Kommentar

ESC: Rhetorik der Ausgrenzung ist ein Tabubruch

Yuval Raphael
Die israelische Teilnehmerin Eden Golan in Malmö 2024. Sie wurde Opfer von antisemitischem Mobbing und erhielt sogar Morddrohungen © Gettyimages.com

Boykotte auf dem Feld der Kultur sind kein Ausdruck moralischer Haltung, sondern ein Akt der Spaltung. Israels Teilnahme am Song Contest überhaupt in Frage zu stellen, ist nicht nur beschämend, sondern auch gefährlich. Für mich steht fest: Ohne Israel, ohne mich. Ein Kommentar von Anna Dobler.

Dass nach Irland und Spanien nun auch die Niederlande mit einem Boykott des Eurovision Song Contest drohen, sollte Israel im kommenden Jahr in Wien teilnehmen, ist mehr als beschämend. Der ESC war immer als unpolitische Bühne gedacht, ein Ort, an dem Musik die Menschen verbindet, statt sie zu trennen. Und jetzt wird plötzlich an der Grundidee des Wettbewerbs gerüttelt!

Gerade Österreich hat eine besondere historische Verantwortung. Unsere Geschichte verpflichtet uns, jeder Form der Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten. Wer Israel die Teilnahme an einem europäischen Kulturereignis absprechen will, bewegt sich auf einem gefährlichen Pfad. Hier geht es nicht um Kritik an einer Regierung, sondern um das Stigmatisieren eines ganzen Landes. Denn was man in der ganzen Aufregung nicht vergessen darf: Israel hat den Krieg nicht begonnen, Israel war nicht der Aggressor. 

Der ESC findet 2026 in Wien statt © ESC

Boykotte auf dem Feld der Kultur sind kein Ausdruck moralischer Haltung, sondern ein Akt der Spaltung. Sie beschädigen die Idee Europas, sie untergraben das verbindende Prinzip des Eurovision Song Contest. Und sie setzen einen Präzedenzfall, der das Tor für immer neue Ausgrenzungen öffnet. Für mich steht daher fest: Ohne Israel, ohne mich. 

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