Adi Weiss
Er hat schon fast alles gemacht in seiner 50-jährigen Solo-Karriere. Jetzt liefert Rod Stewart ein Album mit Hits inklusive Orchester-Zuckerguss ab. Demnächst soll noch... Rod Stewart wird "sentimental, wenn das Orchester loslegt"

Er hat schon fast alles gemacht in seiner 50-jährigen Solo-Karriere. Jetzt liefert Rod Stewart ein Album mit Hits inklusive Orchester-Zuckerguss ab. Demnächst soll noch eine Country-Platte hinzukommen. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur gibt sich die britische Pop-Legende wie so oft augenzwinkernd-humorvoll.

Frage: Mr. Stewart, im vergangenen Jahr haben Sie mit „Blood Red Shoes“ Ihr 30. Studioalbum veröffentlicht. Nun erscheint das orchestrale „You“re In My Heart“. Sind Sie derzeit am produktivsten?

Antwort: Mit diesem Album hatte ich kaum etwas zu tun. Es sind die Originalsongs, veredelt durch das Royal Philharmonic Orchestra. Es wurde alles für mich gemacht – von meinem Produzenten-Freund Trevor Horn. Ich habe nicht mal den kleinen Finger dafür gerührt.

Frage: Fühlen Sie sich wenigstens schlecht dabei, faul zu sein?

Antwort: Nein, denn ganz so faul bin ich dann doch nicht. Ich mache Werbung für die Platte. Das ist mein Beitrag dazu.

Frage: Fühlen sich die Songs für Sie anders an, wenn sie von einem Orchester gespielt werden?

Antwort: Oh ja. Die Streicher geben den Liedern eine andere Farbe. Wenn das Orchester loslegt, stimmt mich das richtig sentimental. Die Stücke stammen ja aus den 70ern, 80ern und 90ern. Und dann ist noch der neue Track „Stop Loving You Today“ aus der Feder von Simon Climie enthalten und ein Duett mit Robbie Williams. Ich bin da schon auch stolz drauf.

Frage: Wie kam es zum Duett mit Williams?

Antwort: Er hat so lange rumgenervt, bis ich Ja gesagt habe! Er meinte, er hätte da diesen Weihnachtssong „Fairytales“ für seine Platte, und er würde sich geehrt fühlen, wenn ich den mit ihm singen würde. Das tat ich, und es klang gut. Dann sagte ich: „Du schuldest mir was. Lass uns „It Takes Two“ zusammen machen.“ Das ist der alte Song von Marvin Gaye und Kim Weston, den ich schon mal 1990 mit Tina Turner aufgenommen hatte.

Frage: Waren Sie mit Williams gemeinsam im Studio?

Antwort: Nein, so arbeiten wir nicht mehr. Wir sind beide zu beschäftigt. Wir nahmen unseren Gesang getrennt voneinander auf.

Frage: Was verbindet Sie?

Antwort: Fußball! Immer wieder Fußball. Wir haben schon einige Male zusammen gespielt. Robbie ist kein enger Freund von mir, aber ich halte ihn für einen guten Jungen. Sie wissen, dass Robbie alles, was er weiß und kann, von mir gelernt hat, oder? Kleiner Scherz.

Frage: Sie treten auch beide in Las Vegas auf.

Antwort: Moment! Ich weiß ja nicht, ob Robbie seine Vegas-Termine schon hinter sich gebracht hat. Aber mein Engagement läuft noch einige Jahre weiter. Ich mache Vegas drei Mal im Jahr mit jeweils zehn Shows. Ich bin jetzt bei Show Nummer 157.

Frage: Wie bringen Sie sich in Weihnachtsstimmung?

Antwort: Dafür gibt es keinen Knopf zum Drücken. In einem Moment fühle ich mich sehr weihnachtlich, im nächsten will ich nichts mehr davon wissen.

Frage: Welche Musik hören Sie zum Fest?

Antwort: Die eigene. Wir legen immer mein Weihnachtsalbum auf. Meine ganze Familie liebt die Platte.

Frage: Derzeit werden Sie auch bewundert für Ihre Modelleisenbahnanlage, an der Sie 23 Jahre werkelten. Welche Langzeitpläne haben Sie dafür?

Antwort: Ich werde nicht für immer in Los Angeles leben. Und ich werde nicht ewig auf diesem Planeten sein. Also hätte ich gerne jemanden, der sie übernimmt und etwas Sinnvolles damit anstellt. Ein Museum oder eine Ausstellung wären toll. Aber Modelleisenbahnen sind nicht einfach zu transportieren, denn alles ist fest installiert. Es haben dennoch schon einige Leute Interesse bekundet. Ich werde die Optionen prüfen. Es ist eine schöne Vorstellung für mich, wenn meine Arbeit eines Tages von der ganzen Welt gesehen werden kann.

Frage: Wie füllen Sie nun die Zeit, wenn Sie nicht mehr basteln und kleben müssen?

Antwort: Da sagen Sie was! Die Bahn zu bauen, hat einen großen Teil meiner Lebenszeit vereinnahmt. Ich hatte einfach so viel Spaß daran. Wo das nun vorbei ist, habe ich wieder angefangen, mehr Songs zu schreiben. Ich bin gerade sehr produktiv. Nach diesem Album werde ich ein Country- und Folk-Album aufnehmen.

Frage: Ist es Ihnen wichtig, noch mal eine andere Seite von sich zu zeigen?

Antwort: Absolut. Ich habe ja alles andere gemacht. Das American Songbook. Ein Weihnachtsalbum. Ein Blues-Album. Ein Orchester-Werk. Und Country-Songs sind quasi meine zweite Natur. Mit den großen Country-Künstlern bin ich aufgewachsen, deswegen habe ich mit 16 angefangen zu singen.