Adi Weiss
Ich liebe es in Italien in eine Bar zu gehen, mich an die Theke zu stellen und im Stehen ohne großes Brimborium eine Kleinigkeit... Wieder Rauchzeichen am Donaukanal

Das „Feuerdorf“ am Donaukanal muss man wohl kaum mehr jemandem vorstellen. Die Grillhütten starten gerade in ihre dritte Saison, und wenn man zwischen 8 und 12 Personen beisammen hat und die Hüttenmiete bezahlt, dann steht dem Selbstgrillen nichts mehr im Weg. Naja, eine Unbekannte gibt es natürlich schon. Nein, nicht das hier zu grillende Fleisch (oder Gemüse), das ist toll! Dafür haben die Betreiber mit unterschiedlichen Paketen gesorgt. Aber nachdem man hier ohne einen Koch auskommt, muss immer einer der Teilnehmer in die Bresche springen.

Dass jeder grillen kann ist ein altes Wintermärchen. Beim Grillen kann man erstaunlich viel falsch machen, alleine schon beim zu frühen und zu brutalen Verarbeiten des Grillguts. In unserer Gruppe lag es diesmal an mir, das Fleisch beim Grillen nicht zu killen … insofern bewerte ich mich heute auch ein bisschen selbst. Wie gut, dass ich unprätentiös und sehr selbstkritisch bin.

Im Gegensatz zu anderen Lokalen, in denen man selbst Hand anlegen muss, werden im Feuerdorf nicht massenweise Beilagen gereicht die einen möglichst schnell sättigen sollen, damit weniger Fleisch verbraucht wird. Wir hatten die Zusammenstellung „Pannonien“, einen Mix aus Kalbfleisch, Schweinefleisch, Würsten und Fisch. Zu Beginn gab es lediglich einen kleinen Salat im Glas, etwas Brot und ein paar Aufstriche – alles in Ordnung. In dieser Anfangsphase habe ich das Fleisch noch etwas rasten lassen, damit es halbwegs auf Raumtemperatur kommt. Es wäre ja schade um das gute Höllerschmid-Fleisch, wenn es nur deswegen sein Aroma nicht voll entfalten könnte, weil jemand so doof war und es direkt vom Kühlschrank auf den heißen Grill gelegt hat.

Nachdem der höhenverstellbare Grill auf Betriebstemperatur war, ging es auch schon los … ganz klassisch, um die hungrigsten Mäuler in der Hütte zu stopfen. Und zwar mit marinierten Schweinskoteletts und unmariniertem Kalbstafelspitz. Nachdem die dünnen Scheiben recht schnell durch sind, war es besonders wichtig den erstmöglichen Moment zur Wende zu nutzen. Der ist ja bekanntlich dann erreicht, wenn sich das Fleisch ohne Gewalt oder Spuren vom Rost lösen lässt. Nach der ungefähr gleichen Zeit wie Seite 1 kann auch das auf Seite 2 angegrillte Fleischstück rasten, sonst wird es wieder zäh. Auf dem Grill sind dankenswerterweise einige Ablagen zum Parken des fertigen Fleisches angebracht. Gewürzt wird mit Saucen, die zu den gebuchten Paketen gereicht werden.

Eine Spur weniger „deppeneinfach“ war jedoch das Grillen von Hühnerspießen. Das lag aber weniger an den Spießen selbst, als an der Tatsache, dass die Beleuchtung der Grillfläche etwas zu wünschen übriglässt. Ich habe also hier mehr nach Gefühl gearbeitet und war dann mächtig stolz, wie saftig die Hühnerbrust-Stücke geworden sind.

Beeindruckend war natürlich auch das extra bestellte 1,3 Kilo schwere Porterhouse-Steak, von dem ich zuerst gedacht habe, dass das direkte Feuer für so ein schönes Stück Fleisch zu brutal wäre. Vor allem weil es einen wirklich schönen und großen Filetanteil hatte. Ich habe es knapp über der Glut vier Minuten auf der einen Seite und drei Minuten auf der anderen befeuert und dann sieben Minuten in Sicherheit rasten lassen. Das Ergebnis war sehr befriedigend, wobei mir dann der Filetanteil einen Hauch eines „Euzerls“ zu sehr über medium war. Aber ich kann ja jetzt kaum über den Koch meckern. Außerdem war es eh köstlich!

Zu guter Letzt – und obwohl eigentlich eh niemand mehr Hunger hatte – habe ich noch zwei wunderschöne Steckerlfische zubereitet, schlicht und einfach, weil es schade gewesen wäre, diese wunderschönen auf Holzspieße gesteckten Regenbogenforellen (glaub ich zumindest, es war ja dunkel) links liegen zu lassen. Dreimal gewendet und schon war das Fleisch herrlich glasig und die Haut knusprig. Auch das hat hier wunderbar funktioniert.

Insgesamt kann man hier wirklich seinen Spaß haben. Das Kulinarische steht dabei fast weniger im Mittelpunkt als das Gemeinschaftserlebnis. Das Fleisch ist toll, die Saucen und Beilagen sind auch in Ordnung. Aber die Gruppendynamik samt Rollenverteilung steht über alledem. Wer kocht? Wer ist der Assistent? Wer macht den DJ? Wer ist der Getränke-Beauftragte? Und um ganz ehrlich zu sein: Der Applaus, den ich am Ende für meine bescheidenen Grillkünste bekommen habe, hat wirklich gutgetan…

Feuerdorf am Donaukanal

Donaukanal-Freda-Meissner-Blau-Promenade / Abgang: Salztorbrücke Rampe, 1010 Wien
www.feuerdorf.at

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