Adi Weiss
Den polnischen Filmpreis für sein Lebenswerk hat er seit kurzem in der Tasche, doch ans Aufhören denkt Regisseur Krzysztof Zanussi noch lange nicht. „Wenn... Polnischer Regisseur Zanussi feiert seinen 80. Geburtstag

Den polnischen Filmpreis für sein Lebenswerk hat er seit kurzem in der Tasche, doch ans Aufhören denkt Regisseur Krzysztof Zanussi noch lange nicht. „Wenn ich das Gefühl hätte, dass ich ein Meisterwerk geschaffen habe, könnte ich mit dem Arbeiten aufhören“, sagte der Regisseur, der am Montag 80 Jahre alt wird, polnischen Medien.

Zanussi dreht also im hohen Alter noch weiter. „Ich habe stets die Hoffnung, dass ich den nächsten Film noch besser mache, dass er vielleicht wichtiger und klüger wird“, meinte er. Eine eindringliche Botschaft will er dem Publikum auch mit seinem jüngsten Film übermitteln, dem düsteren Thriller „Eter“. Er handelt von einem Militärarzt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts mithilfe der Wissenschaft Macht über andere Menschen erlangen will.

„Ich weiß, dass sich aus einem anständigen Menschen manchmal die abscheuliche Fähigkeit entwickelt, Verbrechen zu begehen und schreckliche Dinge zu tun“, sagt Zanussi. So sei es zu Zeiten Hitlers und im Kommunismus gewesen, ergänzt der kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Warschau geborene Künstler – und appelliert an seine Mitbürger, dies nicht zu vergessen. „Der Mensch muss sehr wachsam sein und darauf achten, dass er nicht moralisch abgleitet, in Gebiete, in denen aus einem guten anständigen Menschen ein Monster wird.“

Zanussi, der abwechselnd in Paris und Warschau lebt, hatte bereits ein Physik- und Philosophiestudium hinter sich, als er 1960 an die Filmhochschule in Lodz kam, wo auch Roman Polanski studierte. Er gilt als Meister einer leisen, unaufdringlichen Form und einer unkonventionellen, dokumentarähnlichen Art, Menschen des Alltags zu porträtieren. Oft ist in seinen Filmen vom Sterben und Tod die Rede, doch es fließt kein Blut und es fallen keine Schüsse. Seine Helden setzen sich mit moralischen Fragen auseinander.

Sein Abschlussfilm „Tod des Provinzials“ (1967) stellte einen im Sterben liegenden greisen Ordensmann einem jungen vitalen Kunsthistoriker gegenüber. Für den Film, in dem kein einziges Wort fällt, bekam er beim Internationalen Filmfestival in Mannheim den Preis der ökumenischen Jury und gleichzeitig eine Auszeichnung des Moskauer Atheistenverbandes.

Mit „Illumination“ (1973), „Tarnfarben“ (1977) und „Ein Mann bleibt sich treu“ (1980) erkämpfte der Pole einen festen Platz im Kreis der Regisseure, die als Autoren des „Kinos der moralischen Unruhe“ in die Filmgeschichte eingingen. Zanussi, Andrzej Wajda, Krzysztof Kieslowski, Agnieszka Holland und einige andere gaben mit ihren Werken den Menschen im realen Sozialismus Hoffnung auf Veränderung und ebneten geistig den Weg zur Entstehung der Freiheitsbewegung Solidarnosc 1980.

Die Künstler seien damals als „Stimme des Volkes“ eine Art Ersatz für politische Opposition gewesen, erläuterte Zanussi in einem früheren dpa-Gespräch in Warschau. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität erhielt er 1980 in Cannes den Preis der Jury für „Ein Mann bleibt sich treu“.

Die beste Zeit, als ein treues Publikum auf jeden Film wartete und nach verschlüsselten Botschaften gegen das Regime suchte, ging mit der demokratischen Wende in Polen von 1989 zu Ende. Sehnsucht nach dieser Zeit verbittet sich der Regisseur jedoch mit Nachdruck. „Ich wollte im freien Land leben“, bekundete er bereits vor vielen Jahren. Er freue sich über die Freiheit, auch wenn das Leben für ihn unbequemer geworden sei.

In Polen zählt er zu den wichtigsten Filmemachern der Gegenwart. „Er ist die Geschichte des polnischen Kinos und schafft weiterhin wunderschöne Filme“, würdigte ihn der Vorsitzende der Polnischen Filmakademie, Dariusz Jablonski. Zanussi bleibt bescheiden. „Ich glaube, dass es mir noch besser gelingen kann“, zitiert die Agentur PAP Zanussi zu seinen Werken. „Es ist eine Hoffnung, die motiviert und die Kreativität anregt.“