Was Stereotypen mit deinem Gehalt zu tun haben
Eine Studie zeigt: Mädchen, die sich früh an traditionelle Geschlechterrollen anpassen, verdienen im späteren Berufsleben weniger!
Der Gender-Pay-Gap liegt in Österreich bei 12,7 Prozent. Dieser bezeichnet die durchschnittliche Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen, die oft trotz gleicher Qualifikation und vergleichbarer Tätigkeiten besteht. Es gibt dafür mehrere Gründe. Einer davon ist, dass Frauen oft Berufe wählen, die schlechter bezahlt sind als die, die Männer bevorzugen. Doch warum ist das so? Warum entscheiden sich Frauen eher für niedrig entlohnte Berufe wie Altenpflegerin, anstatt eine gut bezahlte Karriere als Ingenieurin anzustreben?
Stereotypen sollen daran Schuld sein
Eine neue These besagt, dass die Werte, die wir bereits in der Kindheit entwickeln, unsere berufliche Laufbahn beeinflussen. Eine Studie von Forscherinnen und Forschern aus den USA und Großbritannien, die vom National Bureau of Economic Research in Cambridge veröffentlicht wurde, zeigt: Mädchen, die sich stark mit traditionellen Geschlechterrollen identifizieren, verdienen im späteren Berufsleben weniger.
Tagebücher geben Aufschluss
Für die Studie wurden Daten der National Child Development Study (NCDS) ausgewertet. Diese Langzeitstudie verfolgt das Leben von mehr als 17.000 Menschen, die 1958 in England, Schottland und Wales geboren wurden. Sie erfasst Informationen über deren Leben, Gesundheit sowie soziale und berufliche Entwicklungen. Im Alter von elf Jahren sollten die Teilnehmenden einen Aufsatz darüber schreiben, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Die Vorstellungen der Kinder gingen dabei weit auseinander: Während manche Mädchen vom Leben als Hausfrau und Mutter träumten, strebten andere beruflichen Erfolg und Wohlstand an.
55 Jahre später untersuchten die Forscherinnen und Forscher, was aus den Teilnehmerinnen geworden ist und inwiefern ihre Kindheitswünsche in Erfüllung gegangen sind. Das Ergebnis: Je stärker die elfjährigen Mädchen traditionelle Rollenbilder verinnerlicht hatten, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Berufsleben ein unterdurchschnittliches Einkommen erzielten.
Konservative Werte bremsen Frauen aus
Aber warum ist das so? Die Studie erklärt, dass Frauen mit konservativen Geschlechtervorstellungen oft früher ins Berufsleben einsteigen, kürzere Ausbildungswege wählen und häufiger in Teilzeit arbeiten. Diese Entscheidungen führen dazu, dass ihre Karrieren oft früh stagnieren oder gar nicht erst in Fahrt kommen. Warum schon junge Mädchen diese stereotypen Rollenbilder entwickeln, bleibt offen. Wissenschaftlich belegt ist jedoch, dass Kinder bereits in den ersten Lebensjahren geschlechtsspezifisches Wissen erwerben, etwa welche Spielzeuge als „typisch für Mädchen“ oder „typisch für Jungen“ gelten. Später lernen sie, bestimmten Geschlechtern bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben. Laut einer gemeinsamen Studie der Universitäten von Illinois, New York und Princeton verbinden schon sechsjährige Mädchen „schlaue“ Menschen eher mit Männern.
Wie können wir also verhindern, dass Kinder in veraltete Rollenklischees verfallen? Die Antwort liegt im Feminismus. Das bedeutet nicht, dass alle Mädchen nun von Spitzenpositionen träumen müssen. Wenn ein Mädchen gerne pflegerische oder kosmetische Tätigkeiten ausübt, sollte ihr das nicht verwehrt werden. Dennoch ist es unsere Aufgabe, ihr auch andere Perspektiven zu eröffnen. Jedes Kind sollte in einer Umgebung aufwachsen, die es ihm ermöglicht, frei von Geschlechterklischees eine unvoreingenommene Berufswahl zu treffen.
Beeinflusst das Selbstvertrauen
Konservative Rollenbilder wirken sich nicht nur auf die Berufswahl von Frauen aus, sondern beeinflussen auch deren Selbstbewusstsein und Ambitionen im Berufsleben. Studien zeigen, dass Frauen sich häufig seltener auf Führungspositionen oder hochbezahlte Jobs bewerben, weil sie ihr Können geringer einschätzen als Männer mit ähnlichen Qualifikationen. Dieser sogenannte „Confidence Gap“ führt dazu, dass Frauen oft zögern, Risiken einzugehen oder sich auf Positionen zu bewerben, die sie zwar erfüllen könnten, sich aber unsicher fühlen. Die internalisierten gesellschaftlichen Erwartungen, wie Frauen sich verhalten oder welche Berufe „für sie geeignet“ sind, können ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten untergraben.
Frühe Rollenbilder
Die psychologischen Auswirkungen dieser traditionellen Geschlechterrollen beginnen oft schon in der Kindheit und setzen sich im Berufsleben fort. Mädchen, denen beigebracht wird, bescheiden, fürsorglich und nicht zu dominant zu sein, können diese Werte auch in ihre beruflichen Entscheidungen tragen. Das führt dazu, dass sie in Gehaltsverhandlungen zurückhaltender sind oder Positionen meiden, in denen sie sich besonders durchsetzen müssen. Gleichzeitig tragen gesellschaftliche Stereotype, wie die Annahme, dass Männer kompetenter seien, dazu bei, dass Frauen auch extern weniger Anerkennung erhalten. Um sich frei von Urteilen und Stereotypen zu entfalten, sind für die Kinder auch die Eltern sehr wichtig. Wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen und uns aus konservativen Rollenbildern lösen, denn Kinder wollen immer so sein wie Mama und Papa.