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Ist Lil Miquela die neue Bella Hadid?

Digitale Supermodels feiern Hochsaison

© Instagram/ Shudu.gram

Sie sind schön, erfolgreich und nicht real: Die neuen Supermodels rund um Shudu, Noonoouri und Miquela begeistern derzeit die Modewelt. Das Besondere? Sie sind digitale Avatare. Doch auch kritische Stimmen werden laut.

Nicht nur der Coronavirus und der Lockdown sind Schuld, dass digitale Supermodels derzeit einen großen Hype erleben. Denn die Avatare waren schon seit Jahren da. Aber durch den Lockdown und auch durch die noch immer eingeschränkte Reisefreiheit mussten namhafte Marken auf reale Models für ihre Kampagnen verzichten.

Man kann nicht mehr für einen Job schnell quer durch die Welt fliegen. Gut, dass die neuen Topmodels mit einem Computerprogramm erstellt werden und somit trotzdem auf der ganzen Welt verfügbar sind. Das trifft auch den populären und wichtigen Aspekt der Nachhaltigkeit.

Fast wie du und ich

Jörg Zuber, der Schöpfer vom Supermodel Noonoouri gibt zu, dass die Corona-Krise die Hemmschwelle großer Unternehmen gegenüber den Avataren gesenkt habe. Was die digitalen Models außerdem so erfolgreich macht? Über ihre Social Media Kanäle geben sie ihre Persönlichkeit preis. Sie sehen also nicht nur aus wie Menschen, sie verhalten sich auch so.

Sie unternehmen zum Beispiel Dinge mit digitalen ‚Freunden’, machen Reisen, musizieren und setzen sich für Menschenrechte oder die #BLM Bewegung ein. Was sie dann doch wieder von Menschen unterscheidet: Sie werden niemals müde oder hungrig und sehen garantiert immer perfekt aus.

Balmain als Trendsetter?

Balmain-Chefdesigner Oliver Rousteing liebt es neue Dinge auszuprobieren und damit die Millenials zu begeistern. Deshalb hat er sich mit dem ehemaligen Modefotografen Cameron-James Wilson zusammengetan und die sogenannte „Virtual Army“ geschaffen.

Sie besteht aus dem bereits etablierten Avatar Shudu Gram aus Südafrika und ihren zwei neuen Kolleginnen Margot aus Frankreich und Zhi aus China. Für die drei Supermodels hat Wilson sogar seine eigene Model-Agentur „The Diigitals“ für ausschließlich digitale Models gegründet.

Nicht nur Kampagnen, sondern auch die letzte Show der Balmain Cruise Collection liefen virtuell ab. Dadurch wird es einer breiteren Masse ermöglicht, die Kollektionen zu sehen. Reale Topmodels waren auch hier nicht zu sehen, stattdessen trugen gesichtslose Avatare die Kleidungsstücke.

 

Ist das digitale Supermodel die Zukunft?

Unumstritten sind die Avatare aber nicht. Die berechtigte Sorge entsteht, ob sie denn tatsächlich einmal ein Supermodel wie Gisele Bündchen oder Kendall Jenner ablösen könnten.

Die beiden Insiderinnen der Fashion Branche Doreen Small, Rechtsanwältin in New York und Sara Ziff, Gründerin der gemeinnützigen Organisation Model Alliance sehen bereits eine große Gefahr. Denn: Models werden vermehrt von ihren Agenturen dazu gedrängt, 3D Bodyscans erstellen zu lassen und die Rechte daran abzutreten. Laut Wilson könnte man mit solchen Scans die Models immer und überall mit einem Computerprogramm „arbeiten“ lassen.

Zu wissen, dass sich Frauen mit Frauen vergleichen, die im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich sind, scheint mir wie ein Scherz, der einfach nicht wirklich lustig ist. Renee Englen, Psychologin

Eine weitere Gefahr stellt sich vor allem jungen Instagram-Userinnen. Psychologen warnen, dass eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körperbildes auftreten kann, wenn man sich schon in jungen Jahren nur mit unrealen Körpern vergleicht und sich ein digitales Supermodel als Vorbild nimmt.

Das sind die digitalen Supermodels

Noonoouri

Noonoouri ist nicht nur wunderschön, sie weiß auch genau was sie will: nämlich Model sein für große Designer wie Jacquemus, Gucci und Versace. Die fiktive 18-Jährige postet aufgrund dessen konstant hübsche Fotos und Kampagnenbilder von sich in der hippen Kleidung für ihre 363.000 Follower.

Auch Parfüms haben es ihr angetan. Gesicht für Jil Sander Sun und Miu Miu war sie bereits. Inspiriert wurde das digitale Supermodel von Naomi Campbell und Kim Kardashian. Hinter dem Charakter steckt das deutsche Unternehmen Opium von Jörg Zuber. 

Lil Miquela

Die Brazilianerin Miquela Sousa überzeugt mit ihren Sommersprossen, ihrer süßen Zahnlücke und der frechen Frisur mit Micro-Pony. Das Model ‚lebt’ in Los Angeles und setzt sich auf ihrem Instagram-Account mit 2,6 Millionen Followern für Feminismus, Transgender-Rechte und dem #blacklivesmatter-Movement ein.

Ihr Style besticht durch lässige, urbane Looks – ihre liebsten Marken sind Supreme, Vetements und Prada. Für Letzteres übernahm sie 2018 sogar den Instagram-Account während der Fashion Week. Kurz danach wurde der Avatar sogar zur Muse von Makeup-Artist Pat McGrath. Damit trat sie in die Fußstapfen wahrer Supermodels wie Hailey Baldwin.

Neben dem modeln ist Miquela außerdem im Musikbusiness erfolgreich. Ihr Song Not Mine war 2017 sogar in den Spotify Top Ten.

Shudu Gram

Die Südafrikanerin wurde vom ehemaligen Fotograf Cameron-James Wilson geschaffen. Nachdem er bereits Topmodels wie Gigi Hadid vor der Linse hatte, entschied er sich, lieber am Computer sein eigenes Supermodel zu erschaffen.

Sie ist leider kein echtes Model, aber sie repräsentiert viele echte Models heutzutage. Es gibt gerade eine große Bewegung mit dunkelhäutigen Models, und sie repräsentiert sie und ist von ihnen inspiriert. Cameron-James Wilson, ehem. Modefotograf und Schöpfer von Shudu Gram

Shudus high-fashion Gesicht begeistert auf Instagram hunderttausende Follower. Die wussten übrigens monatelang nicht, dass die schöne Afrikanerin gar nicht real ist.

Berühmt wurde sie dank Rihanna, die das digitale Supermodel mit einem ihrer Fenty Beauty Lippenstiften postete. Danach folgten Deals mit Balmain und zahlreiche Magazincover.

Newcomerin Brenn Gram

Neben Shudu Gram schuf Wilson noch zahlreiche weitere Models. Eine sticht dabei besonders ins Auge: Brenn. Die digitale Schönheit ist nämlich der erste curvy Avatar. Gemeinsam mit Shudu erobert sie gerade die Fashion-Branche.

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