Die Falle der Naturkosmetik

Naturkosmetik findet sich immer öfter auf unserer Haut. Häufig ist uns allerdings nicht bewusst, was wir uns da ins Gesicht schmieren. Kosmetik-Hersteller werben mit natürlichen Inhaltsstoffen, doch nicht alles, was grün aussieht, ist es auch.

Greenwashing steht auch in der Kosmetik-Industrie hoch im Kurs. Konzerne nützen es aus, dass der Begriff „Naturkosmetik“ gesetzlich nicht geschützt ist.

Die häufigsten Fallen, die man uns stellt:

  • Die großen No-Gos wie Parabene, Mineralöle oder Konservierungsstoffe werden durch unbekannte Inhaltsstoffe ersetzt. Die schädlichen Auswirkungen bleiben dieselben.

  • Die Aufschrift „95 Prozent natürliche Inhaltsstoffe“ ist manchmal trügerisch, denn viele Produkte bestehen zu achtzig oder neunzig Prozent aus Wasser.

  • Eigens erfundene Siegel lassen einen glauben, zertifizierte Naturkosmetik zu kaufen.

  • Auf den Verpackungen ist ganz groß eine Avocado, ein Granatapfel oder Olivenöl abgebildet. Enthalten sind aber nur Spuren davon, dafür umso mehr synthetische Stoffe.

Wir haben uns von der Chemikerin Dr. Doris Brandhuber aufklären lassen, worauf man bei Naturkosmetik achten soll und auf welche Siegel man vertrauen kann.

Ratgeber für Naturkosmetik

„Zuerst muss man zwischen Naturkosmetik und Bio-Kosmetik unterscheiden“, erklärt Dr. Brandhuber. Hier gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Umweltverträglichkeit aller Bestandteile und der Verpackung.

Seriöse Biokosmetik muss energiesparend und ohne Tierversuche produziert werden. Hier spricht man von „Green Chemistry“. Auch muss ein Mindestanteile an kontrolliert biologisch angebauten Pflanzen enthalten sein.

Die Vorschreibungen werden für jede neue Rezeptur und mindestens einmal jährlich vor Ort in einem Audit durch unabhängige Kontrollore geprüft.

Um diese Vorschreibungen auch für den Konsumenten sichtbar zu machen, gibt es anerkannte Zertifizierungen, wie Natrue oder Cosmos. Dr. Doris Brandhuber

Das Cosmo-Siegel steht beispielsweise genau für das, was wir eigentlich von Naturkosmetik erwarten. Nur Öle und Anteile aus Pflanzen kommen in Tiegel und Tube. Mineralöle, Silikone, synthetischen Duftstoffe oder Konservierungsstoffe wie Parabene müssen draußen bleiben.

Ätherische Öle in der Naturkosmetik

Ätherische Öle werden durch Wasserdampf-Destillation von Pflanzen und Blüten gewonnen. Bei dieser Herstellung lösen sich die enthaltenen Stoffe und Öle, aber auch die Pestizide und Herbizide, sofern welche beim Anbau verwendet wurden.

Wer keine Chemie auf seiner Haut haben möchte, sollte darauf achten, woher die Pflanzen für Kosmetik-Produkte stammen. Es braucht geschützte Anbaugebiete, fernab von Straßen und Flughäfen, die ohne Einsatz von Agrarchemikalien auskommen.

„Nur biologisch, nachhaltiger Anbau oder kontrollierte Wildsammlung können das garantieren“, sagt Dr. Brandhuber. Sie weiß, wovon sie spricht, da sie selbst die Bio-Kosmetik-Linie „Less is More“ gegründet hat.

Haltbarkeit von Naturkosmetik

In der Naturkosmetik gibt es mittlerweile ausgezeichnete Konservierungssysteme, die eine ausreichende Haltbarkeit garantieren, erklärt die Chemikerin.

Eine gute Konservierung ist wichtig, da verkeimte Produkte die Haut und Schleimhäute stark reizen können. Daher Finger weg von sogenannter Frischekosmetik ohne Konservierung, rät Doris Brandhuber.

Neben dem Schutz vor Mikroorganismen sollten die wertvollen, empfindlichen Pflanzenwirkstoffe auch mit Antioxidantien wie zum Beispiel Tocopherol geschützt sein. Damit die Inhalte durch den Sauerstoff nicht oxidieren.

Um die optimale Frische zu gewährleisten, empfiehlt sich, Produkte nach der Anwendung immer gut verschließen und nicht zu großer Hitze oder Sonne aussetzen. Umgekehrt gehört Naturkosmetik auch nicht in den Kühlschrank. Und möglichst rasch aufbrauchen, spätestens innerhalb von neun Monaten.

Watch next