Adi Weiss
OMU – Warum man kleine Schönheitsfehler gerne verzeihen sollte…

Langsam wird es ja auch bei uns immer mehr zum Trend, dass Cocktails nicht mehr nur für sich allein gereicht werden, sondern auch zu Speisenbegleitern mutieren dürfen. Oder die Gerichte eben zu Cocktail-Begleitern. Das ist im Wesentlichen auch der Zugang der neuen Risto-Bar „OMU – bar & small eats“ in der Kolingasse im 9. Bezirk. Das neue Schwesterlokal des „Kolin“ wird, ebenso wie dieses, von Sabrina Royer betrieben, ihr Bruder Alexander werkt in der Küche. Das grundsätzliche Konzept des Kellerlokals steht also schon einmal auf soliden Beinen. Aber harmonieren die „small eats“ auch mit den großartigen Cocktails von Bar-Chef Felipe Betancourt?
Im Gegensatz zu neueren Lokalen wie dem „Blue Mustard“ oder – mit Abstrichen – dem „Junn“ sollen im OMU zwar auch allerlei Gerichte zu den bestimmenden Cocktails angeboten werden, aber ohne, dass hier Wert auf ein ganz exaktes Pairing gelegt wird. Bei den Speisen stehen viel mehr das „Saisonale“, das „Vollwertige“ und der „Tapas-Style“ im Vordergrund, wie Sabrina Royer betont. Und gleichzeitig meint sie, dass sie nur deswegen den Begriff „Tapas“ nicht verwendet, weil die Speisen ja tatsächlich keine sind. Logisch. McDonalds wirbt ja auch deshalb nicht für Pizza, weil es dort keine gibt. Die Küchenrichtung des OMU beschreibt sie als „bunt gemischt, allerhand Dinge in klein“. Und damit meint sie kleine Burger, kleine Chilis, kleine Rollen und ähnliches. Warum die Dinge allesamt klein sind, hat übrigens nichts damit zu tun, dass hier die Küche besonders klein wäre, sondern dies dient nur der Haptik des Essens. Bei den Zutaten setzt Royer komplett auf Selbstgemacht und verweigert Convenience.
Zu Beginn hatten wir Nachos mit zweierlei Dipps. Klingt eigentlich fad. Aber zu unserer Überraschung entpuppte sich bereits dieses Häppchen als gelungen, da Alexander Royer sowohl die Pico de gallo (die in der Karte ganz banal als „Salsa“ bezeichnet wird) und die Guacamole bombastisch perfekt abgeschmeckt hat. Auch bei der nächsten Speise gelang Royer ein Kunststück. Denn eine Chorizo-Wurst im Frühlingsrollenteig klingt eigentlich nach Beton im Magen. Die Wurstrolle ist aber so sehr mit Gemüse (innen) und Bittersalat (außen) abgerundet, dass ein fast schon ausgewogenes Gericht entsteht. Gerade in Kombination mit dem umwerfenden, hausgemachten „Campari“ sind die Rollen tatsächlich ein Traum.
Die Kokosbällchen mit Basilikum samt Mango-Dip sind ein Zugeständnis an die fleischlose Kundschaft. Und auch hier wurde mitgedacht: denn Vegetarier und Veganer wollen in der Regel nicht zwingend gesund essen, sondern lediglich tierlos. Die knusprig gebackenen Bällchen erregen keinen ausgesprochenen Verdacht gesund zu sein und mit dem Mango-Dip ergibt sich ein Duo, das förmlich nach einem karibischen Drink schreit.
Das „Lowlight“ des Abends war eindeutig der kleine Roastbeef-Burger mit Rucola, Röstzwiebeln und Pommes Frites. Letztere waren nicht richtig durch und/oder hatten eine seltsame Konsistenz. Was für eine Kartoffelsorte soll das gewesen sein? Und das Fleisch im Burger war schlicht und einfach zäh. Pro Bissen wurde es im Mund mehr. Wahrscheinlich hätte hier nicht einmal ein dünneres Aufschneiden der Scheiben etwas gebracht. Vielleicht hatten wir bei unserem Besuch einfach nur Pech mit dem Fleisch, aber dieser Burger war ein Bauchfleck. Alternativ hätte es auch einen Lachs-Burger gegeben. Was wäre eigentlich gegen Faschiertes einzuwenden?

In Sachen Fisch überrascht das OMU mit „Sardinen Fritti“. Hier hätte ich mir ein Tellerchen mit vielen ganz kleinen Sardinchen erwartet, gekommen sind aber zwei fast schon handtellergroße Fische, dünn paniert und schön frittiert. Geschmacklich waren sie einwandfrei und nicht umsonst sind sie ein beliebter Bar-Snack an der Costa Brava. Aber ob der Ästhetik hätten mehrere kleine Sardinen vielleicht mehr Sexappeal …
Geschmacklich gelungen ist auch das Süßkartoffel-Chili. Seltsamerweise trägt es auch noch den Beinamen „Turkey“. Wäre dieses türkisch abgeschmeckt, wäre das wohl toll gewesen, aber in diesem Fall steht das „Turkey“ für Truthahn bzw. -henne. Warum um alles in der Welt kommt hier Pute, das geschmackärmste Fleisch von allen hinein? Es trägt zu den Aromen absolut nichts bei und verhindert nur, dass Vegetarier das ansonsten wirklich schön konstruierte Chili essen können. Wenn man Pollotariern, also „Geflügel-Vegetariern“ (das sind genauso wie Pescetarier keine echten, ernstzunehmenden Vegetarier) etwas Gutes tun möchte, dann bitte mit einem guten Hendl (also mit etwas mehr Geschmack) und am besten in einen anderen Speise! Das Chili selbst war nämlich so gut, dass selbst ich als Carnivore noch gerne mehr davon gehabt hätte.
Zu den Drinks hier muss man gar nicht viel sagen, Felipe Betancourt versteht sein Handwerk und beweist das nicht nur mit mixologischen Standards, sondern auch bei seinen großartigen und spannenden Eigenkreationen.
Insgesamt geht das Konzept im OMU auf, hier sorgen die kleinen Speisen dafür, dass man sich vielleicht auch einen zweiten (oder dritten) Drink gönnt. Die Atmosphäre ist angenehm und auch die donnerstäglichen After Work Events mit Spezialpreisen für Speisen und Getränke werden für eine schöne Auslastung sorgen. Für den Roastbeef-Burger würde ich nicht wiederkommen – für die Nachos, die Chorizo-Rolle und auch das Chili (aber ohne Pute bitte!!!) sofort.

OMU – bar & small eats
Kolingasse 7, 1090 Wien
www.omu.bar