmal schwer zu verstehen sei, kontert diese augenzwinkernd: „Ach was, du hast einfach einen schlechten Tag.“ Gerne erinnert man sich auch an den ersten gemeinsamen Gig in einem Londoner Pub vergangenen Sommer – damals noch mit Emily Linden an der Gitarre. „Wir wussten nicht, was wir erwarten sollen“, so Anna F. „Aber dann sind die Leute plötzlich aufgestanden und haben zugehört. Wir hatten offenbar eine gute Energie.“

Diese will das Quartett nun so oft wie möglich auf der Bühne entfachen. Erfolg wäre für Anna F einerseits, „dass wir alle davon leben können. Und außerdem sehe ich uns die ganze Zeit auf Festivals. Mit meiner Musik vorher bin ich da einfach ein bisschen durchgefallen, weil es zu poppig war. Aber mit ihnen will ich ganz viel live spielen“, zeigt sie auf ihre Kolleginnen. Viel Arbeit hat die Musikerin jedenfalls bereits investiert, habe sie die vergangenen zwei Jahre doch alles selbst aufgebaut. „Dadurch fühlt es sich noch krasser an.“ In der Bandkonstellation könne man nun den Druck aber auf mehreren Schultern verteilen. „Man merkt, dass es eine ganz andere Kraft hat.“

Als rein weiblich besetzte Rockgruppe gehört Friedberg jedenfalls eher einer Minderheit an – auch und vor allem, wenn man sich Festival-Line-ups vor Augen führt. „Dabei sollte das ja eigentlich kein Thema mehr sein“, findet Pinero deutliche Worte. „Aber in der Rockmusik gibt es offenbar immer noch mehr Bands mit Männern, während im Pop viele Frauen vertreten sind. Dabei arbeiten wir genauso hart.“ Gleichzeitig verweist Williams auf „die andere Seite“: „Es gibt leider immer noch viel zu wenige Produzentinnen oder Tontechnikerinnen.“

Friedberg setzen jedenfalls nicht vor diesem Hintergrund ein lautstarkes Zeichen: „Boom“ ist ein vielversprechender Vorbote, stellte Anna F neben der EP doch auch ein Album in Aussicht. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, sollte heute, Dienstagabend, bei „Willkommen Österreich“ einschalten, ist das Quartett doch in der Show von Christoph Grissemann und Dirk Stermann zu Gast (22.00 Uhr auf ORF eins).

Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA

INFO: https://www.instagram.com/friedbergmusic/?hl=de