Umstritten, aber beliebt: Der Dunning-Kruger-Effekt
Der Dunning-Kruger-Effekt ist psychologisches Phänomen, das die Tendenz beschreibt, dass Menschen mit wenig Wissen sich oft selbst überschätzen. Der Effekt besagt, dass Menschen in einem bestimmten Bereich ihre Kompetenzen oft zu hoch einschätzen, weil ihnen nicht bewusst ist, wie viel sie tatsächlich nicht wissen.
Während der Dunning-Kruger-Effekt von einigen Fachleuten belächelt oder umstritten wird, hat er in der Öffentlichkeit eine große Fangemeinde. Jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass jemand, der wenig Ahnung von einem Thema hat, sich selbst für einen Experten hält.
Der Effekt beruht darauf, dass Menschen generell Schwierigkeiten haben, ihr eigenes Wissen, ihre Fähigkeiten oder ihre Leistung realistisch einzuschätzen. Selbst wenn sie wenig Fachwissen haben, glauben über 90 Prozent der Menschen, überdurchschnittlich gut in einem Bereich zu sein. Dies kann zu unsinnigen Entscheidungen führen. "Die am lautesten schreien, sind meist die mit der wenigsten Ahnung", fasst der Sozialpsychologe Hans-Peter Erb das Phänomen gegenüber "ntv" treffend zusammen.
"Der Narr meint, er sei weise, doch der weise Mann weiß, dass er ein Narr ist." William Shakespeare
Forschungen haben gezeigt, dass bereits geringes Fachwissen zu deutlichen Dunning-Kruger-Effekten führen kann. Ein wenig Erfahrung genügt, und das Ego überholt die Leistung. Selbstüberschätzung stärkt jedoch auch das Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Von sich überzeugte Unwissende kommen im Beruf oft weiter als klügere Tiefstapler. Dies liegt auch daran, wie sie auf andere wirken: Selbstüberschätzer werden oft als besonders kompetent und entschlussfreudig wahrgenommen.
Es ist wichtig, sich selbst immer wieder klarzumachen, dass man sich in vielen Bereichen leicht selbst überschätzt. Menschen in anderen Kulturen gelingt dies oft besser. In Japan beispielsweise neigen die Menschen dazu, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen, was sie motiviert, sich stetig zu verbessern.