Vince Ebert: Männer und Frauen sind nicht gleich
In einem Gastbeitrag erklärt der bekannte Physiker und Kabarettist Vince Ebert mit viel Witz und Scharfsinn, warum Männer und Frauen zwar verschieden, aber trotzdem gleichwertig sind. Der Text ist ein Auszug aus seinem neuen Buch "Wot Se Fack, Deutschland? - Warum unsere Gefühle den Verstand verloren haben", das aktuell ganz oben auf der Spiegel-Bestsellerliste steht. Wir verlosen 2 x 1 Exemplar.
In letzter Zeit wird vermehrt behauptet, dass typisch männliche und weibliche Rollenbilder vornehmlich durch die Erziehung geprägt sind. Demnach werden Jungs deswegen Jungs, weil sie mit Bauklötzen und Spielzeugautos aufwachsen und Mädchen werden deswegen Mädchen, weil man ihnen sofort Puppen in die Hand drückt.
Doch jeder, der Kinder hat, weiß, dass das so nicht stimmt. Als mein Neffe vier Jahre alt war, habe ich ihm nicht deswegen einen Bagger gekauft, um ihn in eine bestimmte Rolle zu drängen, sondern weil er das gesamte Kaufhaus zusammengebrüllt hat, als ich ihm das Barbie-Einhorn in die Hand drückte.
Kinder wissen sehr früh, was sie wollen. Ich hatte zum Beispiel schon immer einen Hang zu physikalischen Experimenten. Mit sechs Jahren habe ich meinem Vater beim Mittagsschlaf mit einer Lupe einen glühend heißen Sonnenstrahl an den Hinterkopf gehalten. Ein Team von Fachärzten hat wochenlang herumgerätselt, was das sein könnte.
Der Status spielt bei der Partnerwahl eine entscheidende Rolle
Männer und Frauen sind nicht gleich. Und das liegt eben auch an grundsätzlichen genetischen Unterschieden. Wenn Sie ein Y-Chromosom haben, dann sorgt das nicht nur für mehr Muskelmasse und eine tiefere Stimme, es beeinflusst auch Wesenszüge wie Risikobereitschaft, Statusdenken oder Dominanzverhalten – Eigenschaften, die heutzutage etwas abfällig als „toxische Männlichkeit“ bezeichnet werden. Aber ein junger Mann, der vor 100 000 Jahren auf der Jagd todesmutig sein Leben riskiert hat, um das Rudel mit Fleisch zu versorgen, galt bei den Damen als der attraktivste Typ. Das funktioniert sogar heute noch. Ein alter Freund von mir hat seine zukünftige Frau rumgekriegt, als er ihr zum ersten Date ein von ihm überfahrenes Wildschwein mitgebracht hat. Die Burgenländer Version von Fastfood.
Und diese Wesenszüge des Jägers haben wir Männer immer noch an der Backe. Weil sie sich in unserer Entwicklungsgeschichte als Vorteil erwiesen haben. In praktisch jedem Land der Welt beurteilen Frauen die Attraktivität von Männern nach Charaktereigenschaften wie Zuverlässigkeit, Verantwortungsgefühl und Ehrgeiz. Auswertungen von Datingportalen zeigen: Haben Frauen die Gelegenheit, frei unter mehreren Bewerbern zu wählen, entscheiden sie sich signifikant häufiger für denjenigen mit dem höheren Status. Frauen mit hohen Gehältern, Uni-Examen und prestigeträchtigen Berufen bewerten bei potenziellen Partnern den Status sogar noch höher als weniger vermögende Frauen.
Das ist übrigens auch der Grund, weshalb sich Glatzenbildung bei uns Männern evolutionär durchgesetzt hat. Dadurch können junge Männer mit schütterem Haupthaar den Damen ein höheres Alter und damit einen höheren Status vorgaukeln. Vor einiger Zeit habe ich mir meinen Haaransatz weglasern lassen, um bei meinem weiblichen Publikum ein wenig seriöser rüberzukommen. In Wahrheit bin ich nämlich erst 34.
Eine absolute Gleichheit zwischen den Geschlechtern wird es wohl niemals geben
Natürlich stehen auch Frauen im Berufsleben massiv unter Druck. Sie sind oftmals in schlechter bezahlten Jobs tätig, von ihnen wird erwartet, dass sie ihre Karriere zugunsten von Kindern zurückstellen, und das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist auch real.
Aber als Träger eines Y-Chromosoms kann ich sagen: So wahnsinnig lustig, in einer Leistungsgesellschaft ein Mann zu sein, ist es auch nicht. Wir alle wissen: Die tollen Frauen können sich den Typen aussuchen. Und sie suchen sich nicht den Loser aus. Ich jedenfalls habe noch nie eine Frau gehört, die gesagt hat: „Jetzt wo da Harry hockenstad is, hot uns des no vü näher zombrocht …“
In den vergangenen fünfzig Jahren hat die Emanzipationsbewegung Großes erreicht. Als Mann will ich mir keinesfalls anmaßen zu sagen: „So, jetzt ist es gut.“ Eine absolute Gleichheit zwischen den Geschlechtern wird es wohl niemals geben, eben auch, weil sich Männer und Frauen aufgrund ihrer biologischen Grundausstattung unterscheiden. Und die hat einen großen Einfluss auf unsere Wünsche, Ziele und Interessen. Ob es uns gefällt oder nicht.
In der feministischen Literatur wird oft von Privilegien gesprochen, die Männer haben. Doch Privilegien sind unfassbar schwer zu definieren oder gar zu quantifizieren. Ist ein Mann, der seine Kinder kaum sieht, weil er alles der Karriere unterordnet, privilegierter als eine Frau, die zugunsten der Familie in Teilzeit geht? Ist eine weibliche Führungskraft, die über die Quotenregelung in ihre Position gekommen ist, zufriedener als ein männlicher Abteilungsleiter, der sich aus eigener Kraft nach oben gearbeitet hat? Sind Frauen, die niedrigere Pensionen als Männer bekommen, schlechter dran als Männer, die im Schnitt sechs Jahre früher sterben?
Vielleicht sollten wir akzeptieren, dass beide Geschlechter unterschiedliche Päckchen zu tragen haben. Frauen sind nicht die besseren Männer. Genauso wenig wie Männer die besseren Frauen sind. Wir sind anders und trotzdem gleichwertig.
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