Adi Weiss
Mit „Budapest“ sang sich der Singer-Songwriter George Ezra in die Ohren und Radio-Dauerschleifen. Vier Jahre sind vergangen seit diesem großen Erfolg und seinem Debütalbum... Von "Budapest" ins "Paradise": George Ezra legt 2. Album vor

Mit „Budapest“ sang sich der Singer-Songwriter George Ezra in die Ohren und Radio-Dauerschleifen. Vier Jahre sind vergangen seit diesem großen Erfolg und seinem Debütalbum „Wanted on Voyage“. Jetzt legt der 24 Jahre alte Brite mit „Staying at Tamara’s“ (erscheint am Freitag) eine ganze Ladung neuer Ohrwürmer, Gute-Laune-Songs und Zuversichts-Gitarren-Pop nach.

Gleich im Opener „Pretty Shining People“ besingt George Ezra das beklemmende Gefühl, sich im schnellen Wandel der Welt zu verlieren, einer Welt, in der er sich wie auf einer Insel in einem Ozean voller Veränderung wähnt und lamentiert: „Why, why, what a terrible time to be alive/ If you’re prone to over think“ und liefert im Refrain gleich seine Antwort: „Hey, pretty shining people, we’re alright together“.

Dieses Gefühl, dass zusammen vieles möglich ist, Zeilen vom Träumen, Reisen und Lieben finden sich immer wieder auf den elf Tracks des neuen Albums. Dabei trumpft Ezra vor allem in der ersten Hälfte seines zweiten Albums auf. Treibende Basslinien, Bläser, Background-Gesang und Sprechchöre unterstreichen und umschmeicheln die markante, tiefe Stimme des Briten, die Melodien kleben sich sofort im Ohr fest. Zum Ende hin wird es leiser, melancholischer. Dabei erinnert vor allem der Song „Shotgun“ an „Budapest“ und den Stil des ersten Albums. Im Debüt wirkte der Sound reduzierter, zurücknehmender. Bei „Staying at Tamara’s“ tönt er satter und gerade die Sprechchöre zeugen manchmal von Übermut.

Es sei ihm anfangs schwer gefallen, neue Songs zu schreiben, erzählt der sympathische Musiker. Das habe auch daran gelegen, dass er zwei Jahre lang mit dem ersten Album auf Tour gewesen sei. „Weil alles so neu war. Jeden Tag – alles, was ich tat, war das erste Mal. Das Letzte, was ich tun wollte, war, über neue Songs nachzudenken, während ich auf Tour mit dem ersten Album war.“

Geändert habe sich das erst, als er sich entschlossen habe, einen Monat in Barcelona zu verbringen. Statt sich ein Hotel zu suchen, habe er im Internet einen Kontakt gefunden, bei dem er leben konnte, erzählt er: Tamara. Weil diese Zeit in der spanischen Stadt so intensiv gewesen sei, habe er entschieden, das Album nach seiner Bleibe und seiner Gastgeberin zu benennen: „Staying at Tamara’s“. „Das Witzige ist: Ich schrieb gar nicht die neuen Songs während der Ausflüge, vielmehr habe ich mir Notizen gemacht. Als ich wieder zu Hause war, habe ich mit diesen Notizen die Songs geschrieben.“

Fühlt er nach dem Mega-Erfolg mit dem Debüt Erfolgsdruck? Nein, jedenfalls nicht mit Blick darauf, wieder ganz oben in den Charts zu sein, sagt er. Mit dem ersten Album sei es sehr viel besser gelaufen als er erwartet habe. Diesen Erfolg wolle er nicht einfach nachbauen. Aber er wolle natürlich, dass sein Album gehört werde.

Seine Single „Paradise“, in der er das Glück beschreibt, schaffte es schon auf Platz eins zumindest der britischen iTunes-Charts. Und darüber freut sich Ezra dann doch ausgiebig und für jeden zum Nachlesen auf Twitter. Wem das neue Album nicht genügend Ezra und Samtstimme ist, der kann ihm und vielen Musikerkollegen seit kurzer Zeit auch im Podcast lauschen. Seit Mitte Februar veröffentlicht er immer montags eine neue Folge des Formats, in dem er mit Kollegen wie Ed Sheeran, Rag’n’Bone Man oder Craig David über Musik plaudert. Und auch live kann man ihn bewundern: Am 23. Oktober gastiert Ezra im Wiener Gasometer.

(S E R V I C E – www.georgeezra.com)