Kampf in der Gesellschaft
Genau das lässt einen die Gesellschaft jedenfalls manchmal glauben und Frauen werden in Frage gestellt, die sich bewusst für ein Leben ohne Kinder entscheiden. „Na, wann kommt denn endlich der Nachwuchs?“, „Du wirst deine Entscheidung irgendwann bereuen.“ „Es liegt doch in der Natur einer Frau Kinder zu bekommen.“ Sind nur ein paar der Sätze die kinderlose Frauen ab ungefähr 30 Jahren um die Ohren geworfen werden – und das ohne nach einer Meinung zu ihrer aktuellen Lebenssituation gebeten zu haben.
Ein Eingriff in die Privatsphäre, anmaßend und manchmal auch übergriffig. Abgesehen davon, dass die Menschen meist nicht wissen, ob die Frau ihnen gegenüber vielleicht schwanger werden möchte und es ihr bei jedem der aberwitzigen Sätze zu ihrer Situation ohne Kinder einen Stich im Herz versetzt. In ihrem Umfeld noch ärmer dran: die Frauen, die sich klar dafür aussprechen GERNE ein Leben ohne Kinder zu führen. Hier gibt es keine Mitleidspunkte von Tante Erna, die ungefragt ihren besten Gynäkologen anruft und ihrer Montags-Kaffeerunde den unerfüllten Kinderwunsch sofort lauthals am Tisch verkündet.
Nein, für diesen reflektierten und selbstbestimmten Wunsch bekommen Frauen nur seltsame Blicke und Unverständnis.
Die kritisierenden Personen meinen es meist nicht böse, aber die alten Glaubenssätze und verankerten Rollen einer Familie sind noch immer tief in den Köpfen manifestiert.
Was Frauen ausmacht
Frauen sind so viel mehr als nur Mütter. Das gilt übrigens auch für Frauen, die sich für ein Leben mit Kindern entschieden haben. Sie wollen auch nicht nur als das Hausmütterchen und die Mami gesehen werden, sondern auch ein Leben als Frau führen.
Sie wollen beruflich Karriere machen, sie wollen eine erfüllte Partnerschaft mit leidenschaftlichen Abenden, sie wollen neue Dinge lernen, noch einmal studieren, sie wollen mit ihrer besten Freundin ein paar Achterl zu viel trinken und am nächsten Tag über ihre Dummheiten lachen – all das und noch viel mehr macht eine Frau aus.
Selbstbestimmte Wünsche
Wenn eine Frau das Gefühl hat, dass zu ihren Wünschen und ihrem Leben kein Kind passt, sie diese lebenslange Verantwortung nicht tragen möchte, dann ist das in Ordnung und selbstreflektiert. Die Entscheidung über das Muttersein oder nicht Muttersein einer Frau in Frage zu stellen, impliziert, dass man denkt, dass die Frau sich über das wichtige Thema noch nie Gedanken gemacht hat. Wobei vermutlich genau die Frau, welche sich gegen Kinder entschieden hat viel mehr über dieses Thema nachgedacht hat, als der Großteil der Frauen mit Kindern.
Aber falls diese Frau ihre Meinung ändert, dann braucht sie dafür sicher keine Ratschläge von entfernten Verwandten und Nachbohren von dem Freund einer Freundin der Mutter des Großcousins auf der Gartenparty von Oma Edith. Wenn sie ihre Meinung irgendwann ändert, vermutlich aus weiteren Überlegungen, Gesprächen mit ihrem Partner und dem Gefühl und Drang ein Kind zu wollen. Und nicht weil Tante Erna nachgefragt hat.
Können wir also bitte aufhören Frauen danach zu Fragen, ob sie sich in anderen Umständen befinden oder wann denn ENDLICH dieses Kind kommt.