Deal bei "2 Minuten 2 Millionen" für "PelviQueens"
Ganz nach dem Motto und dem Hashtag #skirtdrop ziehen die Gründerinnen Magdalena Rechberger (26) und Judith Sacher (25) zum Start ihres PULS4-Pitches blank und zeigen sich vor den Investoren mit nassen Hosen im Schritt. Sie wollen damit Bewusstsein für den schwachen Beckenboden vieler Frauen schaffen und das Tabuthema normalisieren.
Es ist ein großes Thema in der Frauengesundheit, und die Gründerinnen und Physiotherapeutinnen Magdalena und Judith wollen Frauen ihre Lebensqualität mit Hilfe von Online-Kursen zurückbringen. Für ein neuartiges Biofeedback-Gerät zur genaueren Analyse der Beckenbodenschwäche benötigen sie ein Investment von 50.000 Euro und bieten den Investoren dafür 25 Prozent Anteil an ihrem Unternehmen.
Ihre Wunschinvestorin war Katharina Schneider, da sie bekannt dafür ist, digitale Gesundheitsplattformen zu befürworten und zu unterstützen. Der Wunsch der beiden Unternehmerinnen ist in Erfüllung gegangen und sie konnten Katharina Schneider als Investorin für PelviQueens gewinnen.
STYLE UP YOUR LIFE!-Redakteurin Karin Jurczek hat das Unternehmerinnen-Duo zum Interview getroffen und genauer nachgefragt, wo die Probleme beim "Tröpfchen verlieren" liegen, was Schmerzen beim Sex mit dem Beckenboden zu tun haben und wie man die Muskulatur um die Scheide stärken kann.
Magdalena und Judith von "PelviQueens" im Interview
STYLE UP YOUR LIFE!: Wie habt ihr euren Pitch bei "2 Minuten 2 Millionen" erlebt?
PelviQueens: "Es war eine total spannende Reise. Wir haben ja immer dieses Motto 'Wir sprechen über Tabus' oder möchten Tabus brechen, und das war auf jeden Fall unser Ziel, dass wir dort kein Blatt vor den Mund nehmen. Wir haben auch von den Investoren sehr positives Feedback bekommen, auch von denen, die vielleicht gar nicht so im Gesundheitsbereich tätig sind.
Man hat das Gefühl, dass immer mehr Frauen sich trauen, darüber zu sprechen und merken erst jetzt, wie viele Frauen eigentlich unter einer Beckenbodenschwäche leiden. Nach eurer Erfahrung, welche Frauen kommen zu euch?
"Unsere Zielgruppe ist von 16 Jahren bis über 70 Jahre hinaus. Wir haben auch zum Beispiel eine 25-jährige Patientin, die an Tröpfchen-Verlust und an Inkontinenz leidet. Zum Beispiel die Themen Schmerzen beim Sex oder Schmerzen bei der Periode können ein Hinweis sein, dass es hier vielleicht eine Verspannung von der Muskulatur gibt. Das findet man sehr häufig auch im jüngeren Alter.
Man kann nicht sagen, dass ein schwacher Beckenboden nur in der älteren Generation stattfindet, sondern das betrifft eben sehr wohl auch junge Frauen. Hier sind oft Risikofaktoren, wie sehr viel High Impact Sportarten, die den Beckenboden stark mitnehmen. Rauchen, Diabetes können weitere Faktoren sein, die einen schwachen Beckenboden auslösen."
Jetzt gibt es viele Frauen, die regelmäßig und viel Sport machen und trotzdem einen schwachen Beckenboden haben. Wie unterscheidet sich das Beckenbodentraining von normalem Training?
"Eigentlich sollte man die zwei Dinge gar nicht differenzieren. Wenn wir unseren Rumpf anschauen, dann ist nämlich der Beckenboden sozusagen das starke Fundament und gibt die Kraft von unten. Der Beckenboden ist ein Skelettmuskel, sowie unser Bizeps und wenn der nicht gekräftigt wird, dann kann er sich auch nicht aufbauen. Wir empfehlen schon immer vor dem Krafttraining, High Impact Training, Lauftraining - sobald man der Schwerkraft ausgesetzt ist, ist der Beckenboden belastet. Da muss einfach wirklich ein gekonntes Beckenbodentraining mitgemacht werden."
