Adi Weiss
Der deutsche Regisseur Rolf von Sydow ist am Sonntag im Alter von 94 Jahren gestorben. Einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung bestätigte seine Frau Susanne... Regisseur Rolf von Sydow gestorben

Der deutsche Regisseur Rolf von Sydow ist am Sonntag im Alter von 94 Jahren gestorben. Einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung bestätigte seine Frau Susanne der dpa. Am Dienstag wäre von Sydow, der „Tatorte“, Durbridge-Krimis und Pilcher-Romane inszenierte, 95 Jahre alt geworden.

Sein Lebenswerk umfasst mehr als 130 Film- und Fernsehproduktionen, Theaterinszenierungen, Kabarettprogramme und Hörspiele. Die Akademie der Künste in seiner Heimat Berlin hat sein Archiv bekommen.

Bei Rolf von Sydow stimmte, was man gerne über die alten Herrschaften im Fernsehen sagt: Er war ein Urgestein, ein Grandseigneur der Unterhaltung. Wenn es um Kitsch, Liebeskummer, Schmonzetten oder spannende Unterhaltung ging – von Sydow hatte in seiner Karriere ein Händchen für leichte Stoffe. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Serien „Zwei Münchner in Hamburg“ mit Uschi Glas und „Die schöne Wilhelmine“ mit Anja Kruse.

Erfolge hatte von Sydow auch als Regisseur von Specials, etwa über Harald Juhnke, Manfred Krug oder Inge Meysel. Als Synchronregisseur bearbeitete er den Klassiker „Ein Herz und eine Krone“ (1953) mit Gregory Peck und Audrey Hepburn für das deutsche Publikum. Seine Jugend war nicht leicht: Wegen seiner jüdischen Wurzeln litt der Wiesbadener in den ersten zwei Jahrzehnten seines Lebens unter der Nazi-Herrschaft. Seine Erinnerungen aus dieser Zeit hat er in seinem Buch „Angst zu atmen“ aufgeschrieben. „Wenn die Nazis nicht gewesen wären, wäre ich wohl Offizier oder Diplomat geworden“, meinte er mit Blick auf andere Männer in seiner Familie.

1942 geriet von Sydow als Soldat in kanadische Kriegsgefangenschaft, in der er seine Liebe zum Theater entdeckte. Später wurde er freier Regisseur. Dazwischen war er Leiter des Fernsehspiels beim Südwestfunk (1973-77) sowie beim Saarländischen Rundfunk (1977-79).

Besonders wichtig waren in seiner Karriere die Straßenfeger – Krimis nach den Büchern des Briten Francis Durbridge, darunter „Das Messer“ mit Hardy Krüger von 1971. Nochmals eine Dosis Großbritannien gab es dann mit den Verfilmungen der Liebesromane von Rosamunde Pilcher von 1994 bis 2002. „Es war mit unsere schönste Zeit“, erinnerte sich Susanne von Sydow (64), mit der er 36 Jahre in dritter Ehe verheiratet war.

Dass es in Deutschland eine Trennung zwischen Unterhaltung und Ernst gibt, zwischen „U und E“: Das habe ihr Mann als traurig empfunden. Was der Ehefrau als Erstes zu ihm einfällt: sein Humor und seine Fähigkeit, den Leuten zuzuhören. Bei der Arbeit sei er nett zu allen gewesen, er habe keinen Unterschied zwischen der Putzfrau und dem Star gemacht. „Er war immer ein wohlwollender Mensch.“