Adi Weiss
Nach ihrer Hochzeit mit Prinz Harry wird Meghan Markle das erste Mitglied des britischen Königshauses mit afrikanischen Wurzeln in der Moderne sein. Einige Kommentare... War Königin Charlotte erste britische "schwarze Prinzessin"?

Nach ihrer Hochzeit mit Prinz Harry wird Meghan Markle das erste Mitglied des britischen Königshauses mit afrikanischen Wurzeln in der Moderne sein. Einige Kommentare in sozialen Medien bezeichnen Meghan schon als „schwarze Prinzessin“. Dabei wird sie wahrscheinlich in den Stand einer Herzogin erhoben.

Die Vermählung am 19. Mai bringt auch wieder Leben in die Debatte, ob eine in Deutschland geborene britische Monarchin nicht in Wirklichkeit die erste „schwarze Prinzessin“ gewesen sein könnte. Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz heiratete 1761 im Alter von 17 Jahren den britischen König Georg III. Sie gebar ihm 15 Kinder, Prinz Harry ist ein direkter Nachkomme der deutschen Prinzessin.

Charlotte wurde laut ihrer offiziellen königlichen Biografie 1744 als Tochter von Prinz Karl zu Mecklenburg und seiner Frau Prinzessin Elisabeth Albertine von Sachsen-Hildburghausen im mecklenburgischen Mirow geboren. Hinweise auf mögliche andere Wurzeln gibt es in der Biografie nicht, aber der Historiker Mario de Valdes y Cocom glaubt an eine Verbindung mit Afrika. Diese lasse sich auf ihre direkte Abstammung von einer schwarzen Linie des portugiesischen Königshauses – genauer gesagt Margarita de Castro y Sousa – zurückführen, so der auf die Erforschung der afrikanischen Diaspora spezialisierte Valdes.

Viele der Spekulationen über Königin Charlottes angeblich afrikanischen Wurzeln nähren sich aus mehreren Gemälden des schottischen Malers Allan Ramsay. Dieser porträtiert die Monarchin mit stark gekraustem Haar und – wenn man manchen Interpretationen glauben darf – afrikanischen Gesichtszügen.

Die königliche Sammlung beschreibt Ramsays Arbeit als „nahe an der Eleganz, Subtilität und Präzision der französischen Porträtkunst“, macht aber keine Aussagen über die Unterschiede in seinen Bildern zur Darstellung Charlottes durch andere Maler. Valdes ist der Ansicht, dass Ramsay – ein erklärter Gegner der Sklaverei – die wahre Charlotte zeigen wollte, während andere Maler der Konvention der Zeit gefolgt waren und „unerwünschte Züge“ abschwächten.

Desmond Shawe-Taylor, zuständig für die Pflege der königlichen Gemäldesammlung, hingegen glaubt nicht an die „schwarze Prinzessin“. Das Britische Museum besitze eine große Sammlung von Karikaturen der Königin, sagte er der Zeitung „The Guardian.“ „Keine von ihnen zeigt sie als Afrikanerin und man würde meinen, das hätten die Karikaturen gezeigt, wenn sie offensichtlich afrikanischer Abstammung gewesen wäre.“ Die Zeichner hätten dies sicher deutlich gemacht, meint er.