Kann es auch sein, dass "normales Training“ die Beschwerden verschlechtert, wenn man nicht zusätzlich den Beckenboden explizit trainiert?
"Es gibt schon einige Studien dazu, wenn der Beckenboden wirklich eine gewisse Schwäche schon hat und dabei muss die Schwäche noch gar nicht symptomatisch erkennbar sein, kann eine Überlastung des Beckenbodens, auch durch Sport die Schwäche symptomatisch machen und verschlechtern. Eine noch nicht erkennbare Schwäche kann sein ein schlechtes Bindegewebe, oder ein wenn andere Muskeln viel stärker trainiert sind als der Beckenboden selbst. Weitere Studien zeigen aber auch, dass Beckenbodentraining die Leistung im Sport sogar verbessern kann."
Wie lange dauert es, bis sich eine Besserung zeigt bei regelmäßigen Beckenbodentraining?
"Das ist uns immer ganz wichtig, dass wir das betonen, dass das nicht in sechs Wochen geht. Deswegen sind unsere Kurse für die Frauen auch immer ein Jahr zugänglich und wird Modulweise freigeschalten, um zu garantieren, dass die Frau lange begleitet wird. Bevor man mit dem Aufbautraining starten kann, sollte vorher die Wahrnehmung geschult, ein Fundament geschafft werden und das dauert schon vier bis sechs Monate, bis sich merkbare Besserungen zeigen. Das hängt natürlich auch davon ab, wie stark der Muskel beeinträchtigt ist ober ob man in der Prävention arbeitet."
In welchen Fällen reicht Beckenbodentraining nicht mehr aus und muss operiert werden?
"Die meisten Fälle sind wirklich gut mit Beckenbodentraining zu schaffen. Wo man doch zur Operation greift, ist wenn man eine Senkung hat, die wirklich schon weit fortgeschritten ist. Man kann die Senkung in vier Grade unterscheiden und Grad Vier bedeutet schon, dass zum Beispiel die Gebärmutter schon zum Großteil auch wirklich außerhalb der Vagina sichtbar ist. Da muss man meistens schon zu einer Operation greifen."
Spielt Sexspielzeug, unter anderem auch Liebeskugeln, eine Rolle beim Beckenbodentraining oder wird nur "außen" trainiert?
"Diese Frage wird uns immer gestellt. Die Liebeskugeln sind sicher nicht die Wahl für jede Frau. Man darf nicht unterschätzen, was das für eine Belastung für den Beckenboden darstellt, wenn er plötzlich ein Gewicht halten muss, dass er gar nicht gewöhnt ist. Da kann es ganz oft nach hinten losgehen, dass man den Beckenboden in eine Verspannung bringt und sollte daher vorher auf jeden Fall mit einer Expertin/mit einem Experten abgeklärt werden. Es ist halt eine passive Trainingsart, aber wir tendieren immer eher dazu die aktive Trainingsart (von einem selbst gesteuert) zu wählen."
Ist es sinnvoll, während des Sex den Beckenboden "zu trainieren"?
"Das geben wir unsere Patientinnen und unsere Kundinnen eigentlich sehr gerne mit. Auch als Kontrolle, hier wird der Partner sozusagen als wandelndes und lebendes Biofeedback-Gerät verwendet. Beckenbodentraining ist sehr vielseitig, das geht über Kraft, Ausdauer, Schnellkraft, über Dauerspannung, Maximalkraft und die Intensitäten kann man auch während, nach oder vor dem Sex anwenden und sich auch gleich Feedback einholen."
Kann man sagen, dass sich Beckenbodentraining positiv auf das Sexleben auswirkt?
"Das hilft unseren Patienten oder Kundinnen eigentlich sehr häufig. Vor allem die Anspannungen sorgen immer für eine Durchblutungsförderung und das ist für den Muskel immer gut. Ein Orgasmus ist eigentlich nichts anderes als ganz schnelle Kontraktionen vom Beckenboden. Deswegen kann Beckenbodentraining den Sex verbessern."