Adi Weiss
Ich liebe es in Italien in eine Bar zu gehen, mich an die Theke zu stellen und im Stehen ohne großes Brimborium eine Kleinigkeit... What the Duck? – Von Vögeln und Monstern!

Ach was für eine tolle Idee! Man nehme eine bisher gescheiterte Location am hippen Yppenmarkt und verpasse ihr das etwas sperrige Motto „From China to Ottakring – via Paris“, benenne das Restaurant wortverspielt „What the duck“ und hoffe, dass einem die Bobo-Klientel die Bude einrennt. Die Küchen-Richtung hat natürlich nichts mit der verpönten Spielweise „Fusion“ zu tun, sondern verbindet die Liebe der studierten Sinologin Friederike Seiler zu China mit jener zu Frankreich. Wie der überaus lustige Name schon vermuten lässt, setzt man hier ab sofort vor allem auf Geflügel, gleichzeitig aber auch auf Dim Sum in unterschiedlichsten Ausführungen. Sind die ersten Lobeshymnen auf das Lokal allesamt Enten, oder lohnt sich die Anreise nach Ottakring wirklich?

Ja, hübsch und verspielt ist das neue Innenleben des ehemaligen „Ludwig und Adele“ ja durchaus geworden. Für das idiotisch platzverschwenderisch große Stiegenhaus kann natürlich niemand etwas – außer dem Architekten – aber es fällt einem jedes Mal aufs Neue auf. Getrunken wird an der Bar im ersten Stock, gegessen im zweiten. Alles ist im wärmlich wirkenden Grünton „Marrs“ gestrichen, und das Inventar wirkt handverlesen. Neben allen tatsächlich kunstvollen Darstellungen von Enten, verirrt sich auch Disney-lastiger Kitsch zur Einrichtung, was diese dann einen Tick, Trick und Track shabbylastiger erscheinen lässt, als wahrscheinlich geplant war.

Wir starten mit Dim Sum und sind positiv überrascht, dass hier im Gegensatz zu den wohl meisten asiatischen Lokalen deutlich zwischen Wan Tans, Jiaozi und Co unterschieden wird. Manche Teigtaschen sind gebraten, andere gedämpft und wieder andere frittiert. Die kleineren kosten weniger, die großen, wie die gedämpften Baos etwas mehr. Die Füllungen hier aufzuzählen wäre wie das Vorlesen aus dem Telefonbuch, es gibt also praktisch alles. Und das inklusive Füllungen wie New York Burger, Blutwurst oder Pulled Pork. Als Teilzeit-Schülerin von Küchenprofi Christian Petz versteht es Friederike Seiler auch mit Aromen zu spielen und Dinge zusammenzuführen, die miteinander eigentlich nur wenig zu tun haben. 22 unterschiedliche Füllungen verteilen sich auf die sieben unterschiedlichen Teigtaschen-Sorten, wobei davon nur 4 vegetarisch sind. Hier zeigt sich auch der französische Einfluss der Karte, denn französische Köche sind alles andere als Vegetarier-freundlich. Auch sonst ist das fleischlose Angebot eher überschaubar. Das gilt übrigens auch für die Saucen, die zu den Teigtaschen gereicht werden, es gibt gerade einmal drei: „Mr. Duck“ mit Johannisbeere, Zwetschke, Ingwer und Erdnuss, „Mrs. Duck“ mit Kumquat, Chili und Sojasauce und „Mr. Goose“ mit Mayonnaise und Chili. Die Saucen an sich sind sehr gut, beißen sich aber mit einigen Füllungen.

Beim Geflügel wird in erster Linie auf Huhn und Ente gesetzt, wobei zu Martini auch die Gans nicht fehlen wird. Wir probierten von einer Kreation namens „Crazy Chicken“, wobei ich es persönlich sehr crazy empfand, dass das aufwändig mit Panko-Bröseln und Sesam panierte und mit Kokos, Limette und Chili marinierte Hühnerfilet nicht knusprig war, sondern einigermaßen letschert (ja, das schreibt man laut Duden so) serviert wurde. Geschmacklich war es sehr in Ordnung, wenn auch nicht weltbewegend …

Das Signature Dish von „What the Duck“ soll eine „bescheidene Hommage an Alain Passard“ sein. Also jenem französischen Spitzenkoch, der bei all seiner Genialität die Vorzüge von Ente und Huhn vereinen wollte und ein Gericht entwickelt hat, das aus je einer Enten- und Hühnerhälfte besteht, die zusammengenäht und gebraten werden. Die Gäste seines Pariser Lokals „L’Arpege“ nennen das Gericht gerne „Frankenduck“. Und auch im „What the Duck“ sieht das um stolze 36,- Euro erhältliche 50/50-Geflügel so aus, als wäre es einem Schwarzweißfilm der 1930er entflogen. Geschmacklich betrachtet schmeckt der Ententeil nach Ente und der Hühnerteil überraschenderweise nach Huhn. Eine zu intensive geschmackliche Befruchtung hat hier also nur eher bedingt stattgefunden. Wobei gegen die eigentlichen Aromen der Vögel ja nichts einzuwenden ist. Trotzdem ist dieses Signature Dish für mich eher ein Gag als ein Must-Eat.

Insgesamt ist das Lokal aber einer der spannendsten Neuzugänge in der Wiener Szene, wobei man jedoch weder von einem chinesischen noch von einem französischen Lokal sprechen kann, denn beides ist nur bedingt ausgeprägt. Und „Fusion“ sollte man nicht sagen, weil es schirch ist. Auf alle Fälle sollte man sich trauen hinzuschauen, weil es einfach überraschend, mutig und verspielt ist. Und wem dieser Ansatz zu mühsam ist, dem sage ich getrost „Duck you“!

What The Duck

Yppenplatz 4, 1160 Wien
https://www.facebook.com/whattheduckwien

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