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Lebenseinstellung

Vegan, Veganer, Veganerinnen

© Gettyimages.com/ Instagram/Debiflue

Fleischverzicht? – Mann doch nicht. Weltweit sind drei Viertel aller Veganer Frauen. Warum? Hier die spannenden Antworten der Forschung.

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Was Männer und Frauen essen

Ob Fleischtiger, Schnitzelfan oder Grillmeister – denken wir an Menschen, zu denen solch ein Titel passt, sehen wir vor unserem inneren Auge vor allem Männer. Eine unbewusste Reaktion, sicher – aber die harten Zahlen der Statistik untermauern dieses Bild. Nicht nur in Österreich, sondern auf der ganzen Welt sind vegetarisch oder vegan lebende Menschen zu etwa 70-75% weiblich.

Veganerin zu sein erlaubt es mir, mich in Respekt und Liebe zu üben. Auch du kannst dich 3x am Tag entscheiden, Dinge zu essen, die nicht getötet werden. Nathalie Portman, Schauspielerin

In Anbetracht dessen, dass hoher Fleischkonsum große Umweltschäden und enorme Mengen an Treibhausgasen verursacht, eine nicht nur amüsante Zahl. Psychologen und Soziologen einiger Universitäten weltweit haben sich deshalb in letzter Zeit mit der Frage beschäftigt, warum Männer so auf Fleisch versessen sind - und sind zu interessanten Ergebnissen gekommen.

Dwayne 'The Rock' Johnson - ein echter Mann! Gehört Fleischkonsum da automatisch dazu?

Der Verlust der Männlichkeit

Psychologen nennen das das Konzept der „prekären Männlichkeit“. Männlichkeit ist nicht etwas Selbstverständliches, sondern ein Konstrukt, sie muss durch permanente Anstrengung „erreicht und verteidigt“ werden.

Und deshalb fürchten Männer auch ständig, ihren männlichen Status und damit ihren gesellschaftlichen Rang zu verlieren. Also verspüren sie das Bedürfnis, ihre Männlichkeit zu beweisen – und wenn es über die Wahl ihres Menus ist. Warum aber gelten Salat und Veggie-Food als weiblich?

Diese Stars leben vegan

Immer mehr prominente Damen bekennen sich als Veganerinnen und sind so ein wichtiges Vorbild für die heranwachsende Generation. Denn Bewusstsein schaffen ist bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Historische Faktoren der Ernährung

„Fleisch war schon immer mit Gefahr verbunden, weil man früher jagen musste, um es zu bekommen“, sagt Steven Heine, ein Psychologe an der Universität von British Columbia, „und es war mit Status verbunden, weil es ein wertvolles Nahrungsmittel war. In patriarchalischen Gesellschaften haben die Männer dann dafür gesorgt, dass das wertvolle Essen vor allem an sie selbst ging", sagt er.

Dieser Faktor von „Papa bekommt das größte Stück“ wurde in modernen Gesellschaften zementiert. Als es im 19. Jahrhundert üblicher wurde, dass auch Frauen im Restaurant oder Hotel essen gehen, wurde von den Gastronomen eine „weibliche Speiseliste“ erstellt. Und darauf befanden sich wiederum Süßspeisen und Salate, während für den Mann das Steak empfohlen wurde.

Seit jeher hat sich der Fleischkonsum als regelmäßige Ernährungsbasis etabliert - nicht nur bei Männern.

Du bist, was du isst

Nachdem Männer also schon in der Vergangenheit die tierischen Proteine für sich reklamiert haben, ist es offenbar zu einem Teil ihrer Identität geworden. Margaret Thomas, eine Psychologin am Earlham College in Indiana, bringt es auf den Punkt: „Veganer werden als weniger männlich angesehen.“

Veganer werden als weniger männlich angesehen. Margaret Thomas, Psychologin Earlham College/ Indiana

Auch Steven Heine hat herausgefunden, dass die bloße Auflistung von vegetarischen Lebensmittel, die eine Person genießt, kombiniert mit einer detaillierten Beschreibung ihrer Persönlichkeit und ihrer Gewohnheiten ausreichen kann, um sie weniger männlich erscheinen zu lassen. Darum seien „vielleicht einige Männer besorgt, was passiert, wenn sie in einem Restaurant einen Salat bestellen", sagt er. Die einzige Ausnahme, die es bei diesem Image-Problem gibt: Wenn ein Mann sagt, dass er wegen irgendwelcher ominöser Verdauungsprobleme auf Fleisch verzichtet.

Frauen haben mehr Mitgefühl

Die Forschung hat immer wieder gezeigt, dass Frauen im Allgemeinen und insbesondere auch bei Tieren mehr Mitgefühl haben. Mit der kognitiven Dissonanz von „Ich liebe Tiere“ und „Ich esse Tiere“ gehen sie auch anders um als Männer. Die Psychologin Carolyn Semmler der Universität Adelaide erforschte dieses „Fleisch-Paradoxon“ in einer Studie, an der 460 Personen teilnahmen.

