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Vegan

Der Pflanzenmilch-Check

Kuhmilch ist aus verschiedensten Gründen in Verruf geraten - sogar Joaquin Phoenix hat in seiner Oscar-Rede 2020 darüber gesprochen. Wie aber sieht die Ökobilanz der pflanzlichen Milchsorten aus? - Lies den Umwelt-Check!

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Milch ohne Muh

Es waren 23,6 Millionen Zuhörer, die in der Oscar-Rede 2020 des Schauspielers Joaquin Phoenix folgende Worte zu hören bekamen: „Wir fühlen uns dazu berechtigt, eine Kuh künstlich zu befruchten und ihr nach der Geburt ihr Kind zu stehlen, obwohl ihre gequälten Schreie unmissverständlich sind. Dann nehmen wir die für ihr Kalb vorgesehene Milch und geben sie in unseren Kaffee und unser Müsli…“.

In den USA, wo es zahlreiche riesige Rinderfarmen gibt, sorgte diese Ansprache zum Teil für Empörung. Gleichzeitig machten diese Worte aber viele Menschen nachdenklich, auch hier bei uns in Österreich.

Raubbau an der Natur

Assoziationen zu den entsetzlichen Bränden im Amazonasgebiet wurden geweckt – wird nicht der Regenwald für Rinder-Weiden beziehungsweise als Anbaufläche für Soja-Tierfutter abgefackelt? Rülpsen Kühe, die auch bei uns mit südamerikanischem Soja gefüttert werden, nicht auch jede Menge klimaschädliches Methan aus? - Nun, Kühe verbrauchen nicht nur viel Fläche, sondern auch viel Wasser.

Und sie produzieren Gülle, die Flüsse und Grundwasser verschmutzt. Eine Zahl ist besonders unerfreulich: Die Herstellung von einem Liter Kuhmilch hat im globalen Durchschnitt dieselbe Klimawirkung wie die Verbrennung von einem Liter Benzin.

Pflanzenmilch vs Kuhmilch

In Nordeuropa können 85-90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Milch verdauen, in der gesamten Weltbevölkerung nur 75 Prozent. Die Laktoseintoleranten vertragen Milch deshalb nicht, weil ihnen das Enzym Laktase fehlt (das Säuglinge noch haben). Sie bekommen Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme. Doch ob man Kuhmilch nun verträgt oder nicht – die Massentierhaltung ist für unseren Planeten zu einem gravierenden Problem geworden.

Für die wachsende Gemeinde der Vegetarier und Veganer wurden deshalb von den Lebensmittelherstellern verschiedenste pflanzliche Alternativen gefunden: Soja, Reis, Mandeln, Hafer, Dinkel, Kokos, Haselnuss, Cashew, Hanf- und sogar Lupinensamen lassen sich zu milchartigen Getränken verarbeiten. Doch sind diese Pflanzendrinks automatisch perfekt umweltfreundlich?

Pflanzenmilch im Test

Greenpeace Österreich testete Anfang letzten Jahres einen Warenkorb mit 20 konventionellen Artikeln aus dem Standardsortiment. Die Pflanzenmilch-Sorten wurden hinsichtlich gentechnikfreier Fütterung, Tierwohl, der Verwendung heimischer Rohstoffe und fairer Zertifizierungen bewertet. Außerdem wurde die Kennzeichnung der Produkte sowie die Herkunft, also ob die Zutaten österreichischen Ursprungs sind und die Herstellung in Österreich stattfindet, analysiert.

Das Resultat in Kürze: Mit einem kleinen, aber feinen Angebot wurde Hofer beim Test der Pflanzendrinks Testsieger – gefolgt von der Tiroler Supermarktkette MPreis auf Platz zwei und Interspar auf Platz drei. Generell bezeichnete Greenpeace das Test-Ergebnis aus Umweltsicht als erfreulich: Rund 42 Prozent der Pflanzendrinks waren Bio-Produkte und garantierten damit Gentechnikfreiheit und hohe Umweltschutzstandards. Bei der Herkunft mancher Zutaten gibt es dagegen noch Verbesserungspotential – sie stammten besonders bei den konventionellen Pflanzendrinks auch aus Übersee und hatten damit eine hohe Co2-Transportbilanz.

Gut zu wissen: Die Milch-Arten im Vergleich

Kuhmilch

Bei Biomilch und Heumilch sieht die Bilanz zwar vermutlich etwas besser aus als bei Kuhmilch aus konventionellen Großbetrieben – dennoch ist die Herstellung eines Liters immer ressourcenintensiver als die von pflanzlicher Milch. Kuhmilch verbraucht in der Herstellung immer und überall mehr – siehe den Vergleich der Zahlen mit Pflanzenmilch.

Landverbrauch: 9 m2

Co2-Produktion: 3 kg

Wasserverbrauch: 628 Liter

Sojamilch

Häufig hört man die Behauptung, dass Sojamilch für abgeholzte Regenwaldflächen verantwortlich sei. Nun, ob Soja die Umwelt schädigt, hängt grundsätzlich von der Art und dem Ort des Anbaus ab. Das vorwiegend als Tierfutter angebaute, zumeist gentechnisch veränderte Soja aus den riesigen Monokulturen Südamerikas ist aus ökologischer Sicht katastrophal. Europäisches Soja, das für die meisten unserer Sojadrinks verwendet wird, stammt jedoch häufig aus Bioanbau. Soja als Pflanze ist zudem  insofern nachhaltig, weil es durch seine Knöllchenbakterien die Bodenfruchtbarkeit fördern kann.

Landverbrauch: 0,7 m2

Co2-Produktion: 1 kg

Wasserverbrauch: 28 Liter

Hafermilch

Hafer hat den Heimvorteil, weil er in Europa immer schon angebaut wurde. So verwendet zum Beispiel der schwedische Konzern Oatly nur Hafer aus dem eigenen Land, auch österreichische Produzenten wie etwa die Hofer- oder Billa-Marken produzieren heimisch. Hafer hat eine einwandfreie Umweltbilanz.

Landverbrauch: 0,8 m2

Co2-Produktion: 0,9 kg

Wasserverbrauch: 48 Liter

Reismilch

Reis wird sowohl in Europa als auch in Asien angebaut. Wegen Wasserverbrauch und Treibhausgasemissionen (Co2, Methan) bei seinem Anbau sieht die Ökobilanz etwas weniger gut aus als bei den anderen Milchalternativen.

Landverbrauch: 0,3 m2

Co2-Produktion: 1,2 kg

Wasserverbrauch: 270 Liter

Mandelmilch

80% der weltweit verarbeiteten Mandeln stammen aus riesigen Monokulturen in Kalifornien, und die sind aus verschiedenen Gründen problematisch. Zum einen verbrauchen sie dort wegen des trockenen Klimas enorme Mengen des ohnehin immer rareren Grundwassers. Und zum anderen werden für die Bestäubung der Blüten auf den Mandelbäumchen Milliarden von Bienen auf die Plantagen gebracht. Pestizide, hohe Besatzdichte und Transportstress belasten die Bienenvölker extrem, was bei jeder Befruchtung zu einem Massensterben der Bienen führt. Mediterrane Anbaugebiete sind in der Umweltbilanz vermutlich etwas besser, aber auch sie haben immer noch einen hohen Wasserverbrauch.

Landverbrauch:  0,5 m2

Co2-Produktion: 0,7 kg

Wasserverbrauch: 371 Liter

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