Adi Weiss
Im Beisein des Künstlers Daniel Spoerri feiert am Freitag Anja Salomonowitz‘ ungewöhnlicher Künstlerfilm „Dieser Film ist ein Geschenk“ im Wiener Stadtkino im Künstlerhaus seine... Spoerri identifiziert sich nicht mit Film über ihn

Im Beisein des Künstlers Daniel Spoerri feiert am Freitag Anja Salomonowitz‘ ungewöhnlicher Künstlerfilm „Dieser Film ist ein Geschenk“ im Wiener Stadtkino im Künstlerhaus seine Kinostartpremiere. „Den Film habe ich schon wieder vergessen“, sagt der 89-jährige Spoerri im APA-Interview. „Ich identifiziere mich weder mit dem Film noch mit dem Gefilmt-Werden, damit sowieso nicht.“

Dabei ist der Film ebenso respekt- wie liebevoll gemacht. Er ist ein Dankeschön dafür, dass die Regisseurin ein Spoerri geschenktes, rotes Porzellanherz ihres verstorbenen Vaters vom Künstler als Teil eines Kunstwerks wieder zurückbekam. Das Konzept des Films ist zunächst sehr einfach: Die Kamera sieht Spoerri im Atelier bei der Arbeit zu. „Der Film könnte auch heißen: Daniel Spoerri bastelt. Oder: Daniel Spoerri macht ein Werk“, ist die Stimme der Regisseurin zu hören. Darauf angesprochen, runzelt Spoerri freilich die Stirn: „Das Wort Basteln ist nicht mein Lieblingswort. Ich nenne mich selten Bastler.“

Dennoch kommt der Film dem Objektkünstler und Erfinder der Eat-Art sehr nahe. „Ursprünglich haben wir gesagt, so zehn Minuten. Aber wenn man den kleinen Finger hingibt, werden es plötzlich 72 Minuten. Vielleicht ist es besser, als hätte man sich von vornherein diese Länge vorgenommen. Es hat sich alles ergeben – was immer besser ist, als wenn man etwas will.“ So geht es dem Künstler, der in Wien praktischer Weise direkt neben dem Flohmarkt wohnt, auch mit den unzähligen Gegenständen, die sich in seinen Lagern ansammeln. „Ich sammle nicht etwas Bestimmtes. Manchmal suche ich etwas, und oft sehe ich einfach ein Objekt, das mir aus irgendeinem Grund gefällt. Ich glaube, es ist einfach Neugierde. Man lernt auf diese Weise auch.“

In Regalen, Körben und Schachteln liegen Werkzeuge, Küchengeräte, Puppenköpfe, Gläser, Kochlöffel und Kämme bereit, um von Spoerri zu Assemblagen arrangiert zu werden. Im Film ist der zehnjährige Oskar Salomonowitz, der Sohn der Regisseurin, an Spoerris Seite – als Gesprächspartner, junger Assistent und manchmal auch als Double. „Mit ihrem Sohn, das war eine lustige Idee. Der Sohn hat mir imponiert, weil er es sehr ernsthaft gemacht hat. Und als ich ihm einmal gesagt habe: Das hast Du aber gut gemacht, hat er geantwortet: Ich wurde ja auch dafür bezahlt!“, schmunzelt der Künstler: „Das fand ich schön.“

Die Filmpremiere wird vom Stadtkino Filmverleih gemeinsam mit der Schweizerischen Botschaft ausgerichtet. In die Schweiz war der im rumänischen Galati Geborene als 12-Jähriger zusammen mit seiner Mutter und mehreren Geschwistern vor der NS-Verfolgung geflüchtet, die seinen Vater das Leben kostete. In Zürich adoptierte ihn sein Onkel, wodurch aus Daniel Isaac Feinstein Daniel Spoerri wurde. „Merkwürdiger Weise empfinde ich mich nicht als Schweizer, trotzdem sind alle meine Freunde Schweizer. Ich bin ein Auslandsschweizer, der aus eigenem Willen nicht in der Schweiz wohnt. Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zur Schweiz. Meine Jugend war viel mehr vom Jüdischsein geprägt.“ Paris, New York und die Toskana waren weitere prägende Lebensstationen Spoerris, der seit 2007 in Wien lebt und 2009 zwei Häuser am historischen Hauptplatz von Hadersdorf am Kamp als Ausstellungs- und Begegnungsstätte neu belebte.

Am 11. Dezember gibt es im Stadtkino um 19.30 Uhr ein Gespräch mit dem Künstler. Der Gedanke daran scheint ihm ähnlich unbehaglich zu sein wie die Vorstellung, es könnte zu seinem 90er am 27. März ein größeres Brimborium veranstaltet werden: „Ich glaube, dass gar nichts Bedeutendes aus mir geworden ist. Ich bin auch kein Spezialist im Sinne von irgendetwas. Ich mache nur, was ich meine, machen zu müssen von Tag zu Tag.“ Und wie bei vielem, was er mit treuherzigem Blick und verschmitztem Lächeln erzählt, kann man nicht völlig sicher sein, wie ernst er das tatsächlich meint.

(S E R V I C E – „Dieser Film ist ein Geschenk“, Kinostartpremiere am 6.12., 19 Uhr, im Stadtkino im Künstlerhaus, http://stadtkinowien.at/film/1136)