Die Menschen wurden dabei gebeten, ein Lammgericht auszuwählen, und dann wurden zwei Gruppen jeweils zwei unterschiedliche Informationen dazu gegeben. Die eine Versuchsgruppe erfuhr etwas über Nährwerte des Gerichts, die andere über die Aufzucht und das Leben der Lämmer. Resultat: Die Frauen fühlten sich schlechter, nachdem sie über die Verbindung zwischen Tier & Fleisch gelesen hatten, die Männer aber blieben davon mehr oder weniger unbeeinflusst. Mehr noch: Etliche hatten Angst, dass man ihnen das Fleischessen verbieten wolle, und begehrten Fleisch dadurch umso heftiger. Die weiblichen Teilnehmer der Studie jedoch hatten nach diesen Informationen generell eine verringerte Lust auf tierische Kost.

Wie Menschen das Fleischparadoxon bewältigen:

  • Frauen: Vermeiden eher, sich die Verbindung zwischen dem „lieben Tier“ und dem saftigen Steak am Teller vor Augen zu halten.

  • Männer: Tendieren eher zu Rechtfertigungsstrategien wie „Die fühlen beim Schlachten eh keinen Schmerz“, „Fleisch ist gesund, mein Körper braucht das“ und „Der Mensch steht nun mal an der Spitze der Nahrungskette und kann mit den Tieren machen, was er will“.

Dazu passt die Theorie der „sozialen Dominanz“. Männer könnten Fleisch sogar attraktiver finden, wenn sie daran erinnert werden, dass es aus Tieren hergestellt wird, weil es ihr Gefühl von Dominanz, Macht und Überlegenheit verstärkt. Je stärker eine Gesellschaft hierarchisch in „Oben und Unten“ gegliedert ist, umso mehr wird auch der Konsum von Fleisch befürwortet – und umgekehrt.

Dies hat auch eine Studie der Anthropologin Peggy Sanday bewiesen, die die Ernährungs- und Machtstrukturen von hundert Jäger- und Sammlerkulturen verglich. Sie stellte fest, dass die auf Fleisch basierenden Gesellschaften eher patriarchalisch geprägt waren, während die sich vorrangig mit Pflanzen ernährenden Stämme im Allgemeinen eher egalitär waren. Zugespitzt kann man also sagen: Wo viele Tiere gegessen werden, haben auch Frauen nix zu melden.

Ich verstehe, dass Fleisch manchen Menschen sehr gut schmeckt. Aber zu glauben, es würde keinen Unterschied machen, ob man darauf verzichtet oder nicht, ist einfach nur ignorant und verblendet. Billie Eilish, Sängerin

Das Verantwortungsgefühl

Wenn Frauen über die Folgen ihres Handelns informiert  – und so ihrer Verdrängungsstrategien beraubt – werden, reagieren sie tendenziell anders als Männer. Konfrontiert man sie etwa mit der ungesunden Realität bestimmter Verhaltensweisen wie Rauchen oder Sex ohne Kondom - und erinnert sie damit an Situationen, in denen sie sich auf diese Risiken eingelassen haben - ändern sie ihre Einstellung und ihr Verhalten in größerem Maße als Männer.

Psychologin Carolyn Semmler: „Die Ergebnisse meiner Studie passen gut zu dem, was sich in anderen Forschungensergebnissen gezeigt hat, wie Männer und Frauen normalerweise mit unvereinbaren Überzeugungen oder Verhaltensweisen umgehen. Während Männer dazu neigen, anzugreifen, neigen Frauen dazu, zu denken 'Ich werde mein Verhalten ändern, weil das Problem bei mir liegt - ich werde die Verantwortung dafür übernehmen'", sagt sie. Daher ist auch die Bereitschaft von Frauen tendenziell höher, die Verantwortung für ihren Fleischkonsum zu übernehmen, sobald sie über Tierleid oder Umweltproblematik informiert sind.

In Grünzeug ist tatsächlich mehr Protein enthalten als in Fleisch. Als ich erst einmal vollständig verstand woher Fleisch kommt, fand ich das sehr schwer zu akzeptieren. Ellie Goulding, Sängerin

Die Zukunft ist grün

Wie auch immer die Vergangenheit aussieht – die VeganerInnen sind am Vormarsch. Mit den Frauen an der Spitze der Bewegung ist alleine in den USA die Zahl der Veganer zwischen 2014 und 2017 um 600 % gestiegen. Und damit auch die Männer ihre Einstellung zu tierischem Eiweiß ändern, hat Umweltaktivist Arnold Schwarzenegger 2018 den Film „The Game Changers“ produzieren lassen.

In der Dokumentation geht es um Sport, Gesundheit und Ernährung. Das Besondere an dem Film: In ihm kommen vor allem Männer zu Wort. Man sieht Olympiateilnehmer, Kampfsportler und Muskelmänner, die allesamt topfit, stark und kerngesund sind - und sich rein vegan ernähren …

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