Adi Weiss
Ein Rockstar sei er nicht, behauptet Elvis Costello. „Auf meiner Visitenkarte steht nicht „Rockstar“. Ich bin nur ein Musiker“, sagte er „Rolling Stone“. Damit... Musiker Elvis Costello wird 65

Ein Rockstar sei er nicht, behauptet Elvis Costello. „Auf meiner Visitenkarte steht nicht „Rockstar“. Ich bin nur ein Musiker“, sagte er „Rolling Stone“. Damit überzeugt er niemanden mehr: Sogar die Queen ehrte ihn. Doch angeblich hat Costello nur seiner Mutter zuliebe den Titel angenommen. Am 25. August feiert er seinen 65. Geburtstag.

Eigentlich konnte Costello gar nicht anders als in der Musikindustrie zu landen: Seine Eltern lernten sich in einem Plattenladen kennen, der Vater sang im Joe Loss Orchestra, und sein Großvater unterhielt die Kreuzfahrtpassagiere zwischen Liverpool und New York mit der Trompete. Von seinem Vater klaute er sich den zweiten Teil seines Künstlernamens, von Elvis Presley den ersten, als er bei der legendären New Wave-, Punk-und Ska-Brutstätte Stiff Records unterschrieb. Eigentlich heißt er Declan Patrick MacManus.

Die Intellektuellen-Brille ist sein Markenzeichen geworden, obwohl er sie anfangs nur trug, um von seiner großen Nase abzulenken. Rebellisch, wütend, begann Costello die Energie von Punk in melodische Lieder zu leiten. New Wave war geboren.

Doch Elvis Costello war bald nicht mehr zufrieden mit dem Label, weil es sein erfolgreiches Debütalbum „My Aim is True“ nicht in den USA herausbringen wollte. Deshalb stellte er sich wie ein Straßenmusiker ? so geht die Sage ? bei einer Londoner Managementversammlung von CBS Records vor die Tür und spielte sein Album, was ihm kurz danach einen Plattenvertrag mit den Amerikanern einbrachte. „My Aim is True“ kletterte dort in den Charts nach oben, als er Ende 1977 nach einem frechen Auftritt von der berühmten „Saturday Night Live“-Show verbannt wurde.

In seinen Memoiren „Unfaithful Music ? Mein Leben“ erinnerte er sich noch gut, unter welchen Bedingungen er eine seiner ersten Singleauskoppelungen schrieb ? den Song „Alison“: Er lebte damals mit seiner ersten Frau und seinem kleinen Sohn in einem Vorort und verdiente 30 Pfund pro Woche mit einem Computerjob. Und „Pump It Up“ – ein Lobgesang auf die Dekadenz des Rock’n’Roll ? schrieb er auf Hotelbriefpapier auf einer Feuerleiter in Newcastle.

Als sein erstes Album einschlug, ließ er nichts aus ? Sex, Drogen – und ruinierte damit seine Ehe, wie er in seinen Memoiren zugab. „Der einzige Grund, über ein Leben im Showbusiness zu schreiben, besteht darin, auf die Absurdität des Ganzen hinzuweisen“, sagte er dem „Guardian“. „Denn nur sehr wenig hat Konsequenzen.“ Seine Spoken-Word-Version der Autobiographie wurde 2017 für einen Grammy nominiert.

Costellos Stimme ist unverkennbar ? wie ein Instrument. „Ich denke, wenn du die Songs kennst, dann passt sich deine Stimme an“, sagte er dem „Telegraph“, „sie findet leichter die Aussparungen.“

Er ist selbstbewusst, leicht theatralisch und unterhaltsam ? und vor allem ein musikalisches Chamäleon: Nach seinen New-Wave-Hits in den Siebzigern wandte er sich nicht nur Country, Jazz und Swing zu, sondern versuchte sich auch mit dem Brodsky Quartett an Klassik in den Neunzigern. Er arbeitete mit Berühmtheiten wie Paul McCartney, Burt Bacharach, Allen Toussaint, der Opernsängerin Anne Sofie von Otter und der Hip-Hop-Band The Roots zusammen.

Dabei scheute er auch nicht davor zurück, persönlich zu werden: Sein Album „North“ dokumentierte das Ende seiner zweiten Ehe mit der früheren Pogues-Bassistin Cait O’Riordan und den Beginn seiner Romanze mit der preisgekrönten Jazz-Sängerin Diana Krall. Mit ihr lebt er inzwischen im kanadischen Vancouver ? 2006 kamen ihre Zwillingssöhne auf die Welt.

Vor einem guten Jahr sagte Costello die verbleibenden Konzerte seiner Europa-Tour ab, da er sich immer noch von der Operation eines „kleinen aber extrem aggressiven Krebsgeschwürs“ erholte, wie er damals mitteilte. Mit seinem Album „Look Now“ schaffte er danach ein überzeugendes Comeback. Er arbeitete dafür mit Burt Bacharach („Raindrops Keep Falling On My Head“) und der erfolgreichen US-Songwriterin Carole King zusammen. Selbstbewusster, polierter Pop mit elegant gezähmter Wildheit ? die Kritiker sind begeistert nach der fünfjährigen Pause seit „Wise Up Ghost“ mit der Hip-Hop-Band The Roots.

Begleitet wird er von seinen langjährigen Weggefährten „The Imposters“, mit denen er schon in den Siebzigern und Achtzigern in leicht veränderter Besetzung zusammenspielte ? damals unter dem Namen „The Attractions“. Im Oktober und November wird er wieder mit ihnen in den USA touren.