Adi Weiss
Opernlegende Placido Domingo wird von mehreren Frauen sexuelle Übergriffigkeit im Gegenzug für ein berufliches Fortkommen vorgeworfen. Insgesamt acht Frauen erheben gegenüber der Nachrichtenagentur AP... Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Placido Domingo

Opernlegende Placido Domingo wird von mehreren Frauen sexuelle Übergriffigkeit im Gegenzug für ein berufliches Fortkommen vorgeworfen. Insgesamt acht Frauen erheben gegenüber der Nachrichtenagentur AP derlei Vorwürfe. Der 78-Jährige weist die Vorwürfe in einem der dpa vorliegenden Statement indes zurück. Domingos Einsatz in Salzburg kommende Woche soll laut Festspielen nicht betroffen sein.

„Die Anschuldigungen dieser ungenannten Personen, die bis zu dreißig Jahre zurückliegen, sind zutiefst beunruhigend und – so wie sie dargestellt werden – unzutreffend“, erklärte Domingo in seiner Stellungnahme. Es sei schmerzhaft zu hören, dass er jemanden verletzt haben könnte oder Unwohlsein verursacht habe, so Domingo weiter. „Ich habe geglaubt, dass all meine Handlungen und Beziehungen immer gewünscht und einvernehmlich waren.“ Er erkenne jedoch an, dass sich heutige Regeln und Standards von denen der Vergangenheit unterschieden.

Laut AP berichten die betroffenen Sängerinnen und Tänzerin von Umarmungen, von Küssen auf den Mund, von nächtlichen Telefonanrufen und davon, dass Domingo auf private Treffen gedrängt habe. Habe man sich den Avancen verweigert, habe dies negative Folgen für die Karriere gehabt. Die betroffenen Frauen äußerten sich mit Ausnahme der Mezzosopranistin Patricia Wulf anonym. Die angeblichen Übergriffe reichen demnach bis zu drei Jahrzehnte zurück.

Ungeachtet der aktuellen Vorwürfe soll der geplante Einsatz von Domingo in der konzertanten Fassung der „Luisa Miller“ am 25. und 31. August bei den Salzburger Festspielen ungefährdet sein. Darüber sei sich das Direktorium einig, so Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in einem der APA vorliegenden Statement. Sie kenne den Sänger seit mehr als 25 Jahren: „Zu seiner künstlerischen Kompetenz hat mich von Anfang an sein wertschätzender Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Festspiele beeindruckt.“ Als Juristin gelte für sie der Grundsatz „In dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten, Anm.). „Ich fände es sachlich falsch und menschlich unverantwortlich, zum derzeitigen Zeitpunkt endgültige Urteile und darauf beruhende Entscheidungen zu fällen“, so Rabl-Stadler.

Placido Domingo blickt auf eine lange Karriere als einer der führenden Tenöre des 20. Jahrhunderts zurück. Große Erfolge feierte er als einer der „Drei Tenöre“ zusammen mit Luciano Pavarotti und Jose Carreras. Vor einigen Jahren wechselte der Spanier ins Baritonfach. Als Dirigent leitete er mehr als 500 Opernaufführungen und Konzerte und ist seit 2003 Generaldirektor der Oper von Los Angeles.