Adi Weiss
Ja. Es geht. Es funktioniert tatsächlich, am Donaukanal zu sitzen und nach einer gewissen Zeit das Vorbeidröhnen der Autos auf beiden Seiten der Lände... Yamm!  – Immer noch yummy?

Nach fast 9 Jahren an der Seite einer Vegetarierin kann ich durchaus behaupten, dass ich mich mit dem Gedanken an vegetarisches Essen – wenn wir zu zweit sind – ziemlich angefreundet habe. Das muss ich jetzt natürlich so sagen, sonst rappelt es in der Kiste. Oder eben nicht mehr. Beides keine schönen Vorstellungen…

Den echten Vegetariern hier muss nicht erst gesagt werden, dass Wien für sie kein wahres Schlaraffenland war. Denn bis vor einigen Jahren hatte man als Fleischverzichtler die Auswahl an Beilagenvariationen (der legendäre, unessbare „Gemüseteller“ bei Plachutta) oder der Öko-Hippie-Birkenstock-Fraktion, bei deren Ausspeisungen man zwar mit ruhiger Seele, aber ohne jegliches Geschmackserlebnis speisen konnte. Ausnahmen bestätigten wie immer die Regel und bei so ziemlich jedem Italiener und sämtlichen orientalischen Lokalen gab es immer schon vegetarisch-köstliches zu essen, aber der Mensch lebt nicht von Gemüsepizza und Falafel allein. Ein Meilenstein war hier die Eröffnung des Yamm! gegenüber der Hauptuni in 2011. Wer hierher kam, war definitiv kein Öko-Hippie, alleine schon, weil das Yamm! niemals günstig war. In erster Linie bestand das Konzept des Restaurants darin, dass man sich an Buffets bedient und dann nach Gewicht zahlt. Die Küchenchefs wechselten, der Zugang blieb konstant der Selbe. Vor zwei Jahren hat dann Markus Krenn die Küche übernommen und etwas Neues eingeführt: Das Fine Dining…

Der zusätzliche neue Zugang nennt sich „Gemüsekistl a la carte“ und bietet zunächst einmal Bedienung. Das ist jetzt weniger innovativ, aber schlicht und einfach gemütlicher. Das Besondere ist natürlich die Karte selbst: hier wird weniger auf Fleischersatz, sondern vielmehr auf die eigenen Stärken der Zutaten gesetzt.

Wir starteten mit einer Burrata mit Radicchio und ligurischem Gemüse. Die Burrata selbst war mir eindeutig zu dezent, denn ich habe hier den „ geilen Wumms“ einer typischen Burrata vermisst, der durch das viel Fett darin verursacht wird. Und die typische Säure war auch nur in Ansätzen vorhanden. Die Komposition rundherum mit Gemüse und Brotchips hat dann aber die leicht zu fade Burrata fast wieder ausgeglichen.

Ausgezeichnet – wenn auch ein wenig zu salzlastig – war dann ein Avocado Tartar mit Tomaten, Pesto und Sprossensalat. Der Tartar war perfekt rund abgeschmeckt und die Frucht hatte noch dazu jene „Geilheit“, die der Burrata gefehlt hatte. Großartig war beim Tartar außerdem ein gebackenes Wantan mit geräucherter Melanzani als knuspriger Kontrast.

Als Zwischengang folgte eine Erbsen-Minz-Suppe, wobei der geschmackliche Fokus eindeutig auf den Erbsen lag und die Minze mehr Mitarbeiter war. Die Suppe war herrlich rund und das Highlight war ein kleines Soja-Butterschnitzerl, dessen Biss und Geschmack einfach nur Spaß gemacht hat, ohne gleich suggerieren zu wollen, dass es sich um Fleischersatz handelt.

Durchaus spannend war danach eine Paella mit Artischocken und Safranschaum. Der Reis war saftig und bissfest gleichzeitig und die Artischocken ein herrlicher Ersatz für alles Tierische. Nur die nicht auf der Karte Speisekarte erwähnten schwarzen Oliven – die klassisch nicht in eine Paella gehören – haben wir als störend empfunden.

Gelungen und rund war auch das Eierschwammerlgulasch mit frischen großen Rahm-Nockerln. Auch hier konnten wir uns der Vermutung nicht entziehen, dass hier durchaus großzügig gesalzen wurde. Wobei ich jetzt aber insgesamt sagen muss, dass keines der Gerichte versalzen war, nur dezent ist eben anders.

Die Nachspeisen waren allesamt traumhaft, vor allem die Zitronengras-Creme Brulee samt Limetten-Brownie und Kirsch-Kardamom-Sorbet haben es mir angetan.

Insgesamt hat mich mein Besuch im Yamm! zu keinem Zeitpunkt Fleisch vermissen lassen. Beim Verlassen des Lokals war ich vollkommen zufrieden und bei meiner vegetarischen besseren Hälfte war es sowieso so. Das gesetzte Diner im Yamm! ist eine tolle Idee und ich kann es nur jedem – Vegetarier oder nicht – nur ans Herz legen. Außer natürlich man ist auf einer salzarmen Diät…

Yamm!
Universitätsring 10, 1010 Wien
www.yamm.at

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